(Symbolbild) Antarktis aus dem Weltraum
(Symbolbild) Antarktis aus dem Weltraum
Bild
(Symbolbild) Der Eisschild der Antarktis speichert große Teile der Süßwasservorräte der Welt.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Tomas Griger
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Tomas Griger
Audiobeitrag

(Symbolbild) Der Eisschild der Antarktis speichert große Teile der Süßwasservorräte der Welt.

Audiobeitrag
> Wissen >

Antarktis: Sediment am Meeresboden bremst Schmelzen des Eises

Antarktis: Sediment am Meeresboden bremst Schmelzen des Eises

Vor dem Treffen der Antarktis-Kommission zeigen Daten, die das deutsche Forschungsschiff Polarstern gesammelt hat: Ein riesiger Keil aus Geröll und Sand am Meeresboden hilft, das Schmelzen des Eises am Südpol zu bremsen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

70 Prozent des Süßwassers der Erde sind in der Antarktis gespeichert. Das Eis am Südpol ist auch ein Schutzmantel: Wenn dieser schmilzt, würden die Lebensräume von Walen, Pinguinen und vielen anderen Lebewesen verschwinden.

Um sie geht es auch beim Treffen der "Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis" (externer Link) vom 19. bis 30. Oktober im australischen Hobart. Das Schmelzwasser würde auch den Meeresspiegel ansteigen lassen, Küsten und ganze Länder könnten versinken. Auch deshalb hat das Forschungsschiff "Polarstern" auf seiner jüngsten Fahrt in die Antarktis die Stabilität des Eisschildes dort überprüft.

Meeresboden bremst den Eisverlust

Die positive Nachricht zuerst: Das Team um den Kieler Geophysiker Sebastian Karstel hat den Meeresgrund vor der Ostküste mit Echolot kartiert und dort einen riesigen Haufen von Sediment entdeckt: 260 Meter hoch und 65 Kilometer lang. Im Laufe von Jahrtausenden wurde er von den Eismassen, die bis tief in den Meeresgrund ragen, abgelagert.

Danach sorgte der Sedimentkeil für eine Stabilisierung des Eisschildes. Das heißt nach den Erkenntnissen der Forscher (externer Link): Der Meeresboden hilft dabei, das Abschmelzen zu bremsen.

Die Ostantarktis beginnt zu schmelzen

Die schlechte Nachricht: Ein weiteres Abschmelzen des Eises kann auch das Sediment am Meeresboden nicht verhindern. Bislang beschränkte sich der Eisverlust hauptsächlich auf die wärmere Westantarktis. Der Eisschild der Ostantarktis war lange Zeit stabil. Obwohl es dort im Jahresdurchschnitt kaum wärmer geworden ist und die Durchschnittstemperatur immer noch bei minus 55 Grad Celsius liegt, beginnt nun auch hier die Eisschmelze.

Die Gletscher schmelzen von unten

Sonneneinstrahlung ist in der Ostantarktis nicht das Problem. Es ist vielmehr wärmeres Meereswasser, das nun an die Ostküste gelangt. Bislang schützte der Küstenstrom die Ostküste vor wärmeren Strömungen. Mit der globalen Erwärmung haben sich jedoch die Weltmeere erhitzt, Strömungen und Windrichtungen geändert. Während in den oberen Wasserschichten alles beim Alten ist, gibt es in Tiefen ab 300 Metern jetzt wärmeres Wasser, das die Eiszungen, die bis ins Meer reichen, von unten auflöst. 150 Milliarden Tonnen Eis verliert die Antarktis im Jahresdurchschnitt, so der Kieler Geologe Marcus Gutjahr vom Geomar Forschungszentrum.

Eisschmelze verstärkt die Erderwärmung

Je mehr Eis die Arktis verliert, desto wärmer wird es auf der Erde. Das liegt an dem so genannten Albedo-Effekt. Eis und Schnee reflektieren Sonnenenergie zurück ins All. Meerwasser dagegen ist dunkler und nimmt Wärme auf. Das führt zu einer Kettenreaktion (externer Link): Wegen der Erderwärmung schmilzt das Eis und wird zu Wasser. Der Albedo-Effekt sinkt, der Ozean nimmt mehr Wärme auf und verstärkt die Erderwärmung.

Eisschmelze gefährdet Milliarden Menschen

Da sich das Landeis der Antarktis direkt auf den Meeresspiegel auswirkt, bedroht das Abschmelzen langfristig die Lebensgrundlage von Milliarden Menschen, die an den Küsten der Welt wohnen, so der Geologe Marcus Gutjahr. Sollte sich das Auftauen der Antarktis weiter beschleunigen, könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um ein bis zwei Meter steigen (externer Link), so das Extremszenario des Weltklimarates.

Dann wären die Küsten Schleswig-Holsteins nicht mehr bewohnbar, die Hälfte der Niederlande unter Wasser und Venedig endgültig versunken. Verhindern ließe sich dies nur mit einer sofortigen Reduzierung der CO₂-Emissionen weltweit.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!