Auf der IWA OutdoorClassics in Nürnberg dominieren Aussteller von Waffen, Messern und Jagdausrüstung das Bild in den Hallen. Aber die Messe nahm heuer das Thema Krisen- und Katastrophenvorbereitung in den Fokus. Und hat dazu Herbert Saurugg eingeladen. Er ist Experte für Blackout- und Krisenvorsorge und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV).
Herbert Saurugg spricht ruhig und unaufgeregt über das Thema. Er betont, dass es ihm nicht um Panikmache gehe. Die Blackouts in Spanien, Portugal und Nordmazedonien im vergangenen Jahr hätten jedoch gezeigt, dass auch die Eigenversorgung jedes Einzelnen wichtig sei.
Blackouts, Stromausfälle und Krisen
Saurugg erklärt den Unterschied zwischen Blackout und einem Stromausfall wie in Berlin im Januar. Bei einem Blackout handelt es sich um einen überregionalen Stromausfall, bei dem ganze Staaten in der Versorgung gestört werden. Bei einem Stromausfall wie in Berlin war ein relativ kleines Gebiet betroffen, in dem Hilfe von außen gut möglich war.
Saurugg führt aber auch die Flutkatastrophe im Ahrtal von 2021 als Krisenfall an. Der Experte plädiert dafür, sich mit ganz einfachen Mitteln darauf vorzubereiten, einige Tage ohne Strom, Gas und Heizung auszukommen. Und zwar in den eigenen vier Wänden.
Doomer, Prepper und rationales Vorbereiten
Das Vorgehen der sogenannten "Doomer" und "Prepper", die sich, wie in den USA, mit einem Bunkerbau auf den Weltuntergang vorbereiten, hält Herbert Saurugg für ein "Hype-Thema". Es gebe Menschen, die übertreiben würden, und es gebe Menschen, die sich gar keine Gedanken machten.
Saurugg plädiert für den Weg der Mitte, ohne Angst, aber auch ohne Sorglosigkeit. Etwa, indem man seine Vorräte von Wasser, Medikamenten und länger haltbaren Lebensmitteln regelmäßig überprüft, um 14 Tage auszukommen. Man sollte nicht darauf setzen, dass der Staat für alles verantwortlich sei, weil das "zu einem bösen Erwachen führen" könnte.
Outdoor-Abenteuer oder Fluchtvorbereitung?
Ein Unternehmen aus Dasing bei Augsburg hat ebenfalls einen Stand auf der Messe in Nürnberg. Es hängen dort Rucksäcke in Schwarz und dunklem Grün, einzelne Taschen, die man individuell in die Rucksäcke einfügen kann, und Kochgeschirr für das Abenteuer in der Wildnis. Das Unternehmen ist mit zwei Marken dort, einer für Polizei und Sicherheitskräfte, die zweite, Tatonka, für Outdoor-Abenteurer.
Vor allem ein Survival-Reality-Format auf YouTube habe den Outdoor-Ausrüstern Aufwind beschert, erklärt Thomas Daniel, Verkaufsleiter von Tatonka. "Wir merken, dass hier wirklich Bewegung drin ist". Wobei sich dabei alles um Spaß drehe, ums sogenannte "Bushcraften", anders als beim "Survival" – also beim Überleben aus einer Notsituation heraus. "Hier geht es darum, in den Wald zu gehen, Natur zu erleben, Dinge zu lernen und sich bestimmte Fähigkeiten anzueignen", erklärt Thomas Daniel das "Bushcraften". Viele würden eben den Spaß in der Natur lieben.
Krisen steigern Interesse an Outdoor-Produkten
Bei den Outdoor-Produkten würde man merken, dass bei bestimmten Krisen das Kaufinteresse steige, erklärt Thomas Daniel. "Angefangen mit Corona, da gab es bei uns den ersten Peak". Dann kamen Russlands Angriff auf die Ukraine und zuletzt der Stromausfall in Berlin. Da stieg das Interesse für einen Rucksack, den man für den Ernstfall packen könnte.
Auf der IWA OutdoorClassics Messe in Nürnberg gab es genug Angebote – sowohl für Outdoor-Liebhaber als auch für Ernstfall-Vorsorger: darunter Taschenwärmer, satellitengestützte Notfall-Systeme, Messer, Stirnlampen und tragbare Lichtsysteme, Wasserfilter und Wasseraufbereitungssysteme.
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