Das Purpur-Netzkügelchen, fotografiert am Fundort im Bayerischen Wald.
Bildrechte: Lukas Haselberger/Nationalpark Bayerischer Wald
Audiobeitrag

Das Purpur-Netzkügelchen, fotografiert am Fundort im Bayerischen Wald.

Audiobeitrag
> Wissen >

Weltweit seltener "Schleimpilz" in Niederbayern entdeckt

Weltweit seltener "Schleimpilz" in Niederbayern entdeckt

Schutzgebiete wie der Nationalpark Bayerischer Wald sind wichtig für die Artenvielfalt. Das zeigt sich auch im Kleinen. Erneut ist hier eine seltene Pilzart entdeckt worden: Ein "Schleimpilz" - halb Pilz, halb Tier - der sich sogar fortbewegen kann.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Im Nationalpark Bayerischer Wald, wo immer wieder seltene Pilzarten entdeckt werden, ist jetzt wieder ein besonderer Fund gemacht worden. Der Mykologe Peter Karasch hat am Fluss "Große Deffernik" bei Zwieslerwaldhaus einen weltweit raren Schleimpilz gefunden: das sogenannte Purpur-Netzkügelchen (Cribraria purpurea).

Zum Artikel: DWD: Klimawandel in Deutschland weiter als gedacht

Pilz wurde schon einmal im Bayerischen Wald entdeckt

Der Pilz ist nur wenige Millimeter groß, aber sehr auffällig magentafarben. Er ist bislang nur aus wenigen Bergwäldern in den Bayerischen Alpen und dem Schwarzwald bekannt. Im Nationalpark Bayerischer Wald konnte er 2015 schon einmal im Urwaldgebiet Mittelsteighütte in Zwieslerwaldhaus nachgewiesen werden und nun, rund zwei Kilometer von der damaligen Fundstelle entfernt, zum zweiten mal.

Sonderling zwischen Pilz und Tier: Schleimpilz kann sich bewegen

Schleimpilze wachsen bevorzugt nach der Schneeschmelze im Frühjahr auf bereits stark zersetzten Nadelholzstämmen, brauchen also ganz spezielle Bedingungen. Schleimpilze sind auch keine klassischen Pilze, sondern haben eine Sonderstellung zwischen Pilz und Tier. Denn sie können sich im jungen Zustand wie begeißelte Amöben fortbewegen. Erst später im Reifezustand bilden sie pilzähnliche Fruchtkörper mit Sporen.

"Schleimpilze sind absolut faszinierende Wesen", so Peter Karasch. Es gibt sie seit mehr als 600 Millionen Jahren auf der Erde. Viele der rund 1.000 Arten kommen weltweit vor. Ein Großteil der wenigen europäischen Nachweise stammt aus sehr alten, urwaldähnlichen Schutzgebieten, etwa in Polen oder Kroatien. Der aktuelle Fund zeige wieder einmal die weltweite Bedeutung von Schutzgebieten für den Erhalt der Artenvielfalt, so die Nationalparkverwaltung.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!