Die Schülerproteste in Frankreich ziehen seit Wochen tausende Menschen an. Mittlerweile mischen sich aber immer mehr gewaltbereite Aktivisten unter die Teilnehmer. Am Samstag kam es landesweit zu Plünderungen, brennenden Fahrzeugen und Festnahmen – etwa in der Hauptstadt Paris. Oberbürgermeister Emmanuel Grégoire erklärte, ganze Straßen seien "methodisch verwüstet" worden.
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Aufgerufen zu den Protesten hatten die sogenannte Gelbwesten-Bewegung, Gewerkschaften, Schüler, Studierende, Landwirte und andere Organisationen. Sie beklagen hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne, Missstände im Bildungssystem und der Klimapolitik sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr. An den Protesten nahmen landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.
Festnahmen und Verletzte bei Demos in Frankreich
Am Rande kam es jedoch immer wieder zu Plünderungen, Bränden und regelrechten Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. In Saint-Étienne sei einem 17-Jährigen von einer durch die Polizei abgefeuerten Granate eine Hand abgerissen worden, berichtete die Zeitung "Le Figaro" (externer Link, möglicherweise Bezahlschranke). Die französische Regierung teilte mit, dass 1.200 Menschen festgenommen und 150 Polizisten verletzt wurden.
In der Großstadt Lyon ging ein Tourismusbüro in Flammen auf, in der zentralfranzösischen Stadt Limoges wurde das mehr als 140 Jahre alte Rathaus in Brand gesetzt. Das historische Gebäude sei "zum großen Teil verloren", sagte der zuständige Präfekt Maurice Barate der Nachrichtenagentur AFP. Auch in Marseille wurde das Rathaus gestürmt.
Macron will Verantwortliche rigoros verfolgen
Premierminister Sébastien Lecornu sprach am Samstag von "Gewalt von einer extremen Intensität". Es sei "ein Wunder, dass die Bilanz heute Abend nicht noch schlimmer ausfällt". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt auf das Schärfste und kündigte eine rigorose Strafverfolgung an. "Zerstörer" und "Plünderer" sollten "verfolgt und bestraft" werden, erklärte er im Kurzbotschaftendienst X.
Justizminister Gérald Darmanin sprach am späten Samstagabend von "Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß, die auch derzeit noch andauern". Er habe "alle Generalstaatsanwälte und Staatsanwälte erneut aufgefordert, eine äußerst entschlossene juristische Reaktion zu zeigen, die der Gewalt, die unser Land heimgesucht hat, angemessen ist", erklärte der Minister.
Ausschreitungen auch in Belgien
Zu gewaltsamen Szenen kam es auch in Belgien. Dort lag der Fokus der Proteste auf der Hauptstadt Brüssel. Aufgerufen zu den Kundgebungen hatten Studentengruppen in den sozialen Medien. Der Protestmarsch war schließlich von den Behörden genehmigt worden. Mehrere hundert, überwiegend junge Menschen nahmen daran teil. Mit der Aktion wollten die Verantwortlichen unter anderem gegen steigende Bildungs- und Lebenshaltungskosten sowie Reformen mobil machen, die den Zugang zu Hochschulen erschweren könnten.
Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, die Flaschen, Feuerwerkskörper und andere Gegenstände warfen. Den Beamten zufolge gab es etwa zehn Festnahmen. Belgiens Innenminister Bernard Quintin schrieb auf der Onlineplattform X, es würden alle notwendigen Mittel eingesetzt, um die Ordnung wiederherzustellen. Was sich derzeit in Brüssel abspiele, sei kein bloßer Protest mehr. Das Innenministerium macht "organisierte Gewalt" für die Unruhen verantwortlich.
Protestcamps gegen Wohnungsnot in Portugal
Gegen stark gestiegene Lebenshaltungskosten und die Wohnungskrise in Portugal haben am Samstag die Menschen im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt Lissabon demonstriert. Die landesgrößte Gewerkschaft CGTP hatte die Kundgebung organisiert. Ihren Angaben zufolge beteiligten sich mehrere Zehntausend Teilnehmer. Die Polizei gab keine Schätzungen ab.
Der Demonstration waren bereits Tage wachsender Unruhe vorausgegangen. Auf dem bekannten Rossio-Platz im Herzen von Lissabon haben Aktivisten ein Protestcamp mit dutzenden Zelten errichtet. Proteste hat es auch in der nordportugiesischen Großstadt Porto gegeben. Dort ist ebenfalls ein Protestcamp errichtet worden.
Wo wurde noch demonstriert?
Auch in weiteren europäischen Ländern fanden am Samstag Proteste statt. In Albanien forderten Studierende den Rücktritt von Ministerpräsident Rama. Sie werfen seiner Regierung unter anderem Korruption und kaum wirtschaftliche Perspektiven vor. In dem Land brodelt es bereits seit Längerem. Seit Dienstag ist die Lage in der Hauptstadt Tirana aber eskaliert. Vermummte Demonstranten liefern sich seitdem Straßenschlachten mit der Polizei. Die Polizei setzte Berichten zufolge Gummigeschosse ein, mehr als 30 Verletzte wurden gezählt.
In Italien hatten bereits am Freitag tausende Schüler und Studierende gegen die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni demonstriert. Auch hier kritisierten die Teilnehmer hohe Kosten für das Wohnen und Studieren, aber auch die Bildungs- und Verteidigungspolitik der rechtsgerichteten Regierung.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
Im Video: Gewaltexzesse bei Protesten in Frankreich
Bei Massenprotesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Lernbedingungen in Frankreich eskalierte die Gewalt.
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