Es ist verwirrend. Die Industrie freut sich über einen Auftragsboom zum Jahresende 2025. Laut Statistischem Bundesamt sind die Aufträge im Dezember um plus 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen, so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Fast zeitgleich meldet das Statistische Bundesamt ein Minus bei der Produktion von 1,9 Prozent, vor allem in der Autoindustrie. Wie kann das sein?
Mehr Aufträge für die Industrie
Erst kommen die Aufträge, dann wird produziert. Je nach Branche und Art der Bestellung ist die Zeitverzögerung unterschiedlich lang. Deshalb kann es gut sein, dass es in einem Monat ein Plus bei den Aufträgen gibt, die Firmen aber dennoch weniger produzieren.
Wichtig für den Blick in die Zukunft sind also die Eingänge - und da schaut es gut aus, immerhin war es das höchste Plus seit Dezember 2023.
Diese Industriezweige profitieren im Moment
Aber was heißt das für die bayerische Wirtschaft? Manfred Gößl, der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, ist da im Gespräch mit BR24 vorsichtiger. Die Industrie scheine wieder Kraft zu finden, was sehr erfreulich sei. Derzeit sei das aber alles noch bröselig, so Gößl, und könne auch wieder ein Ende finden.
Bröselig wohl auch deshalb, weil der satte Zuwachs im Dezember vor allem auf Großaufträge zurückgeht. Wenn man die ausklammert, liegt das Plus bundesweit nur noch bei 0,9 Prozent. Besonders profitiert haben Metallbetriebe und der Maschinenbau, bei der für Bayern so wichtigen Automobilindustrie ging es hingegen sogar um 6,3 Prozent zurück.
Wie ist die Stimmung in den Betrieben?
Von Euphorie sind die bayerischen Industriebetriebe weit entfernt. In der aktuellen Konjunkturumfrage des bayerischen IHKs von dieser Woche ist das Verhältnis der Betriebe ausgeglichen, die ihre Lage als gut beziehungsweise schlecht einschätzen. Die Aussichten der Unternehmen würden zwar auf eine Stabilisierung in den kommenden Monaten hindeuten. Dennoch lasse die erhoffte Trendwende weiter auf sich warten, meint Manfred Gößl.
Schaut man sich den langjährigen Vergleich an, so liegt der Konjunkturindex (s. Grafik) immer noch unter dem Durchschnitt. Seit 1993 befragen die bayerischen IHKs die Firmen nach ihrer Stimmung, der langjährige Durchschnitt liegt bei 112 Punkten, aktuell sind es 107. Nach einer überdurchschnittlich guten Stimmung in den 2010er Jahren kam es mit Corona und der Energiekrise zu Einbrüchen. Aus diesem Tief arbeiten sich die Firmen nur langsam heraus.
Konjunkturindex des BIHK
Weniger Bürokratie, weniger Kosten, mehr Arbeitsstunden
Für einen nachhaltigen Aufschwung brauche es nun richtige Reformen, sagt Manfred Gößl vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag. Das bedeute den Abbau von Bürokratie und geringere Kosten. So würden die Firmen vor allem die hohen Arbeitskosten als Geschäftsrisiko sehen.
Die Sozialversicherungsbeiträge dürften deshalb in Zukunft nicht über 40 Prozent der Bruttoverdienste steigen, so die Forderung. Auch am Thema "länger arbeiten" komme man nicht vorbei, so Gößl im BR24-Interview. Sonst sei in einer immer älter werdenden Gesellschaft die Balance zwischen Jungen und Alten einfach nicht zu halten.
Viele Industriebetriebe investieren im Ausland
Was ihn besorgt ist, dass die Industrieunternehmen derzeit bei Investitionen sehr zurückhaltend seien. Viele Firmen würden ihren Blick wieder ins Ausland richten. Ein Drittel der im Ausland aktiven Industriebetriebe beabsichtige, Kapazitäten aus Bayern abzuziehen.
Wenn es in Deutschland zu Reformen komme, sei er aber zuversichtlich, dass die Firmen wieder am Standort Bayern investieren.
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