Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. Hitzeperioden machen gerade älteren und vorerkrankten Menschen zu schaffen.
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Sobald es im Sommer richtig heiß wird, beginnen die Diskussionen: Die einen warnen vor Tausenden Toten, die anderen vor Panikmache. (Symbolbild)
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Sobald es im Sommer richtig heiß wird, beginnen die Diskussionen: Die einen warnen vor Tausenden Toten, die anderen vor Panikmache. (Symbolbild)

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#Faktenfuchs: Mehrere Tausend Hitzetote pro Jahr

#Faktenfuchs: Mehrere Tausend Hitzetote pro Jahr

Sobald es im Sommer richtig heiß wird, beginnen die Diskussionen: Die einen warnen vor Tausenden Toten, die anderen vor Panikmache. Beide Seiten hantieren mit Zahlen, die ihre Sicht stützen. Was stimmt? Und warum sind die Zahlen so unterschiedlich?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Disclaimer: Dieser #Faktenfuchs-Artikel erschien zuerst am 19.07.2024. Wir haben ihn umfassend überarbeitet und aktualisiert und am 16.07.2026 neu veröffentlicht. Ergänzt wurden unter anderem aktuelle Schätzungen des Robert Koch-Instituts, neue wissenschaftliche Studien, zusätzliche Experteneinschätzungen sowie die Einordnung der aktuellen Debatte in sozialen Medien.

Darum geht’s:

  • Gesundheitsbehörden und Forschende warnen vor Tausenden Hitzetoten jährlich. Einige Social-Media-User argumentieren dagegen: Das Statistische Bundesamt zähle durchschnittlich nur 22 Hitzetote im Jahr.
  • Das Statistische Bundesamt wertet für die Statistik Totenscheine aus. Darauf halten Ärzte die Todesursache fest: Hitze - etwa durch einen Hitzschlag - wird dort nur in sehr seltenen Fällen als direkte Todesursache vermerkt.
  • Statistiker können aber belegen, dass in heißen Wochen mehr Menschen sterben als sonst - vor allem Alte und Kranke. Und: Selbst die vorsichtigen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) ergeben Tausende Hitzetote pro Jahr.

Temperaturen deutlich über 35 Grad, Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes und tropische Nächte: Bayern erlebte zuletzt im Juni eine starke Hitzewelle. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass allein diese Hitzewelle bundesweit rund als 4.300 hitzebedingte Todesfälle verursacht hat – mehr als in den gesamten Sommern 2023, 2024 oder 2025. Mit der Hitze kehrt auch eine Diskussion zurück, die jedes Jahr aufs Neue geführt wird: Sterben in Deutschland tatsächlich Tausende Menschen jährlich aufgrund von Hitze – oder ist das übertrieben?

Ein User auf X schreibt im Juli 2026 von “Lügen über ‘Hitzetote’”. Der Chefredakteur des Alternativ-Mediums “AUF 1”, das in der Vergangenheit mit Falschinformationen und Verschwörungstheorien aufgefallen ist, spricht von “gefälschten Hitzetoten”. Statt 3000 bis 4000 Hitzetoten seien es lediglich 22 pro Jahr.

Die Debatte ist nicht neu. Bereits im Mai 2024 schrieb der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf X: "Klimawandel kostet schon heute tausende Todesfälle jeden Sommer." Auch ihm wurde daraufhin vorgeworfen, die Gefahr zu übertreiben und mit zu hohen Zahlen Panik zu schüren.

Auf Social Media kursieren unterschiedliche Zahlen

Tatsächlich werden in der Debatte sehr unterschiedliche Zahlen genannt. Die aktuell auf sozialen Medien aufgegriffene Zahl der 22 Hitzetoten stammt aus einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom Juli 2025. Darin schreiben die Statistiker, so viele Menschen stürben jedes Jahr im Durchschnitt an Hitze. Im Juli 2026 aktualisierte die Behörde diese Zahl auf 21 Todesfälle pro Jahr. Gesundheitsbehörden und Forschende gehen dagegen seit Jahren von mehreren Tausend hitzebedingten Todesfällen pro Jahr aus.

Doch: Diese beiden Zahlen widersprechen sich nicht. Wie kommt es aber zu diesen Unterschieden? Und welche Aussagekraft haben die verschiedenen Statistiken?

Nur wenige Menschen sterben direkt durch Hitze

Wenn ein Mensch in Deutschland stirbt, hält ein Arzt die Todesursache auf dem Totenschein fest. Grundlage ist die internationale Krankheitsklassifikation ICD-10 der WHO, wie das Statistische Bundesamt in einer schriftlichen Antwort an den #Faktenfuchs schreibt.

Direkte Hitzeschäden werden dabei unter dem Code T67, "Schäden durch Hitze und Sonnenlicht", erfasst. Dazu zählen etwa Hitzschlag oder Hitzeerschöpfung durch Wasserverlust.

In der Praxis wird diese Diagnose aber nur selten auf Totenscheinen vermerkt, wie das Statistische Bundesamt in der jährlichen Pressemitteilung zu Schäden durch Hitze schreibt. Für seine Todesursachenstatistik wertet es die Totenscheine bundesweit aus und erfasst so die direkt als Hitze dokumentierten Todesfälle.

Viele Hitzetote tauchen nicht auf Totenscheinen auf

Nur die Todesursache auf dem Totenschein anzuschauen, reicht allerdings nicht aus, um zu bestimmen, wie viele Menschen tatsächlich aufgrund einer Hitzeperiode sterben. Das Statistische Bundesamt weist in der Pressemitteilung, die nun auf sozialen Medien geteilt wird, selbst darauf hin, dass hohe Temperaturen die Sterblichkeit insgesamt steigen lässt: “Da in vielen Fällen die Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen das Sterberisiko erhöht. So stiegen in von Hitzeperioden geprägten Wochen die Sterbefallzahlen auch in den vergangenen Sommern an." Diese Einordnung wird in den Posts dazu jedoch unterschlagen.

Alexandra Schneider ist Epidemiologin am Helmholtz Zentrum München. Dort leitet sie eine Forschungsgruppe, die die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Umweltfaktoren wie Hitze auf die Gesundheit untersucht. Hitze sei "oft einfach ein letzter Trigger, der das Fass dann zum Überlaufen bringt". Viele Betroffene seien bereits vorerkrankt und die Hitze könne bestehende Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen verschlimmern, so Schneider. Durch die zusätzliche Belastung komme es dann etwa zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auf dem Totenschein werde meist diese Todesursache vermerkt – und nicht Hitze.

In heißen Wochen versterben mehr Menschen

Wissenschaftler versuchen sich dem Phänomen deshalb über die sogenannte Übersterblichkeit zu nähern: Sie schauen also zum Beispiel, ob in einer sehr heißen Kalenderwoche in Jahr X mehr Menschen sterben als in den vorigen Jahren in derselben Woche.

Auswertungen des Robert Koch-Instituts (RKI), Deutschland oberster Gesundheitsbehörde, die unter anderem die Ausbreitung von Krankheiten überwacht und zu Präventionsmaßnahmen forscht, zeigen: In heißen Wochen sterben deutlich mehr Menschen als in kühleren. Als "heiße Wochen" bezeichnet das RKI solche, in denen die Wochenmitteltemperatur bei über 20 Grad Celsius liegt. Also die durchschnittliche Temperatur einer Woche, wenn Tages- und Nachttemperaturen einbezogen werden.

Matthias an der Heiden, leitender Statistiker der Abteilung für Infektionsepidemiologie RKI, verweist darauf, dass sich seit Anfang der 1990er Jahre – seit dem Statistischen Bundesamt tages- und wochenweise Sterbedaten vorliegen – immer wieder dasselbe Muster zeigt: Steigt die Wochenmitteltemperatur über etwa 20 Grad Celsius, steigt auch die Sterblichkeit. “Und das sind jetzt keine Mini-Spitzen, wo mal zwei, drei Leute mehr sterben, sondern da geht es wirklich um Hunderte und Tausende von Todesfällen”, so an der Heiden. Je heißer und je länger eine Hitzeperiode dauert, desto stärker nimmt die Sterblichkeit zu.

In “heißen Wochen” steigt die Sterblichkeit also so deutlich an, dass ein Zusammenhang mit der Hitze statistisch erkennbar wird. Eine exakte Temperaturschwelle gibt es allerdings nicht.

So schätzt das RKI die Zahl der Hitzetoten

Die Wissenschaftler modellieren zunächst, wie viele Menschen in einer "normalen" Woche ohne außergewöhnliche Hitze sterben würden. Also in einer Woche mit einer durchschnittlichen Temperatur unter 20 Grad Celsius. Dabei berücksichtigen sie viele Faktoren: langfristige Sterbetrends, wie die Tatsache, dass aufgrund der alternden Bevölkerung jedes Jahr mehr Menschen in Deutschland sterben als im Jahr zuvor. Aber auch regionale und saisonale Unterschiede fließen mit ein. Denn nicht in jeder Woche des Jahres sterben gleich viele Menschen.

So errechnen die Wissenschaftler des RKI eine "Hintergrundmortalität", von der ohnehin auszugehen wäre. Wenn es Sondereffekte gab - wie im Jahr 2022, als auch im Sommer viele Menschen an Corona gestorben sind - werden diese herausgerechnet. Die verbleibende Differenz zu den tatsächlichen Sterbezahlen gilt anschließend als hitzebedingte Übersterblichkeit. Oder umgangssprachlich: Das sind die geschätzten Hitzetoten.

Die Methode ist wissenschaftlicher Standard

Bei diesem Vorgehen handelt es sich nicht um eine Besonderheit des Robert Koch-Instituts, sondern um eine in der Epidemiologie etablierte Methode. Sterbefälle, die sich nicht unmittelbar einer einzelnen Ursache zuordnen lassen, werden häufig über die sogenannte Übersterblichkeit geschätzt. Dasselbe Verfahren wurde beispielsweise auch während der Corona-Pandemie genutzt, um die Auswirkungen der Pandemie auf die Sterblichkeit zu untersuchen.

Matthias an der Heiden verweist darauf, dass sich manche wissenschaftliche Fragen aus ethischen Gründen nicht mit der höchsten Form wissenschaftlicher Evidenz untersuchen lassen – also mit einer kontrollierten Studie. Man könne Menschen nicht gezielt extremer Hitze aussetzen, um ihre Auswirkungen zu untersuchen. Das wäre unethisch. Forschende seien deshalb auf gut etablierte statistische Verfahren angewiesen.

Das RKI schätzt Tausende Hitzetote pro Jahr

Seit 2023 veröffentlicht das RKI einen wöchentlichen Bericht zur hitzebedingten Mortalität. Dieser zeigt, wie viele Menschen nach Schätzungen des Instituts im laufenden Jahr bisher hitzebedingt gestorben sind. Nach dem jüngsten Wochenbericht des RKI starben im laufenden Jahr bis Ende Juni 2026 bundesweit schätzungsweise rund 5.100 Menschen hitzebedingt, davon mehr als 4.300 allein in der letzten Juniwoche. Für die Sommer 2023, 2024 und 2025 schätze das RKI jeweils rund 3.200, 3.000 und 2.500 hitzebedingte Todesfälle. Im Jahr 2022 ging das RKI von 4.500 Hitzetoten aus.

Eine weitere Studie gemeinsam mit dem Umweltbundesamt bestätigte diese Schätzungen.

Wären diese Menschen ohnehin bald gestorben?

Die Schätzmethode des RKI stößt in sozialen Netzwerken teils auf Unverständnis und Kritik. Ein User auf X spricht von einer "Hitzetote-Inflation durch Modelle", ein anderer fragt: "Tatsächlich Hitzetote oder wieder nur geschätzter Übersterblichkeitsslop?" Wieder andere schreiben: "Sind die an, durch oder mit Hitze gestorben?"

Eine häufige Annahme ist, die Menschen wären ohnehin kurze Zeit später gestorben – die Hitze habe ihren Tod lediglich um einige Tage oder Wochen vorgezogen. Ein Nutzer auf X schreibt etwa: "Wozu die Hysterie? [...] Alle müssen irgendwann mal sterben."

Der Großteil wäre sonst nicht zu dieser Zeit gestorben

Matthias an der Heiden vom RKI widerspricht dieser Darstellung. Der Begriff "hitzebedingt" treffe bewusst eine kausale Aussage: Ohne die Hitze wäre dieser Todesfall zu diesem Zeitpunkt nicht eingetreten.

Unter den Verstorbenen seien tatsächlich vor allem ältere Menschen, sagt an der Heiden. Zwar könne ein Todesfall niemals verhindert, sondern immer nur verschoben werden. “Aber natürlich kann es eine relevante Verschiebung sein”, so an der Heiden.

Auch Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München weist darauf hin, dass es einen sogenannten Mortality Displacement gebe: Ein Teil der Hitzetoten wären ohne die Hitze vermutlich erst Wochen oder Monate später gestorben. Dieser Effekt erkläre bei Weitem jedoch nicht alle Todesfälle.

Dafür spricht auch ein Blick auf die Gesamtsterblichkeit. Wären sämtliche Todesfälle lediglich vorgezogen worden, müsste die Zahl der Todesfälle nach einer Hitzewelle deutlich unter den Erwartungswert fallen. Das sehe man in den Kurven aber nur zu einem geringen Ausmaß, sagt an der Heiden vom RKI. "Das Gros sind zusätzliche Sterbefälle", so an der Heiden.

Andere Studien kommen zu höheren Ergebnissen

Dass Hitze jedes Jahr Tausende Todesfälle verursacht, darüber herrscht unter Forschenden weitgehend Einigkeit. Unterschiede gibt es allerdings bei der Frage, wie viele es genau sind.

Laut Alexandra Schneider könne die RKI-Berechnung auf Basis von Wochenmitteltemperaturen einzelne besonders heiße Tage abschwächen. Ihre Arbeitsgruppe berechnete die hitzebedingte Übersterblichkeit deshalb auf Tagesbasis und kam für den Sommer 2022 auf eine um 35 bis 50 Prozent höhere Schätzung als das RKI. Für die aktuelle Hitzewelle Ende Juni hält Schneider diesen Effekt jedoch für deutlich kleiner: "Ich glaube, dass das jetzt dieses Mal nicht so tragisch ist, weil die Tage alle ähnlich heiß waren und wir nicht so starke tägliche Schwankungen hatten."

Es gibt zudem eine viel beachtete Studie, veröffentlicht im Fachmagazin "Nature Medicine" vom Juli 2023. Darin kommen die Autoren zu dem Schluss, dass im Jahr 2022 8.173 Menschen in Deutschland durch Hitze gestorben seien. Das RKI geht für denselben Zeitraum von 4.500 Hitzetoten aus.

RKI-Statistiker Matthias an der Heiden hält die Zahlen der Kollegen trotzdem für nachvollziehbar. Dass sie zu anderen Ergebnissen kommen, hänge damit zusammen, dass sie "Hitze" weniger streng definieren als das RKI. Während das RKI erst ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad Celsius davon ausgeht, dass die Hitze ursächlich für den Tod von Menschen ist, setzen die Nature-Autoren diesen Wert niedriger an: bei 17 bis 19 Grad Celsius.

Ab wann Hitze tatsächlich Auswirkungen auf die Anzahl der Sterbefälle hat, lasse sich nicht ganz genau bestimmen, erklärt an der Heiden. Ungefähr bei 20 Grad Celsius Wochenmitteltemperatur beginne die Mortalitätsrate stark zu steigen. Grundsätzlich könne man den Wert aber auch etwas niedriger ansetzen.

Der Lancet Countdown Report, eine interdisziplinäre, internationale Forschungskooperation, misst seit 2017 anhand von mehr als 40 Indikatoren das Fortschreiten des Klimawandels in vielen Ländern der Welt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen auf die globale Gesundheit. Im aktuellen Bericht schätzt die Forschungskooperation für das Jahr 2024 rund 63.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa.

Laut Matthias an der Heiden müssen internationale Studien wie der Lancet Countdown oft andere Anforderungen erfüllen als nationale Auswertungen. “Da ist dann wieder das Problem, was oft ist bei solchen internationalen Studien, dass sie natürlich versuchen, eine einheitliche Methode für alle Länder zu nehmen”, so an der Heiden. Dadurch falle die Methodik zwangsläufig gröber aus als bei länderspezifischen Analysen des RKI.

Hitze ist für alte und vorerkrankte Menschen besonders gefährlich

Warum sind hohe Temperaturen für den Menschen überhaupt so gefährlich? Das RKI schreibt in einem FAQ: "Hitze kann vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen haben. Hohe Temperaturen können das Herz-Kreislauf-System stark belasten, zum Beispiel durch Flüssigkeits­verlust und die Anforderungen durch Vaso­dilatation und Schwitzen [...]. Dies kann zu Dehydrierung, Hitzekrämpfen und einem potenziell lebens­bedrohlichen Hitzeschlag führen. Hitze kann zudem bestehende Erkrankungen verschlimmern, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegs­erkrankungen, Stoffwechsel­erkrankungen, neurologische Erkrankungen und psychische Störungen."

Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich geschwächte Personen, sagt Julia Schoierer vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gerade ältere Menschen könnten ihre Körpertemperatur schlechter regulieren, tränken häufig zu wenig und seien oft weniger mobil. Dadurch falle es ihnen schwerer, sich vor der Hitze zu schützen.

Die Menschen stürben dann nicht direkt an der Hitze - sondern unter anderem an einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder an Nierenversagen als Folge der hitzebedingten Gesundheitsbelastung. Ohne die Hitze wäre es aber nicht zu diesem Zeitpunkt dazu gekommen. Sie bringt den geschwächten Körper an einen Kipppunkt.

Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München weist außerdem darauf hin, dass die Zahl der Hitzetoten nur einen Teil der gesundheitlichen Folgen von Hitze abbilde. "Es geht ja eben eigentlich gar nicht immer nur um die Toten", sagt sie. Während Hitzewellen nähmen unter anderem Krankenhausaufnahmen, Notarzteinsätze und Arbeitsunfälle zu. Zudem litten viele Menschen unter Schlafmangel und Konzentrationsproblemen.

Eine gute und eine schlechte Nachricht

Die schlechte Nachricht: In der Zukunft wird die Anzahl der heißen Wochen im Jahr weiter zunehmen – und damit auch die Gefahr, dass mehr Menschen durch Hitze sterben. Die gute Nachricht: Die Menschen in Deutschland lernen offenbar, besser mit der Hitze umzugehen. Etwa, indem sie ihre Wohnungen mehr abdunkeln oder an heißen Tagen bewusst nicht rausgehen und mehr trinken. Deshalb sterben heute bei vergleichbaren Temperaturen weniger Menschen, als das in den 1980er- oder 1990er-Jahren der Fall war, sagt an der Heiden.

Fazit

Die Schätzungen des Robert Koch-Instituts und anderer Forschender zeigen, dass Hitze in Deutschland jedes Jahr mehrere Tausend Todesfälle verursacht. Die deutlich niedrigere Zahl von durchschnittlich 21 beziehungsweise 22 Hitzetoten pro Jahr, die in sozialen Netzwerken häufig genannt wird, widerspricht dem nicht.

Der Unterschied liegt in der Methodik: In der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts werden nur Menschen erfasst, bei denen Hitze unmittelbar als Todesursache auf dem Totenschein eingetragen wurde – etwa nach einem Hitzschlag. Die meisten hitzebedingten Todesfälle entstehen jedoch indirekt, weil hohe Temperaturen bestehende Erkrankungen verschlimmern und das Sterberisiko erhöhen. Diese Fälle lassen sich nicht direkt zählen und werden deshalb mit etablierten epidemiologischen Methoden geschätzt.

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