Die Allgäuer Supermarktkette Feneberg steckt in einer wirtschaftlichen Schieflage und soll jetzt im laufendem Geschäftsbetrieb neu aufgestellt werden.
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Ungewisse Zukunft: Wie geht es mit den mehr als 70 Feneberg-Supermärkten weiter?
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Allgäuer Supermarktkette Feneberg soll verkauft werden

Allgäuer Supermarktkette Feneberg soll verkauft werden

Jetzt ist klar: Die Allgäuer Supermarktkette soll verkauft werden. Vergangene Woche hatte das Familienunternehmen beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Inzwischen wird ein Investor gesucht.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Die Supermarktkette Feneberg – mit Firmensitz in Kempten – hat Tradition im Allgäu: 1947 wandelte Firmengründer Theodor Feneberg den väterlichen Käsehandel in die Feneberg Lebensmittel GmbH um, so ist es auf der Website des Unternehmens nachzulesen. Schon bald entstanden die ersten Läden. Mittlerweile gibt es über 70 Feneberg-Supermärkte – zwischen Ammersee und Bodensee beziehungsweise Ulm und Oberstdorf. 3.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten für Feneberg. Jetzt ist ihre und die Zukunft der Supermärkte allerdings ungewiss.

Investor für Feneberg gesucht

"Der Verkaufsprozess ist gestartet", bestätigte Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold im Gespräch mit dem BR. Die Unternehmensberatung Roland Berger sei damit beauftragt worden, nach einem Investor für die Feneberg Lebensmittel GmbH zu suchen. Unklar ist, welche Folgen ein möglicher Verkauf hat: Werden Filialen geschlossen? Arbeitsplätze gestrichen? "Das werden am Ende die Gläubiger entscheiden", so Leibold.

Kampf gegen hohe Schulden

Für den Sanierungsgeschäftsführer gibt es drei Gründe, warum "Feneberg" in eine derartige finanzielle Schieflage geraten ist.

Unter anderem kämpfe es aufgrund hoher Pensionsrückstellungen und Darlehen seit Jahren gegen eine große Schuldenlast. Die Rede ist von etwa 200 Millionen Euro. "Außerdem ist das Filialnetz nicht durchgehend profitabel", so Leibold. Hinzukäme die gesamtwirtschaftliche Lage: Kunden und Kundinnen würden im Vergleich zu früher weniger Geld für "Bio" ausgeben, im Fall von Feneberg für die sogenannten "VonHier"-Produkte. Das bestätigt auch der Konsumklimaindex von 2025: Demnach sparen die Menschen und kaufen vermehrt bei Discountern ein.

600 Landwirte aus der Region liefern an Feneberg

Die Allgäuer-Supermarktkette ist Partner des großen Lebensmittelhändlers Edeka und bezieht laut Leibold von dort etwa 70 Prozent des Sortiments. Die übrigen 30 Prozent kommen durch das Feneberg-eigene "VonHier"-Programm. Etwa 600 Landwirte aus der Region liefern zum Beispiel Fleisch, Milch, Nudeln, Obst und Gemüse. Das Besondere: Die Produkte werden alle in maximal 100 Kilometern Umkreis von Kempten hergestellt.

Verdi: "Jahrelanges Missmanagement"

Deutliche Kritik an "Feneberg" kommt von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: Die Insolvenz sei Folge des jahrelangen Missmanagements. Laut Manuela Karn, stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von Verdi im Allgäu, befinden sich die Feneberg-Mitarbeitenden deshalb zurzeit in einer Schockstarre aus Angst und Unsicherheit.

Die Gewerkschaft betont, die Beschäftigten dürfen nicht wieder für Fehlentscheidungen des Managements bezahlen. Sie hätten in den vergangenen Jahren "bereits erhebliche Opfer gebracht". Als Beispiele nennt Karn Lohnverzicht, Arbeitsplatzabbau in Marketing, Verwaltung und Logistik und den Verkauf der Metzgerei 2025. "Diese Zugeständnisse haben die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens offensichtlich nicht gelöst. Weitere Kürzungen können und dürfen nicht die Antwort sein", so Karn. Sie kündigte an, Verdi werde sich mit aller Kraft für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen.

Supermärkte weiterhin geöffnet

Die Feneberg-Supermärkte sind aktuell wie gewohnt geöffnet. Auch das Sortiment ist vollständig erhältlich. Allerdings können aufgrund des Schutzschirmverfahrens derzeit keine Gutscheine eingelöst werden, heißt es von Feneberg.

Bäckerei Sinz sowie BigBox nicht von Insolvenz betroffen

Die Allgäuer Supermarktkette steckt schon seit Jahren in einer wirtschaftlichen Schieflage. Die Restrukturierung des Unternehmens ist laut Leibold aber nicht erfolgreich gewesen: "In den letzten Jahren wurde bei Feneberg vieles angestoßen, allerdings nicht alles konsequent zu Ende gebracht." Erst im vergangenen Jahr war die Mehrheit des Feneberg-Tochterunternehmens Allgäu Fresh Foods GmbH & Co. KG nach einem Insolvenzverfahren verkauft worden.

Durch das Schutzschirmverfahren will Leibold jetzt erreichen, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren, "denn ich glaube an das regionale Konzept von Feneberg und an unsere Mitarbeitenden". Nicht betroffen von der Insolvenz sind laut Leibold die Feneberg-Tochtergesellschaft Landbäckerei Sinz sowie die Veranstaltungshalle BigBox und das dazugehörige Hotel in Kempten, das ebenfalls von der Familie Feneberg betrieben wird.

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