Ein Management-Praktikum, eine Chemie- und eine Mathe-Vorlesung, dazu wöchentliche Übungsblätter und ein hoher Leistungsdruck: Für Viet war das erste Semester im Lehramtsstudium die größte Belastungsprobe: "Der gesamte Workload war so hoch, dass ich am Ende des ersten Semesters darüber nachgedacht habe, das Studium abzubrechen", sagt er. Rückblickend nennt er es "die größte Herausforderung im Studium".
Mathe und Chemie: Warum das Studium so anspruchsvoll ist
Auch später bleibt das Studium anspruchsvoll. Die Vorlesung zu Differentialgeometrie und Topologie wartet im neuen Semester auf Viet: "Du sitzt in der Vorlesung, die Professorin spricht – und du verstehst 70 Prozent nicht", seufzt er. Wichtig für ihn sind die wöchentlichen Übungen mit Tutorinnen und Tutoren. Dort wird der Stoff vertieft, Fragen können geklärt werden. Zusätzlich müssen Viet und seine Kommilitoninnen und Kommilitonen Hausaufgabenpunkte sammeln, um zur Klausur zugelassen zu werden.
Lehramtsstudium: Zu wenig Didaktik, zu viel Fachwissenschaft
Ein grundsätzliches Problem sieht Viet in der Struktur des Lehramtsstudiums. "Leider ist es im Studium so, dass man im Lehramt hauptsächlich die Fächer studiert, in meinem Fall Chemie und Mathe, und viel zu wenig Wert auf Didaktik und Erziehungswissenschaften gelegt wird." Sein Eindruck: "Vom Gefühl her würde ich sagen, es sind 80 Prozent Fachwissenschaften, 15 Prozent Didaktik und fünf Prozent Erziehungswissenschaften."
Um später innovativen Unterricht gestalten zu können, hat Viet sich deshalb freiwillig zusätzlich für einen Master in Chemiedidaktik entschieden: "Ich möchte Schülerinnen und Schüler für Chemie und Mathe begeistern. Es ist schade, dass die Fächer so unbeliebt sind. Das muss nicht sein, es kann cool sein, aber es hängt stark von der Lehrkraft ab."
Erste Staatsprüfung im Lehramt: Voraussetzung fürs Referendariat
An der Universität Bayreuth umfasst das Lehramtsstudium für Gymnasien zwei Unterrichtsfächer sowie Erziehungswissenschaften und gliedert sich in eine Bachelor- und eine Masterphase. Im Bachelor wählen Studierende ein Erstfach, das sie vertieft studieren, und je nach Fach mit einem Bachelor of Science oder Bachelor of Arts abschließen. Die Universität setzt dabei bewusst auf einen fachwissenschaftlichen Bachelor, der auch den Wechsel in andere Masterstudiengänge erleichtern soll, falls sich die Studierenden gegen eine Fortführung des Lehramtsstudiums entscheiden.
In der Masterphase liegt der Fokus auf dem zweiten Unterrichtsfach und den Erziehungswissenschaften. Anschließend können Studierende direkt die Erste Staatsprüfung (1. Staatsexamen) ablegen. Alternativ besteht die Möglichkeit, durch das Verfassen einer Masterarbeit zusätzlich den Titel Master of Education zu erwerben. Der Master-Abschluss allein berechtigt jedoch nicht zur Aufnahme des Vorbereitungsdienstes im staatlichen Schulwesen. Die Erste Staatsprüfung ist Voraussetzung für die Zulassung zum Referendariat und zur Zweiten Staatsprüfung im Freistaat Bayern.
Referendariat Gymnasium in Bayern: Ablauf und Dauer
Besteht Viet diese erste Staatsprüfung erfolgreich, folgt die praktische Phase der Lehramtsausbildung: das Referendariat. In Bayern dauert es zwei Jahre. Die angehenden Lehrkräfte arbeiten an einer Seminarschule und einer Einsatzschule. Dort sammeln sie erste Erfahrungen im Unterricht – zunächst in Form von Hörstunden und kleineren Lehrversuchen, bevor sie schrittweise eigenen Unterricht übernehmen. Gleichzeitig lernen sie den Schulalltag kennen und werden regelmäßig von Seminar- und Betreuungslehrkräften im Unterricht besucht. Den Abschluss bildet das zweite Staatsexamen – erst danach ist der Einstieg in den Lehrerberuf möglich.
alpha Uni auf YouTube: Lehramt - Wie läuft das Referendariat ab?
Karriere nach dem Lehramtsstudium: Lehrerberuf und Alternativen
Nach dem Staatsexamen starten viele Absolventinnen und Absolventen in eine Laufbahn im Schuldienst. Für Viet steht fest, er möchte seine Schülerinnen und Schüler mit seinem Unterricht begeistern und inspirieren: "Ich hatte vier Lehrkräfte, wirklich gute Lehrkräfte, die mich persönlich und fachlich so gefördert haben, dass ich zu der Person geworden bin, die ich heute bin."
Doch das Lehramtsstudium bietet auch noch andere Möglichkeiten als das Unterrichten im Klassenzimmer. Etwa als Fachbetreuerin, Beratungslehrer oder Oberstufenkoordinatorin. Wer sich weiterentwickeln will, kann auch in die Schulleitung aufsteigen oder in der Bildungsverwaltung mitarbeiten, zum Beispiel in Ministerien oder Schulämtern. Außerdem gibt es Chancen außerhalb der Schule – in Verlagen, der Jugendbildung oder der schulpsychologischen Arbeit.
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