Damit Obstbäume gesunde Früchte tragen, sollten sie im späten Winter oder frühem Frühjahr geschnitten werden. Ideal ist der Zeitpunkt, wenn der Saftstrom noch gering ist und die Knospen noch nicht ausgetrieben haben. Das gilt sowohl für im Herbst frisch gepflanzte Obstbäume als auch für ältere Exemplare. Wichtig: Die Temperaturen sollten nicht unter minus fünf Grad Celsius liegen, da das Holz sonst brüchig wird und Schnittwunden schlechter verheilen können.
Grundlegende Schnittregeln für gesunde Obstbäume
Für eine reiche Ernte braucht der Obstbaum vor allem Licht und Luft in der Krone. Eine alte Gärtnerregel besagt: "Man muss einen Hut durch die Krone werfen können, ohne dass er hängen bleibt." Entfernen Sie daher alle nach innen wachsenden Äste. Besonders wichtig ist das Entfernen der sogenannten Wasserschosse. Diese senkrecht nach oben wachsenden Triebe kosten Kraft, tragen kaum Früchte und verdichten unnötig die Krone. Auch sich kreuzende oder aneinander reibende Zweige sollten ausgedünnt werden, wobei immer der steilere oder nach innen wachsende Ast weichen muss.
Obstbaumschnitt: Wo genau wird geschnitten?
Äste, die vollständig entfernt werden sollen – etwa Wasserschosse – schneidet man direkt am Astring, also unmittelbar am Ansatz des tragenden Astes. Beim Einkürzen von Zweigen wird immer knapp oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe geschnitten. So wächst der neue Trieb ins Licht und nicht in die Krone hinein. Achten Sie auf saubere, möglichst kleine Schnittstellen und verwenden Sie gut geschärfte Gartenscheren.
Wie stark sollte man Obstbäume zurückschneiden?
Beim Schnitt gilt eine einfache Faustregel: Starker Rückschnitt fördert das Holzwachstum, schwacher Rückschnitt begünstigt den Fruchtansatz. Wird ein Ast stark gekürzt, treibt er meist an der Spitze kräftig neu aus. Kürzt man ihn nur leicht, bilden sich entlang des Astes mehrere mäßig starke Triebe – ideal für eine gute Blüten- und Fruchtbildung.
Im Video: Sabrina Nitsche von Querbeet zeigt den richtigen Obstbaumschnitt an einer Zwetschge.
Sabrina Nitsche von Querbeet zeigt in der Reihe 'Gartenschatz' einer Zuschauerin, wie sie ihren Zwetschgenbaum richtig zuschneidet.
Alternierende Fruchtfolge: Warum Obstbäume nicht jedes Jahr gleich tragen
Wenn ein Obstbaum nur jedes zweite Jahr reichlich Früchte trägt, ist das völlig normal. Ursache ist die sogenannte alternierende (wechselnde) Fruchtfolge. In einem Jahr mit vielen Blüten und Früchten verbraucht der Baum viel Energie. Im Folgejahr bildet er deshalb meist weniger Blüten und Früchte - die Ernte fällt geringer aus. Danach hat er sich erholt und kann im nächsten Jahr wieder ausreichend tragen.
Erziehungsformen beim Obstbaum: Rundkrone oder Spindel
Grundsätzlich gibt es zwei gängige Erziehungsformen für Obstbäume: die Rundkrone und die Spindel. Welche Form am besten passt, hängt vor allem von der Größe des Gartens und davon ab, wie viel Platz der Baum benötigt. Beide Formen haben ihre Vorteile.
Die Rundkrone: Klassische Baumform für große Obstbäume
Die Rundkrone eignet sich besonders für große Obstbäume. Sie basiert auf drei schräg nach oben wachsenden, kräftigen Leitästen, die in der Regel 30 bis 40 Jahre lang Früchte tragen können. Beim Schnitt steht im Vordergrund, dass die Krone breit wächst und nicht zu dicht wird – nur so gelangen ausreichend Licht und Luft an die Früchte.
Die Spindel: Kompakte Erziehung für kleine Gärten
Die Spindelform eignet sich besonders für Bäume, die von Natur aus kleiner bleiben oder schwachwüchsig veredelt sind. Ziel ist ein kontrollierter, schwacher Austrieb mit waagerecht angeordneten, nicht zu kräftigen Seitenästen rund um eine dominante Mittelachse. Diese tragen früh viele Blüten und Früchte. Achten Sie idealerweise schon beim Kauf auf flach wachsende Äste. Zu steile Triebe können entfernt oder vorsichtig in die Waagerechte gebracht werden. Eine Ausnahme bilden Pflaumenbäume: Ihre Äste sollten leicht nach oben zeigen, damit das Wachstum nicht gehemmt wird.
Jährliche Pflegearbeiten beim Obstbaumschnitt
Jedes Jahr werden steil aufrechte Konkurrenztriebe zur zentralen Mittelachse entfernt, ebenso Wasserschosse und sich kreuzende Zweige. Damit die Krone weiter in die Breite wächst, kürzt man die Verlängerungen der Leitäste immer auf eine nach außen gerichtete Knospe ein.
Äste waagerecht ziehen: So funktioniert es einfach
Um Äste in die Waagerechte zu bringen, können sie vorsichtig nach unten gebogen und fixiert werden. Nach etwa einem Jahr behalten sie diese Stellung von selbst und die Schnur kann entfernt werden. Ist kein Befestigungspunkt vorhanden, hilft ein einfacher Trick: Binden Sie die Schnur an einen Stein, der senkrecht darunter auf dem Boden liegt. Diese Methode funktioniert praktisch überall.
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