Ein Passant geht ein einem Wandgemälde vorbei, die Tiefpumpen zur Ölförderung über einer Flagge von Venezuela darstellt
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Ein Passant geht ein einem Wandgemälde vorbei, die Tiefpumpen zur Ölförderung über einer Flagge von Venezuela darstellt
Bildrechte: picture alliance/dpa | Jesus Vargas
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Ein Passant geht ein einem Wandgemälde vorbei, die Tiefpumpen zur Ölförderung über einer Flagge von Venezuela darstellt

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Wie wichtig ist Venezuela für den Ölmarkt?

Wie wichtig ist Venezuela für den Ölmarkt?

Venezuela hat riesige Vorkommen von Rohöl, verkauft aber verhältnismäßig wenig davon, bleibt also derzeit weit unter seinen Möglichkeiten. Warum ist das so? Wird sich das nun nach der US-Intervention ändern? Und gibt es Auswirkungen auf den Ölpreis?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Ölförderung in Venezuela liegt am Boden, obwohl die Vorkommen im Land gewaltig sind. Kann die Ölindustrie des Karibikstaates nach der US-Intervention wieder hochgefahren werden? Gibt es Auswirkungen auf den Ölpreis? Und wo steht Venezuela überhaupt als Öl-Player?

Wie groß sind die Ölvorkommen Venezuelas?

Venezuela verfügt über die weltweit größten nachgewiesenen Rohölreserven. Dem Londoner ​Energy Institute zufolge sind es etwa 303 Milliarden Barrel Rohöl (je 159 Liter), was rund 17 Prozent der globalen Reserven entspricht. Damit übertreffen die Vorkommen sogar die Reserven von Saudi-Arabien, dem führenden Land der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Der Großteil der Reserven ist Schweröl aus dem Orinoco-Gürtel in Zentralvenezuela. Dessen Förderung ist nach Angaben des US-Energieministeriums teuer, aber technisch relativ einfach.

Warum verkauft Venezuela verhältnismäßig wenig Öl?

Venezuela ist Opec-Gründungsmitglied. In den 1970er-Jahren produzierte der Karibikstaat bis zu 3,5 Millionen ​Barrel pro Tag, was damals mehr als sieben Prozent der weltweiten Ölförderung entsprach. Die Produktion ist seitdem zurückgegangen. In den 2010er -Jahren fiel sie unter zwei ‌Millionen Barrel pro Tag und lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich rund ‍1,1 Millionen Barrel täglich. Nach jüngsten Angaben der Internationalen Energieagentur mit Sitz in Paris betrug die Fördermenge im November im Schnitt 0,86 Millionen Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Im selben Monat förderte Saudi-Arabien täglich 9,93 Millionen Barrel. Die Liefermengen machen derzeit weniger als ein Prozent der globalen Versorgung aus.

Die Gründe dafür: Zum einen liegt die Ölförderung wegen maroder Infrastruktur, Missmanagement und mangelnder Investitionen nur bei einem Bruchteil der Kapazität. Zum anderen leidet Venezuela unter Sanktionen und Blockaden, vor allem durch die USA. Die US-Sanktionen gegen den staatlichen Produzenten Petróleos de Venezuela führten dazu, dass viele Länder Öllieferungen aus Venezuela meiden. Die wirtschaftliche Isolation und die Verstaatlichung von Unternehmen haben den Ölhandel stark eingeschränkt.

Wirkt sich die US-Intervention auf den Ölpreis aus?

Die Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch die USA ließ die Ölpreise am Montag leicht sinken. Ein Barrel (159 ‍Liter) ‌der Nordseesorte Brent verbilligte sich zum Wochenauftakt um 0,4 Prozent auf 60,54 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI ​gab um 0,5 Prozent auf 57,04 Dollar nach. Analysten zufolge dürfte ein Regierungswechsel in dem südamerikanischen Opec-Land eher zu sinkenden Preisen führen. Aktuell bleiben die Märkte gelassen. Das Ölkartell Opec und seine Verbündeten in der Gruppe Opec+ hatten am Sonntag beschlossen, ihre Fördermenge beizubehalten.

Wer ist Venezuelas wichtigster Rohöl-Käufer?

Früher waren die USA Hauptabnehmer für venezolanisches Rohöl. Seit der Einführung von Sanktionen wurde im letzten Jahrzehnt jedoch China wichtigster Kunde. Allerdings halten sich die Liefermengen in Grenzen. Rohöl aus Venezuela machte im vergangenen Jahr nur etwa vier Prozent der chinesischen Ölimporte aus. Zudem liefert der Karibikstaat hauptsächlich schwefelhaltiges Rohöl, das nur mit hohem Aufwand verarbeitet werden kann und etwa zur Bitumenherstellung verwendet wird. Bitumen ist ein wichtiger Rohstoff für das Bauwesen und den Straßenbau. Das Öl wird zudem stark rabattiert angeboten, was es bei kleineren und privaten Raffinerien in China beliebt macht.

Wie werden sich die Ölexporte aus Venezuela weiter entwickeln?

Der Ölhandel zwischen Venezuela und China scheint jedoch nach Maduros Festnahme am Wochenende gefährdet. US-Präsident Donald Trump erklärte, die USA wollten das Land regieren und amerikanische Unternehmen würden die Ölindustrie wiederaufbauen. Demnach soll eine "große Menge" an Rohöl aus Venezuela an internationale Abnehmer verkauft werden. China hat Trump jedoch nicht namentlich erwähnt. Trump machte auf einer Pressekonferenz allerdings auch deutlich, dass die Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie bestehen bleiben.

Dementsprechend sagte Francisco Monaldi, Direktor des Programms für lateinamerikanische Energie an der Rice University: "Das Problem ist nicht nur, dass die Infrastruktur in schlechtem Zustand ist, sondern vor allem: Wie bringt man ausländische Unternehmen dazu, Geld zu investieren, bevor sie eine klare Perspektive auf politische Stabilität, die Vertragssituation und Ähnliches haben?" Und so halten sich die US-Ölfirmen derzeit auch bedeckt, was ein mögliches Engagement in Venezuela angeht. Aktuell ist Chevron der einzige US-Ölgigant mit nennenswerten Aktivitäten im Karibikstaat.

Mit Informationen von dpa, Reuters und AP

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