In 45.000 Berliner Haushalten ging am Samstag das Licht aus. Und in einigen wird es wohl vor Donnerstag auch nicht wieder angehen. Ein Brandanschlag auf die Kabelbrücke eines Kraftwerkes hat das Stromnetz beschädigt – mutmaßlich verübt von einer linksextremen Gruppe.
Kann, was in Berlin passiert ist, auch in Bayern passieren? In der Region München kam es in der Vergangenheit bereits zu vergleichbaren Vorfällen. Im Münchner Werksviertel etwa wurde im Jahr 2021 der Rüstungskonzern Rohde & Schwarz Ziel eines Anschlags. Durch den Brand hatten 20.000 Haushalte für mehrere Stunden keinen Strom. Was hat man aus der Vergangenheit gelernt?
Innenminister Herrmann: Bayern ist gut vorbereitet
Einen Stromausfall wie in Berlin hält Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für unwahrscheinlich. Anzeichen für derlei Pläne gebe es keine, sie seien aber von extremistischer Seite auch nicht auszuschließen. Die Verantwortung für die Sicherheit der Stromnetze liegt Herrmann zufolge bei den Betreibern. Dennoch habe Bayern in den vergangenen Jahren die Vorkehrungen für Notstromaggregate ausgebaut. Mehr noch: "Unser Ziel ist, im Laufe der Jahre jede Kreisverwaltungsbehörde, alle 96 Städte und Landkreise mit entsprechenden Notstromaggregaten auszurüsten."
Forscher: Bayern nimmt Infrastrukturschutz nicht ernst genug
Der Bauingenieur Norbert Gebbeken forscht an der Münchner Bundeswehruniversität zu Sicherheit und Infrastruktur – und widerspricht dem Innenminister. In Bayern, sagt Gebbeken, nehme man den Schutz der Infrastruktur nicht ernst genug: "Es wird immer darüber gesprochen, dass Bayern das sicherste Land ist. Wenn es aber um die kritische Infrastruktur geht, sehe ich Bayern keinen einzigen Schritt weiter als andere Bundesländer."
Das liege auch an unklaren Zuständigkeiten. Gebbeken zufolge warten die Länder auf Vorgaben von EU oder Bund – dabei könnten sie im Bereich Zivil- und Katastrophenschutz auch selbst etwas tun. Gleichwohl räumt er ein, dass sich nach den letzten beiden Blackouts in der Region München etwas getan habe. Die Infrastruktur sei heute resilienter und auch redundanter: Fällt ein Teil des Stromnetzes aus, übernehmen andere Teile die Versorgung. Dennoch: "Wenn jemand Expertenwissen hat, ist er trotzdem in der Lage, ein Infrastruktursystem großflächig auszuschalten."
Schutz der Stromnetze ist vor allem Aufgabe der Betreiber
Wie schützen sich die Stadtwerke vor Ort? Auf BR-Anfrage erklären die Stadtwerke München (SWM), man stehe in engem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden und aktualisiere die Schutzstrategie entsprechend der Bedrohungslage. Einen tieferen Einblick in Schutzstrategien geben die SWM nicht – mit Verweis darauf, die kritische Infrastruktur solle nicht kompromittiert werden.
Das Münchner Stromnetz ist laut SWM so angelegt, dass beim Ausfall eines Teils andere Teile die Versorgung übernehmen können.
Was tun im Notfall?
Im Falle eines Falls greifen in der Landeshauptstadt Notfallpläne. Dann arbeiten Behörden wie Stadtwerke, Stadtverwaltung und Feuerwehr eng zusammen. Nach dem Brandanschlag 2021 wurden zum Beispiel Stromzapfsäulen aufgestellt, an denen Anwohnerinnen und Anwohner ihre Handys laden konnten. Altenheime etwa haben von den Stadtwerken Stromgeneratoren zur Verfügung gestellt bekommen.
Auch Nürnberg hat einen Notfallplan. Außerdem gibt es über die Stadt verteilt 43 sogenannte "Katastrophenschutz-Leuchttürme", zum Beispiel Feuerwehrgerätehäuser und Polizeistationen. Im Notfall soll die Bevölkerung dort Informationen erhalten oder mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt werden.
Wie kann ich mich auf einen Stromausfall vorbereiten?
Nicht nur ein Anschlag kann zu einem großen und lang andauernden Stromausfall führen. Auch durch einen Fehler bei Bauarbeiten, Unwetter oder Cyberangriffe kann es Probleme bei der Stromversorgung geben. In Moosburg an der Isar etwa saßen 2022 nach einem Gewittersturm rund 20.000 Menschen stundenlang im Dunkeln. Für all diese Fälle können sich auch Privathaushalte vorbereiten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat Tipps für den Ernstfall zusammengestellt, zum Beispiel:
- Akkus von Handys und Telefonen sollten möglichst geladen sein, geladene Ersatzakkus wie Powerbanks oder solarbetriebene Ladegeräte sollten bereit liegen.
- Um Informationen der Behörden nicht zu verpassen, sollte man ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio zu Hause haben.
- Kleinere Mahlzeiten kann man auf einem Campingkocher oder Grill zubereiten – aber Achtung: Nicht drinnen grillen, es besteht Erstickungsgefahr! Vorteilhaft ist ein Lebensmittelvorrat, der auch kalt verzehrt werden kann.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
