Verhandlungen gern, aber kein schneller Frieden in der Ukraine. So lässt sich die russische Reaktion auf ungewohnt deutliche Kritik des US-Präsidenten an Wladimir Putin zusammenfassen. Dessen Sprecher, Dmitri Peskov, erklärte: "Wir arbeiten mit der amerikanischen Seite in erster Linie weiter am Aufbau unserer bilateralen Beziehungen, die unter der Vorgängerregierung in den USA massiv beschädigt wurde." Auch an der Umsetzung einiger Ideen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts arbeite man. "Aber, da gibt es nichts Konkretes".
- Zum Artikel auf tagesschau.de: Selenskyj legt private Einkünfte offen
Putin: Erst Neuwahlen in der Ukraine, dann Friedensabkommen
Den US-Vorschlag einer umfassenden Waffenruhe hatte Russlands Präsident Putin bereits mit einer Liste von Bedenken abgelehnt. Vergangene Woche sprach Putin dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj erneut ab, überhaupt legitimes Staatsoberhaupt zu sein. Putins Idee war, das Land solle zunächst unter UN-Verwaltung gestellt werden, dann könnten eine Präsidentschaftswahl und erst danach ein Friedensabkommen folgen.
Dieses erneute Ausweichmanöver Putins hatte US-Präsident Donald Trump deutlich kritisiert. Er sei "wütend, stinksauer" über Äußerungen des russischen Präsidenten gewesen, als Putin begonnen habe, sich über die Legitimität Selenskyjs auszulassen, sagte Trump in einem Interview mit NBC News. Eine konkrete Antwort darauf gab es aus Moskau nicht. Auch ein Gespräch Trump-Putin sei, anders als vom US-Präsidenten erklärt, derzeit nicht geplant. Aber man sei dafür offen, so Kreml-Sprecher Peskow, und könne das bei Bedarf schnell organisieren.
Russland zieht mehr Wehrpflichtige ein
Unterdessen intensiviert Russland die eigene Militarisierung. Im Rahmen einer großen Rekrutierungskampagne sollen im Frühjahr 160.000 Wehrpflichtige eingezogen werden. Das ist die höchste Zahl an Wehrpflichtigen, seitdem der Kreml im Zuge der Armeereform seit 2012 verstärkt auf professionelle Vertrags- und Zeitsoldaten setzt. Zweimal im Jahr - im Frühjahr und Herbst - beruft Russland aber immer noch jeweils mehr als 100.000 Männer für den einjährigen Wehrdienst ein.
Gemäß eines am Montag von Präsident Wladimir Putin unterzeichneten Dekrets sollen bereits ab Dienstag Soldaten zwischen 18 und 30 Jahren in die Armee eintreten. Der Armee zufolge sollen die neuen Rekruten allerdings nicht in der Ukraine eingesetzt werden, wo russische Truppen seit Februar 2022 Krieg führen. Der Kreml hat die Truppenstärke der russischen Armee seit dem Einfall in die benachbarte Ukraine bereits dreimal erhöht. Zuletzt ordnete Putin im vergangenen Herbst die Erhöhung der Sollstärke auf 2,4 Millionen Militärangehörige an - davon 1,5 Millionen Soldaten. Offiziell nehmen Wehrpflichtige nicht am Krieg gegen die Ukraine teil, allerdings waren sie mehrfach in Kämpfe im russischen Grenzgebiet verwickelt.
Mit Material von AFP und dpa.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!