Stefan Zott und Oliver Born von der Fischereifachstelle des Bezirks Schwaben an der Zusam, die aktuell wie viele Flüsse in Bayern unter Hitzestress leidet.
Stefan Zott und Oliver Born von der Fischereifachstelle des Bezirks Schwaben an der Zusam, die aktuell wie viele Flüsse in Bayern unter Hitzestress leidet.
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Stefan Zott und Oliver Born von der Fischereifachstelle des Bezirks Schwaben an der Zusam, die aktuell unter Hitzestress leidet.
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Stefan Zott und Oliver Born von der Fischereifachstelle des Bezirks Schwaben an der Zusam, die aktuell unter Hitzestress leidet.

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Alarmstufe Rot: Fischereiverbände fordern Notfallplan für Hitze

Alarmstufe Rot: Fischereiverbände fordern Notfallplan für Hitze

Flüsse und Bäche in Bayern haben derzeit historisches Niedrigwasser – im Flachland genauso wie im höherliegenden Allgäu. Dort gab es sogar schon ein Fischsterben. Der Bayerische Fischereiverband stellt nun klare Forderungen an die Regierung.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Gewässer und deren Schutz seien bei der Landesentwicklung genauso wichtig wie Verkehr oder Wirtschaft, so formuliert es heute der Bayerische Fischereiverband (LFV) in einer ungewohnt scharfen Mitteilung. Die Folgen des Klimawandels in den Griff zu bekommen, müsse eine zentrale Aufgabe staatlichen Handelns sein, so die klare Forderung.

Fischereiverband fordert drei Maßnahmen

Dazu brauche es einen "konsequenten Kurswechsel" und drei Maßnahmenpakete: mehr Wasser in den Flüssen, etwa durch veränderte Steuerung an Kraftwerken, weniger kontrollierte Wasserentnahmen und deutlich mehr Fischtreppen an Kraftwerken und Staustufen. Axel Bartelt, Präsident des LFV Bayern fordert außerdem "schnelle und verlässliche Daten zur Niedrigwasserentwicklung". Der Bund mache es mit dem angekündigten Informationssystem NIWIS vor, "Bayern muss hier dringend nachziehen".

Der LFV Bayern appelliert an die Bayerische Staatsregierung und die zuständigen Behörden, die drei Kernforderungen "ernst zu nehmen und zügig umzusetzen", um irreversible Schäden an den Gewässerökosystemen zu verhindern.

So sieht der Wassermangel vor Ort aus

Die Zusam bei Dinkelscherben im Westen von Augsburg: Ein schmaler Fluss, der sich kilometerweit durch Wiesenland schlängelt. Früher gab es hier viele Forellen, die kaltes Wasser lieben, doch die kommen kaum mehr vor. Zu warm wird die Zusam – seit einigen Jahren schon. Aktuell misst Stefan Zott vom Schwäbischen Fischereiverband 24 Grad Wassertemperatur – ganze zwei Grad mehr als im letzten Jahr: "Das ist brutal, das schockiert mich", gesteht Zott.

Er wohnt in der Nähe des Flusses, kennt die Zusam seit seiner Kindheit und hatte die Idee, das Gewässer mit einer ganzen Reihe von Messsonden zu überwachen. Von Markt Wald im Süden bis Altenmünster im Norden hat er Sonden ausgebracht, die am Untergrund kontinuierlich messen. Seit vier Jahren sammelt er so Daten zur Wassertemperatur – und die Kurve zeige immer nur nach oben.

Nicht nur ein Sommerthema

Sogar im Winter sei das Wasser der Zusam mittlerweile zu warm – "das Thema Klimaerwärmung ist nicht nur im Sommer aktuell", sagt Stefan Zott. Jetzt aber sehe auch jeder Laie, dass etwas nicht mehr stimmt. Viel zu wenig Wasser sei im Flussbett, stellenweise nur 20 bis 30 Zentimeter hoch. Und weil an den Ufern der Schatten fehlt, heize sich das wenige Wasser noch stärker auf, nicht nur an der Zusam, sondern in ganz Schwaben, quer durch alle Landkreise, sagt Oliver Born, als Leiter der Fischereifachstelle des Bezirks. Sogar im sonst wasserreichen Allgäu hat es laut Born an der Konstanzer Ache bereits ein Fischsterben gegeben: "Wir haben Alarmstufe Rot."

Kritik an Behörden und Kommunen

Trotzdem passiere viel zu wenig, kaum eine übergeordnete behördliche Stelle habe das Thema auf dem Schirm oder gar Konzepte in Arbeit, kritisiert Born. Dabei bräuchte es für die Hitzeperioden wie auch das aktuelle Niedrigwasser konkrete Notfallpläne – wie für den Hochwasserfall. Da gehe es etwa darum, wer darf einen Bagger losschicken, um ein Bachstück vor dem Trockenfallen zu sichern, wer kann wann ein lokales Wasserentnahmeverbot verhängen?

Auch an die Bürgermeister vor Ort richtet sich der Appell der Fischer. Die Gemeinden nämlich könnten sofort mit konkreten Schutzmaßnahmen an den Bächen beginnen. Etwa mehr Bewuchs an den Ufern stehen zu lassen oder schnell wachsende Bäume für mehr Schatten zu pflanzen, sagt Oliver Born: "Wir brauchen Bäume, Bäume, Bäume, vor allem an den kleineren Bächen, damit die kühles Wasser einbringen.“

Appelle ans Umweltministerium bleiben ohne Echo

Von der Politik fühlen sich die schwäbischen Fischer bislang allein gelassen. Gespräche und Brandbriefe hätten bislang wenig gebracht, sagt Oliver Born, Leiter der Fischereifachstelle des Bezirks Schwaben: "Unsere Appelle sind bislang auch im Umweltministerium aus meiner Sicht nicht in der richtigen Art und Weise wahrgenommen worden". Möglicherweise müsse "tatsächlich eine echte Katastrophe mit großem Fischsterben" kommen, bevor das Ministerium die Notwendigkeit sehe, befürchtet Born: "Wir haben wirklich Handlungsbedarf und es eilt sehr."

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