Brandbekämpfung aus der Luft: Ein Löschhubschrauber nimmt Wasser aus einem See auf, um den großflächigen Waldbrand am 1.270 Meter hohen Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen einzudämmen.
Brandbekämpfung aus der Luft: Ein Löschhubschrauber nimmt Wasser aus einem See auf, um den großflächigen Waldbrand am 1.270 Meter hohen Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen einzudämmen.
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Waldbrand am Saurüsselkopf im Chiemgau: Ein Löschhubschrauber nimmt Wasser aus einem See auf, um den Waldbrand aus der Luft zu bekämpfen.
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Waldbrand am Saurüsselkopf im Chiemgau: Ein Löschhubschrauber nimmt Wasser aus einem See auf, um den Waldbrand aus der Luft zu bekämpfen.

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Lassen sich Waldbrände mit weniger Wasser löschen?

Lassen sich Waldbrände mit weniger Wasser löschen?

In trockenen und heißen Sommern wie in diesem Jahr funktioniert das Löschen von Waldbränden mit Wasser teilweise kaum noch – es gibt schlicht zu wenig. Deshalb muss die Waldbrandbekämpfung in Deutschland neu gedacht werden, mahnen Experten.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Mitte August stehen bei Rodenbach im hessisch-bayerischen Grenzgebiet 55 Hektar Wald in Flammen. 500 Feuerwehrleute versuchen, den Brand einzudämmen. Doch dann geht den Feuerwehrleuten das Löschwasser aus. Die Vorratsbehälter für die mobilen Löscheinheiten in der Region um Rodenbach sind erschöpft, die anhaltende Trockenheit erschwert das Auffüllen der Reserven. Die Kreiswerke Main-Kinzig rufen die Bevölkerung dazu auf, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen und sogar auf das Duschen zu verzichten.

Wenn der Feuerwehr das Löschwasser ausgeht

Der Vorfall zeigt: Die klassische Waldbrandbekämpfung mit viel Wasser funktioniert in Zeiten der Klimakrise nicht mehr. Fachleute fordern, Löschwasser gezielter und sparsamer einzusetzen. Für den aus Kalifornien stammenden Waldbrandexperten und Feuerwehrmann Lindon Pronto zeigt der Fall, dass Deutschland seine Methoden überdenken muss: "Das tut mir wirklich weh, dass die Bürger auf persönliche Hygiene verzichten sollen, weil wir nicht genug Löschwasser haben. Und dann sehe ich, wie teils Kilometer entfernt von akuten Brandherden die Landschaft einfach vorsorglich bewässert wird. In die Richtung dürfen wir nicht weitergehen."

Klimakrise verschärft die Waldbrandgefahr

"Was jetzt alle begreifen müssen, ist, dass die Lage sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat", erklärt Ulrich Cimolino, Experte für Vegetationsbrände und Leiter des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband. Wasserknappheit sei nicht mehr ein Problem nur in besonders trockenen Regionen wie etwa Mitteldeutschland. Auch der Westen und Süden seien zunehmend betroffen.

Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte: Laut aktuellen Studien wird durch den menschengemachten Klimawandel nicht nur die Zahl der Waldbrände zunehmen (externer Link). Auch sorgt die Klimaveränderung für mehr Dürren und Trockenheit – und damit für Löschwasserknappheit.

Bayernkarte: Wie hoch ist die Waldbrandgefahr?

Sand und Erde statt zusätzlichem Löschwasser

Lindon Pronto, der viel Erfahrung mit Waldbrandbekämpfung in trockenen Gebieten Kaliforniens hat, hält nicht nur die bisherigen Methoden zur Eindämmung von Waldbränden mit viel Wasser für problematisch. Auch bei der Nachbrandbekämpfung müsse Deutschland umdenken. Dabei werden nach Abschluss der eigentlichen Löscharbeiten einzelne Glutnester unschädlich gemacht. Kokelnde Holzreste könnten beispielsweise in feuchter, sandiger oder mineralreicher Erde vergraben und dadurch erstickt werden, statt sie mit Wasser abzulöschen. Allerdings seien Feuerwehren dafür in Deutschland kaum ausgebildet, so Pronto.

Dünnere Schläuche sollen Wasser sparen

Zwar gebe es in Deutschland ein flächendeckendes Netz aus leistungsfähigen Feuerwehren, sagt Ulrich Cimolino. Oft müssten Feuerwehrleute aber in Schutzanzügen arbeiten, die eigentlich für die Brandbekämpfung in Gebäuden entwickelt wurden und die für das Arbeiten bei hohen Temperaturen im Freien völlig ungeeignet seien. Auch sollten bei den eigentlichen Löscharbeiten im Gelände zukünftig sogenannte "D-Schläuche" eingesetzt werden. Die wassersparenden Schläuche haben einen geringeren Durchmesser und können die einzelnen Brandbereiche zielgenau bekämpfen. Der Deutsche Feuerwehrverband bemüht sich bereits jetzt intensiv um Aus- und Fortbildungen der Einsatzkräfte - auch in Sachen wasserreduzierte Brandbekämpfung.

Warum Löschflugzeuge und Hubschrauber früh starten müssen

Besonders wichtig bei der Waldbrandbekämpfung ist der möglichst frühe Einsatz von Löschhubschraubern und Flugzeugen. Sie können einen Brand rasch eindämmen, bevor er sich zu einem Großfeuer entwickelt. Doch genau hier sorgen laut Ulrich Cimolino in vielen Bundesländern umständliche und lange Anforderungswege für unnötige Verzögerungen. Auch sind Hubschrauber nicht immer gleich verfügbar und müssen vor dem Einsatz umgerüstet werden. Oft sind deshalb die extrem wichtigen Brandbekämpfer aus der Luft erst Stunden später am Einsatzort.

Der Harz setzt auf ein eigenes Löschflugzeug und Brandhemmer

Einzig der Landkreis Harz verfügt in Deutschland über ein eigenes Löschflug, das bei Bedarf sofort und ohne Anfragen und Genehmigungsverfahren starten kann. Auch mischen hier die Brandbekämpfer dem Löschwasser ein sogenanntes Retardant hinzu, einen nach Herstellerangaben biologisch abbaubaren Brandhemmer. Er bildet auch nach dem Abtrocknen des Wassers eine Art Schutzschicht, die die Ausbreitung des Feuers unterdrückt. Im trockenen Süden Europas ist der Einsatz solcher Mittel schon seit Jahrzehnten Standard. Laut Ulrich Cimolino steht eine Verwendung in Deutschland allerdings noch ganz am Anfang.

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