Noch zwei Stunden bis zur Prüfungsstunde. Ebru, Lehramtsanwärterin in Burgkirchen an der Alz in Oberbayern, steht kurz vor ihrer vierten sogenannten "besonderen Unterrichtsvorbereitung" (BVU) im Vorbereitungsdienst für das Lehramt Grundschule. Sie muss eine Englischstunde in der dritten Klasse vor 13 Lehramtsanwärterinnen und ihrer Seminarrektorin halten. Die Bewertung von Ebrus Unterrichtsstunde fließt anschließend in die Gesamtbewertung ihres Vorbereitungsdienstes mit ein.
Lehramt Grundschule: Unterrichtsplanung im Vorbereitungsdienst
Das Ziel der Unterrichtsstunde: Die Drittklässlerinnen und Drittklässler sollen am Ende einen Dialog auf Englisch über ihr Lieblingshaustier führen. Eine Herausforderung – denn sie lernen erst seit vier Wochen Englisch. "Ein bisschen Nervosität ist auch dabei", sagt Ebru. "Worst Case wäre, wenn die Kinder am Ende nichts präsentieren könnten oder ich vielleicht eine Phase vor Aufregung vergesse."
Ebru bleiben noch 45 Minuten. Sie legt die Materialien für den Unterricht bereit und überprüft die Tablets. Im Vorfeld hat sie bereits einen genauen Stundenverlaufsplan für die Englischstunde ausgearbeitet. Im Vorbereitungsdienst muss jede Unterrichtsphase begründet werden: Welche Lernchancen gibt es? Warum wird welche Methode eingesetzt? "Meine Hoffnung ist, dass sie sich wirklich trauen und nicht allzu schüchtern sind", sagt Ebru. "Das Wichtigste ist, kein Kind zu überfordern, aber auch keines zu unterfordern – jedes dort abzuholen, wo es steht."
Englisch lernen in der dritten Klasse: Verstehen und Dialoge führen
Dann beginnt die Stunde. Ebru spricht von Beginn an Englisch mit den Kindern. In wechselnden Tandems fragen die Schülerinnen und Schüler sich zuerst nach ihrem Lieblingshaustier. Anschließend hören sie über Tablets mit Kopfhörern einen englischen Dialog – Zuhören und Verstehen ist gefragt. Danach sollen die Kinder einen freien Dialog auf Englisch führen. Mehr als fünf Gruppen trauen sich. Ein Erfolg, Ebru ist stolz auf ihre Drittklässlerinnen und Drittklässler. Auch das anschließende Feedback der Kinder gehört dazu: Was war schwierig? Was hat gut funktioniert? Für Ebru ist das ein wichtiger Baustein, um ihren Unterricht weiterzuentwickeln.
Und wie fällt das Feedback von den Lehramtsanwärterinnen und der Seminarrektorin aus? Sehr positiv! Lob gibt es für die Struktur des Unterrichts, die aktive Teilnahme der Kinder und die sprachliche Klarheit. Nach der gelungenen Stunde fällt die Anspannung von Ebru ab. "Das ist wirklich ein schönes und erfüllendes Gefühl. Jetzt kann ich den Tag genießen", freut sie sich.
Lehramt Grundschule in Bayern: Studium und Vorbereitungsdienst
Wer Grundschullehrerin oder -lehrer in Bayern werden will, durchläuft ein Lehramtsstudium mit Erziehungswissenschaften, Didaktik der Grundschule und einem Unterrichtsfach, so das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (externer Link). Hinzu kommen Praktika und die Erste Staatsprüfung.
Es folgt der zweijährige Vorbereitungsdienst. Lehramtsanwärterinnen und -anwärter werden zu Beamtinnen und Beamten auf Widerruf ernannt. Im ersten Ausbildungsjahr übernehmen sie unter anderem acht Wochenstunden eigenverantwortlichen Unterricht, im zweiten Jahr sind es 15. Begleitend finden Seminarveranstaltungen statt. Den Abschluss bildet die Zweite Staatsprüfung.
Mit dem erfolgreichen Bestehen des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung erwerben Absolventinnen und Absolventen die Lehramtsbefähigung für Grundschulen und sind damit voll ausgebildete Grundschullehrkräfte.
Alltag als Lehramtsanwärterin in der Grundschule: Verantwortung von Anfang an
Der Schritt in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grundschulen ist für Ebru auch der Sprung in die Verantwortung. Nach dem Abitur 2019 studierte sie Lehramt für Grundschulen in Passau, schloss 2023 mit dem Staatsexamen ab und arbeitete anschließend als "mobile Reserve". Seit September 2024 absolviert sie ihren Vorbereitungsdienst in Oberbayern. "Das Herausforderndste war für mich am Anfang, den Alltag zu meistern – und auch die Verantwortung für so viele Kinder zu tragen", sagt sie.
Zum Unterricht kommen Elterngespräche, Aufsicht in den Pausen sowie das Erstellen und Korrigieren von Leistungsnachweisen. "Das Studium hat mir eine sehr gute fachliche Grundlage mitgegeben", sagt Ebru. "Aber wie ich Elterngespräche führe oder mit herausfordernden Situationen umgehe, das lernt man erst richtig in der Praxis."
Wie viel verdient man als Lehrer in der Grundschule?
Das Brutto-Einstiegsgehalt im Vorbereitungsdienst für das Grundschullehramt in Bayern liegt laut des Bayerischen Beamtenbundes (externer Link) bei rund 1.700 Euro.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Zweiten Staatsprüfung verdienen Grundschullehrkräfte im staatlichen Schuldienst etwa 4.500 Euro brutto monatlich – abhängig von Besoldungsgruppe und Erfahrungsstufe.
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