Das Büro des Oberbürgermeisters wird Dominik Krause erst am Montag beziehen. Aber auch davor ist er schon in seiner neuen Funktion aktiv. Der 1. Mai ist für ihn somit sowohl Feier- als auch Arbeitstag. Einer der ersten Termine: Ein Besuch beim Maibaum-Aufstellen im Münchner Stadtteil Bogenhausen – sicher auch eine willkommene Abwechslung: Die Grünen/Rosa Liste stecken mitten in den Koalitionsverhandlungen mit SPD, FDP und Freien Wählern.
Feierabend selten vor Mitternacht
Weil der vorherige OB Dieter Reiter gleich nach der verlorenen Stichwahl die politische Bühne verlassen hat, führt sein bisheriger Stellvertreter Krause zudem schon seit Wochen die Amtsgeschäfte. Zuletzt ist er selten vor Mitternacht heimgekommen. "Aber ich will mich nicht beklagen", betont der 35-Jährige: Gerade jetzt würden schließlich wichtige Weichen für die kommenden sechs Jahre gestellt.
Traumjob für Krause
Für Dominik Krause ist es der Traumjob, Oberbürgermeister seiner eigenen Heimatstadt sein zu dürfen – trotz oder vielleicht auch gerade wegen der riesigen Herausforderungen. Die Hauptthemen – Finanzen, Verkehr und Wohnen – liegen auf der Hand, aber die Positionen der potenziellen Koalitionspartner liegen teilweise deutlich auseinander.
Knackpunkt Wohnungsbau
Ein Beispiel: Grüne und SPD setzen beim Wohnungsbau auch auf die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, bei der man Bodenpreise einfrieren könnte. FDP und Freie Wähler sehen das kritisch. Einig ist man sich indessen, dass der Bedarf an Wohnungen enorm ist. Prognosen zufolge könnte die Zahl der Einwohner in den nächsten 20 Jahren von derzeit rund 1,6 auf 1,8 Millionen steigen. Im Wahlkampf machte Dominik Krause nicht zuletzt mit der Ankündigung von 50.000 zusätzlichen Wohnungen von sich reden.
ÖPNV-Ausbau - Krause wirbt für Olympia
Angesichts des Wachstums sei es auch umso wichtiger, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, betonte er im Gespräch mit BR24. Viele Projekte hat der Münchner Stadtrat bereits angestoßen, teilweise befinden sie sich schon in der Planungsphase. Wann sie verwirklicht werden, hängt nicht zuletzt von den Finanzen ab.
Deswegen betreibt auch Dominik Krause seit Wochen Lobbyarbeit bei diversen Sportverbänden. Die große Hoffnung: München könnte wieder Olympiastadt werden und dadurch auch an Fördermittel für wichtige Infrastruktureinrichtungen kommen.
Kompromisse gefragt
Fest steht: Es wird eine Reihe von Kompromissen brauchen, wenn es mit der Koalitionsbildung klappen soll. Die praktische Arbeit im Stadtrat werde das dann aber schon sehr erleichtern, wenn man – gerade bei einem Gremium mit so vielen Gruppierungen – nicht ständig neue Mehrheiten suchen müsse, ist der Münchner Politikwissenschaftliche Martin Gross vom Geschwister-Scholl-Institut überzeugt. Insofern hätten auch "die Akteure einen Anreiz, eine feste Koalition zu bilden."
Die Atmosphäre in den bisherigen Gesprächen wird jedenfalls von den Beteiligten als sehr angenehm beschrieben. Aktuell geht man in verschiedenen Fachgruppen in die Details. Bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats am 11. Mai soll die Münchner Koalition aus Grünen/Rosa Liste, SPD und FDP/Freien Wählern dann stehen.
Amtsketten-Übergabe am 11. Mai
An diesem Tag wird der neue OB Krause auch die Amtskette von seinem Vorgänger Dieter Reiter bekommen, dessen Amtszeit mit dem 30. April zu Ende gegangen ist. Zwölf Jahre lang stand der Sozialdemokrat an der Spitze der Stadtregierung. In dieser Zeit war er immer wieder auch als Krisenmanager gefordert – etwa nach dem OEZ-Terroranschlag, während der Corona-Pandemie oder als ganze Züge mit Flüchtlingen in München ankamen.
Reiters Wunsch für Krause
Er selbst erinnerte diese Woche in einem offenen Brief daran, was in den vergangenen zwölf Jahren "bewegt und aufgebaut" wurde: "Fast 100.000 neue Wohnungen und ganze Stadtquartiere, moderne Schulen und Kitas, ein stärkerer öffentlicher Nahverkehr sowie starke Investitionen in Soziales und Kultur".
Mit diesem Brief und dann auch noch mit einem Video wünschte Dieter Reiter seinem Nachfolger Dominik Krause und der künftigen Stadtregierung "stets eine glückliche Hand". Zugleich verabschiedete er sich von den Bürgern: "Es war mir eine große Ehre, Ihr Oberbürgermeister zu sein. Alles Gute für Sie und für unsere Stadt – machen Sie's gut."
Zum Hören: München hat offiziell einen neuen Oberbürgermeister
München hat offiziell einen neuen Oberbürgermeister: Dominik Krause (Grüne) löst Dieter Reiter (SPD) ab, der nach zwölf Jahren abgewählt wurde.
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