Nirgends in Europa ist Strom für private Haushalte so teuer wie in Deutschland. Der Durchschnittspreis lag im vergangenen Jahr bei fast 40 Cent pro Kilowattstunde. In Ungarn ist der Strom dagegen besonders billig. Dort müssen nur etwa 10 Cent gezahlt werden. Die Bundesregierung will gegensteuern. Ein Gesetzentwurf aus dem Wirtschaftsministerium wird gerade zwischen den Ressorts abgestimmt.
Geplant ist ein Zuschuss des Bundes in Höhe von 6,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übertragungsnetzkosten. Das soll die Kostenbelastung der Stromkunden aus den Netzentgelten mindern. Der energiepolitische Sprecher der CSU Andreas Lenz spricht von einer guten Nachricht für die Wirtschaft und private Haushalte.
Was bedeutet das für die Stromkunden?
Der Strom wird günstiger. Wie hoch die Entlastung genau ausfallen wird, lässt sich aber nicht pauschal sagen, berichtet Florian Mattner BR24. Er ist Hauptgeschäftsführer des VBEW, der sich als Sprachrohr der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft versteht. Nach Berechnungen seines Bundesverbands bringt eine Milliarde Euro Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten für Haushaltskunden eine durchschnittliche Entlastung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Rein rechnerisch entspricht der geplante Zuschuss einer Entlastung von 1,3 Cent pro kWh – mit Umsatzsteuer sind es rund 1,5 Cent. Aber: "Es wird deutliche regionale Unterschiede geben, da die genaue Wirkung stark von der regionalen Netzstruktur vor Ort und der Stromabnahme aus dem Übertragungsnetz abhängt".
Was ist aus den ursprünglichen Strompreisversprechen geworden?
Im Wirtschaftsministerium geht man davon aus, dass die Strompreise durch den geplanten Zuschuss stärker sinken werden als vom Verband berechnet. Von den ursprünglich selbst gesetzten Zielen ist man jedoch weit entfernt. Im Koalitionsvertrag ist noch von einer deutlich stärkeren Entlastung die Rede. "Wir wollen Unternehmen und Verbraucher in Deutschland dauerhaft um mindestens fünf Cent pro kWh mit einem Maßnahmenpaket entlasten", heiß es dort. "Dafür werden wir als Sofortmaßnahme die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß senken und Umlagen und Netzentgelte reduzieren."
Weil das Geld knapp ist, wurde die Senkung der Stromsteuer für private Haushalte allerdings jüngst verschoben. Das hätte eine Entlastung von rund zwei Cent pro Kilowattstunde gebracht. Entlastet werden jetzt erst einmal nur das produzierende Gewerbe sowie land- und forstwirtschaftliche Betriebe.
Kritik daran kommt unter anderem von Bundesrat. Der drängt auf Entlastung von der Stromsteuer für alle und appelliert an die Regierung, ihr Versprechen so schnell wie möglich umzusetzen. Bayerns Ministerpräsident Söder hatte nach der Sitzung des Koalitionsausschusses im Juli angekündigt, dass die Senkung der Stromsteuer für alle im Jahr 2027 kommen soll. "Der Wille ist zu 100 Prozent da, das Ergebnis ist sehr gut möglich." Der finanzielle Spielraum dafür müsse aber noch erarbeitet werden.
Warum ist Strom eigentlich so teuer bei uns?
Dass die Strompreise in Deutschland strukturell höher sind als in vielen anderen Ländern, liegt an der speziellen Zusammensetzung des Endkundenpreises. Während in anderen Ländern die reinen Erzeugungs- und Netzkosten einen größeren Anteil ausmachen, treiben in Deutschland vor allem staatlich festgelegte Abgaben, Steuern und Umlagen den Preis in die Höhe. Der setzt sich ganz grob aus drei Hauptkomponenten zusammen:
- den Kosten für Beschaffung und Vertrieb,
- dem Netzentgelt, also der Gebühr für die Nutzung des Stromnetzes,
- und Steuern, Abgaben und Umlagen
Die höheren Preise in Deutschland liegen vor allem an der Finanzierung der Energiewende. Die Kosten dafür werden bei uns auf den Strompreis umgelegt. Auch andere Länder bauen natürlich erneuerbare Energien aus und modernisieren ihre Netzinfrastruktur, sie finanzieren das nur anders – zum Beispiel über allgemeine Steuern.
Im Video: So will die Bundesregierung den Strompreis senken
Die Netzentgelte sollen sinken. Dadurch soll der Strompreis auch für private Haushalte sinken.
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