Im Frieden unterirdische Sporthalle, im Konfliktfall Bunker für bis zu 6.000 Menschen. Anlage in Finnlands Hauptstadt Helsinki
Im Frieden unterirdische Sporthalle, im Konfliktfall Bunker für bis zu 6.000 Menschen. Anlage in Finnlands Hauptstadt Helsinki
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Im Frieden unterirdische Sporthalle, im Konfliktfall Bunker für bis zu 6.000 Menschen: eine Anlage in Finnlands Hauptstadt Helsinki.
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Im Frieden unterirdische Sporthalle, im Konfliktfall Bunker für bis zu 6.000 Menschen: eine Anlage in Finnlands Hauptstadt Helsinki.

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Von Finnland lernen: Wie Deutschland krisenfester werden kann

Von Finnland lernen: Wie Deutschland krisenfester werden kann

"Sisu" statt Schulterzucken: Finnland gilt vielen als Vorbild, wenn es um die Vorbereitung auf Krisen geht – von Bunkern über Vorräte bis zur Industrie. Was Deutschland von der finnischen Hartnäckigkeit lernen kann.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Bei den Fans von Actionfilmen sorgte 2022 die finnische Produktion "Sisu" für großes Aufsehen. Die Handlung ist schnell erzählt: In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs trifft ein wortkarger Goldsucher auf einen Trupp Wehrmachtssoldaten. Diese nehmen ihm gewaltsam seinen hart erarbeiteten Goldfund ab. Der knorrige ältere Herr startet daraufhin einen extrem blutigen Rachefeldzug, um sein Eigentum zurückzuerobern.

Trotz der gegnerischen Übermacht siegt er am Ende durch unbändigen Willen und Erfindungsreichtum. Der Filmtitel "Sisu" ist dabei nicht der Name des Goldsuchers, sondern ist ein finnischer Begriff für eine Mentalität, die man grob mit "kompromisslose Entschlossenheit" oder "zähe Beharrlichkeit" angesichts von Krisen, hybriden Bedrohungen und sonstigen Herausforderungen bezeichnen könnte.

Industrie-Präsident sieht Finnland als Vorbild

Für Peter Leibinger ist die Sache klar. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI sagte dem BR: Wenn sich Deutschland wirklich nachhaltig auf immer neue Bedrohungen einstellen wolle, dann könne man sehr viel von Finnland lernen. Dort sei es üblich, für mögliche Krisen vorzusorgen und nicht erst dann zu reagieren, wenn es eigentlich fast schon zu spät sei. Das gelte auch für die Wirtschaft.

Ähnlich sieht das der finnische Verteidigungsminister Antti Häkkänen, der seit dem Nato-Beitritt seines Landes ein europaweit gesuchter Gesprächspartner ist. Er betont, dass es nicht ausreiche, wenn sich nur Militär und Sicherheitsbehörden auf Bedrohungen einstellen. Man müsse in der gesamten Gesellschaft ein Bewusstsein für Risiken schaffen.

Resilienz, die eher als "Total Defence" bezeichnet wird, sei deshalb eine Frage der Mentalität, so Häkkänen. Auch Studien der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung und der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (externe Links) kommen zu ähnlichen Erkenntnissen.

Ein Plan B als Muss für die finnische Wirtschaft

Für die Wirtschaft bedeutet das Vorbild Finnlands unter anderem, sich breit aufzustellen und nach verschiedenen Seiten abzusichern, so Häkkänen. Als Musterbeispiel gilt Elisa, der größte finnische Telekommunikationsanbieter.

Dort heißt es, man habe Mobilfunk und Kabelnetze so ausgelegt, dass sie redundant seien. Gebe es Störungen oder Sabotage an einer Stelle, dann habe man immer Ausweichmöglichkeiten. Einen solchen Plan B haben auch die meisten Industrieunternehmen des Landes, etwa indem sie wichtige Zulieferungen nicht nur von einem, sondern von mehreren Partnern beziehen.

Schutzräume als Standard in Finnland

Auch beim Zivilschutz gilt Finnland deutschen Fachpolitikern als Vorbild. Erst vor wenigen Tagen besichtigten die Innenminister von drei deutschen Bundesländern die Anlage Merihaka im Untergrund der Hauptstadt Helsinki. In Friedenszeiten werden die Räume des weitläufigen Bunkersystems unter anderem als Sporthallen genutzt, im Krisenfall könnten dort mit kurzem Vorlauf bis zu 6.000 Menschen unterkommen.

Merihaka ist aber nur einer von vielen Bunkern im Land. Insgesamt stehen nach Angaben der finnischen Regierung landesweit mehr als 50.000 Schutzräume für fast fünf Millionen Menschen zur Verfügung – bei einer Bevölkerung von 5,6 Millionen. Die große Mehrheit der Schutzanlagen gehört Privatleuten oder Unternehmen, die auch für die Wartung verantwortlich sind.

Zum Vergleich: In Deutschland fände nach einer Erhebung aus dem Jahr 2024 nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung Unterschlupf in öffentlichen Schutzräumen.

Finnische Kampagnen für den Vorrat zu Hause

Für Widerstandsfähigkeit als Sache der gesamten Bevölkerung sorgen auch regelmäßige Kampagnen zur Krisenvorsorge, etwa für eine Vorratshaltung von haltbaren Nahrungsmitteln oder Medikamenten. Unterstützt werden solche Kampagnen zum Beispiel durch Studien (externer Link) der Nationalen Universität für Verteidigungsfragen. Hintergrund ist, dass sich das kleine Finnland seit Jahrzehnten durch den großen Nachbarn Russland und dessen Großmachtstreben bedroht sieht.

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