Nach 57 Jahren soll Ende Juni Schluss sein mit der Produktion am Playmobil-Standort in Dietenhofen im Landkreis Ansbach. Die Produktion soll in andere Werke verlegt werden: wegen der gestiegenen Produktionskosten in Deutschland, so hatte es die Horst-Brandstätter-Group, zu der Playmobil gehört, am Dienstag bekannt gegeben.
Beschäftigte sprechen von "schlimmer Versammlung"
Für die rund 350 betroffenen Arbeitskräfte sei die Nachricht am Dienstag ein "absoluter Schock" gewesen. Die Beschäftigten hätten die Nachricht im Rahmen einer "schlimmen Versammlung" erfahren, "die nach nur wenigen Minuten wieder vorbei war", erklärten Mitarbeitende im BR-Gespräch. Die Stimmung vor Ort sei nach wie vor bedrückt. Einer der Befragten sagte allerdings, dass die Schließung irgendwie abzusehen gewesen sei.
Dietenhofener Bürgermeister: "Sehr knappe Darstellung"
Für den Markt Dietenhofen bedeutet die Schließung wohl den Verlust von wichtigen Arbeitsplätzen. "Ja, zunächst ist das schockierend. Weil da 350 Mitarbeiter betroffen sind. Dahinter stehen Familien, Pläne", so Dietenhofens Bürgermeister Rainer Erdel.
Er selbst hatte am Montagabend von den Neuigkeiten erfahren. In einer ersten kleinen Besprechung habe er die Hintergründe von der Firmenleitung gehört. "Das war eine sehr knappe Darstellung", so Erdel.
Playmobil will "Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken"
Die Horst-Brandstätter-Group hatte die geplante Schließung am Dienstag öffentlich gemacht. Der Grund für die Umstrukturierung liege in den gestiegenen Produktionskosten in Deutschland. Durch die Verlagerung an andere Standorte sollen Synergien innerhalb des Konzerns genutzt werden.
"Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu stärken, verlagern wir die Produktion in andere Werke. Diese Entscheidung treffen wir vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Produktionskosten in Deutschland und eines anhaltend hohen Kostendrucks", erklärte Tim Niklas Kubach, Pressesprecher der Horst Brandstätter Group.
Gewerkschaft spricht von "Riesensauerei"
Die Gewerkschaft IGBCE kritisierte scharf, die Verantwortung für "jahrelanges Missmanagement" solle nun erneut "auf die Beschäftigten abgewälzt werden". Besonders empört zeigte sie sich darüber, dass die Belegschaft am Standort Dietenhofen erst kurz vor einer Mitarbeiterversammlung von den Schließungsplänen erfahren habe. Zuvor habe der Playmobil-Hersteller nach Angaben der Gewerkschaft rund neun Monate lang bei Nachfragen zum Standort gemauert. Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner sprach von "einer Riesensauerei".
Die IGBCE fordert von der Horst Brandstätter Group, ergebnisoffene Verhandlungen zum Fortbestand der Produktion von Playmobil in Deutschland zu führen. Die Standorte in Herrieden und Zirndorf sollen von der strategischen Neuausrichtung nicht betroffen sein.
Im Video: Playmobil-Werk in Dietenhofen muss schließen
Playmobil steckt in der Krise. Der Hersteller muss sparen. Aber die Pläne bedeuten das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland.
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