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Beim Blitzermarathon in Bayern ist am Donnerstag an mehr als 1.500 Stellen die Geschwindigkeit gemessen worden. Die Messstellen waren dabei im Vorfeld bekanntgegeben worden, da es bei diesem Tag in erster Linie um die Aufklärung gehe, so Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Geschwindigkeitskontrollen finden aber auch an jedem anderen Tag statt. Dabei kommen sowohl fest installierte als auch mobile Blitzer zum Einsatz.
Was ist der Sinn fester Blitzer?
In der Kommentarspalte bei BR24 hinterfragten User wie "Werner1955" und "Andi1971" die Wirkung von festen Blitzern. Nutzer "Schalki" kommentierte: "Fest installiert hilft meist nicht. Da wird gebremst und gleich danach wieder Gas gegeben. Mobil ist besser."
"Feste Blitzer haben eine hohe Wirkung auf das Unfallgeschehen", sagt Kirstin Zeidler, Leiterin Unfallforschung der Versicherer beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft im BR24-Gespräch. "Stehen feste Blitzer an der richtigen Stelle, vermeiden sie Unfälle." Häufig würden sie an sensiblen Stellen aufgestellt, wie etwa in der Nähe von Schulen, Krankenhäusern oder an Orten, an denen es bereits Unfälle in Verbindung mit überhöhter Geschwindigkeit gegeben habe. "Dort sind feste Blitzer absolut sinnvoll. Sie verhindern Unfälle." Ein Forschungsprojekt dazu (externer Link) hätte gezeigt, dass sich durch feste Blitzer die Zahl der geschwindigkeitsbedingten Unfälle um mehr als 30 Prozent reduzieren könne.
Das Verhindern von Unfällen sei der Sinn hinter festen Blitzern, so Dieter Müller, Professor für Straßenverkehrsrecht an der Hochschule der Sächsischen Polizei. "Es geht darum, dass genau an dieser Stelle die Geschwindigkeit reduziert werden soll." Wenn zumindest an diesen Stellen die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten wird, würden die Gefahren genau an diesen Stellen beseitigt. Denn genau da sei es besonders wichtig, so Müller.
Beispielsweise betreibt die Stadt München in der Tegernseer Landstraße einen festen Blitzer. Im Jahr 2024 sind dort 7.887 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt worden: Das sind im Schnitt mehr als 21 pro Tag.
Vor Blitzer bremsen, danach wieder schnell: Vorsatz nachweisbar?
Leider sei es aber, wie von den BR24-Usern beschrieben, häufig so: "Viele Autofahrer, insbesondere Ortskundige, bremsen ein paar Hundert Meter vor dem festen Blitzer ab und beschleunigen dann ein paar Hundert Meter dahinter wieder", sagt Müller. Die Polizei könne aber auch darauf reagieren und zum Beispiel einen mobilen Blitzer kurz hinter einem festen Blitzer aufstellen. So habe man die Möglichkeit, auch diese Schnellfahrer zu erwischen. Bei genauer Messung könnte die Polizei den Rasern dann unter Umständen sogar Vorsatz nachweisen. "Da kann das Bußgeld verdoppelt werden."
Damit sich Verkehrsteilnehmer nicht nur an manchen Stellen an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, gibt es mobile Blitzer. Sie sorgen für den "Flächendruck", erklärt Kirstin Zeidler. Man könne theoretisch überall geblitzt werden – die Gefahr, entdeckt zu werden, sei also immer präsent. "Das hilft, das Fahrverhalten der Menschen positiv zu beeinflussen." Daher sei eine Kombination aus festen und mobilen Blitzern sinnvoll.
Hohe Geschwindigkeit sei eine der Top-drei-Unfallursachen, neben Vorfahrtsverstößen und dem Einfahren und Anfahren in den fließenden Verkehr, sagt Dieter Müller. Ergänzend zu Geschwindigkeitskontrollen könnten Verkehrskontrollen oder Präventionsaktionen dabei helfen, dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Die Aufklärung von jungen Fahrern sei dabei besonders wichtig, weil viele charakterlich noch nicht ganz ausgereift seien, sagt Müller.
Braucht es höhere Strafen?
In der Kommentarspalte forderten einige Nutzer außerdem höhere Strafen bei Vergehen. So kritisierte "Wassermann72" den "viel zu laschen Bußgeldkatalog". "vKaras" schrieb: "(...) Es sollte viel mehr geblitzt werden. Es sollte auch deutlich teurer werden, vor allem an das Gehalt gekoppelt. Schweiz und Dänemark machen es vor!"
In Deutschland sei das Bußgeld im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eher niedrig, sagt Zeidler. In skandinavischen Ländern hänge die Höhe des Bußgelds etwa von der Höhe des Einkommens ab: Wer mehr verdient, muss mehr zahlen. Für Deutschland würden Punkte im Fahreignungsregister helfen. "Dabei handelt es sich um eine faire Strafe, denn sie findet unabhängig vom Geldbeutel statt."
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