Kerstin und Karl laufen aufs Klinikum Nürnberg zu.
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Mutter Kerstin und Sohn Karl haben gemeinsam Hilfe zum Thema "Schulangst" gesucht und gefunden.
Bildrechte: BR / Isabel Pogner
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Angststörungen im Klassenzimmer: Wenn die Schule Panik auslöst

Angststörungen im Klassenzimmer: Wenn die Schule Panik auslöst

Karl aus Nürnberg ist einer von vielen Kindern und Jugendlichen, die unter Schulangst leiden. Die Zahl der Betroffenen steigt – und das Umfeld reagiert nicht immer verständnisvoll. So geht der 17-Jährige damit um.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Wenn Karl daran denkt, in die Schule gehen zu müssen, bekommt er manchmal Panik. Die Hände werden schwitzig, die Knie zittrig. Seine erste Panikattacke hatte der 17-Jährige am Nürnberger Hauptbahnhof. Danach wurde es immer schlimmer: Angst vor der Schule. Angst, wieder in Panik zu geraten. Selbstzweifel und Selbsthass. Bis sich Karl Hilfe geholt hat. Denn: Angststörungen lassen sich gut behandeln. Man muss sich nur trauen, die Hilfe anzunehmen.

Immer mehr Jugendliche leiden unter Schulangst

Karl ist kein Einzelfall. Zahlen dazu, wie viele Jugendliche an Schulangst leiden, gibt es nicht, erklärt das Bayerische Kultusministerium. Auch das Schulamt Nürnberg muss passen, bestätigt aber, dass die Zahl der Betroffenen steigt. Und auch Dr. Patrick Nonell, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg Nord, beobachtet: Immer mehr Jugendliche leiden unter Schulangst. Er erklärt: "Angst haben die Jugendlichen meistens vor Situationen in der Schule. Also sozialen Situationen oder Versagensängsten." Karl hat beides. "In der sechsten Klasse hat mich eine Lehrerin am ersten Tag als 'fett' beleidigt", erzählt er. Aber auch seine Mitschüler hätten ihn über Jahre hinweg gemobbt.

Unverständnis aus dem Umfeld

"Irgendwann habe ich im Unterricht gar nicht mehr mitgemacht", sagt Karl. Nicht, weil er keine Lust hatte. Sondern weil es einfach nicht mehr ging. Immer öfter blieb er zuhause oder drehte auf dem Weg zur Schule um. Die Liste der Fehltage wurde länger, mehrfach musste er Klassen wiederholen. Das Umfeld reagierte darauf nicht immer verständnisvoll. Mutter Kerstin erzählt: "Es kamen oft Sätze wie 'Reiß dich mal zusammen'. Sowas ist in der Situation nicht hilfreich."

Verhaltenstherapie ist erfolgsversprechend

Auch Nonell wirbt für Verständnis. "Das heißt natürlich nicht, dass man die Jugendlichen daheim lassen soll", sagt der Chefarzt. Das Thema müsse man aber ernst nehmen. Je länger Symptome ignoriert würden, desto mehr könne sich die Störung verfestigen. Finden die Jugendlichen aber den Weg in die Klinik, sei die Behandlung recht erfolgsversprechend. Betroffene bekommen Verhaltenstherapie, kombiniert mit anderen Therapieformen. Sie lernen also, mit der Angst umzugehen.

Die Schulangst gehört zum Überthema Schulabsentismus, also unentschuldigte Abwesenheit in der Schule. Seit zehn Jahren gibt es dafür eine eigene Ambulanz am Klinikum Nürnberg. Nonell ordnet ein: "Nicht jedes Fernbleiben von der Schule ist eine Krankheit. Wer einfach schwänzt, hat keinen Leidensdruck." Oft stecken jedoch gewaltige Belastungen dahinter. "Die Patienten wollen dann in die Schule gehen, schaffen es aber einfach nicht."

Zahl der Angststörungen steigt

Laut einem Report der Krankenkasse DAK leiden immer mehr junge Menschen unter Angststörungen. Die Zahl sei seit der Corona-Pandemie von 17 auf 22 Prozent gestiegen. Corona war auch bei Karl ein Negativ-Einfluss. "Ich war ja gar nicht mehr in der Schule und habe auch beim Online-Unterricht nicht wirklich mitgemacht." Nonell erklärt: "Jugendliche hatten in der Zeit keine Chancen, soziale Interaktion zu üben."

Mit den psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen habe sich in Nürnberg aber auch das Hilfsangebot erweitert, sagt Nonell. Das Klinikum arbeite eng mit anderen Stellen zusammen. Und Andrea Blendinger, Direktorin am Staatlichen Schulamt Nürnberg, sagt: "Die Lehrkräfte werden zu dem Thema fortgebildet." Schulpsychologen, Sozialarbeiter und die Schulberatungsstelle in Nürnberg würden weiterhelfen. Ähnliche Strukturen gebe es bayernweit, erklärt das Kultusministerium: "Hierfür stehen rund 1.800 Beratungslehrkräfte und rund 1.200 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen an den Schulen vor Ort für eine Beratung zur Verfügung." Und auch für Angehörige gibt es immer mehr Angebote. In Nürnberg hat Karls Mutter Kerstin eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Ihr Sohn ist momentan nicht mehr in Therapie. Ganz weg ist seine Schulangst zwar nicht, aber die Zahl der Fehltage wird weniger und er weiß, wie er mit der Angst umgehen kann. In der Therapie hat er aber noch mehr gelernt: "Ich bin nicht falsch, es ist alles gut mit mir. Ich hab halt nur ein Problem, aber das ist nichts Schlimmes. Das kann man lösen."

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