Anhänger der Regierung verbrennen eine US-Flagge in Caracas
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Trumps Venezuela-Intervention: Was bedeutet das für die Welt?

Trumps Venezuela-Intervention: Was bedeutet das für die Welt?

Donald Trump hat kein Problem damit, den Grund zu nennen, warum er das Land mit dem größten Erdölvorkommen der Welt angreift und dessen Anführer gefangen nimmt: "Die USA sind im Ölgeschäft!" Es geht um Ressourcen, nicht Regimewechsel. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im BR Fernsehen am .

Die politischen Auswirkungen des Caracas-Coups des US-Präsidenten sind in ihrer Tragweite kaum zu überschätzen. Beim globalen Rennen um Ressourcen, Einflusssphären und Dominanz lässt sich der US-Präsident weder von internationalem Recht noch von der US-Verfassung einschränken.

Vor der überraschten Weltöffentlichkeit lässt der Amtsinhaber des Weißen Hauses in einer nächtlichen Kommandoaktion den Präsidenten eines südamerikanischen Landes samt Ehefrau gefangen nehmen, um wenige Stunden später nahezu schulterzuckend zu erläutern: "Wir wollen uns mit guten Nachbarn umgeben. Wir wollen uns mit Stabilität umgeben. Wir wollen uns mit Energie umgeben", sagte Trump unter Hinweis auf die immensen Erdölreserven Venezuelas.

Die USA würden nun das Land führen. Und sollte die Nachfolgerin des in New York einsitzenden Maduro den Vorgaben Washingtons nicht folgen, drohte Trump sicherheitshalber gleich einen zweiten Militärschlag an. Im privaten Geschäftsleben, das der Ex-Immobilienunternehmer eins zu eins auf die internationale Politik überträgt, würde ein derartiges Verhalten Erpressung genannt werden.

Trumps neue Weltordnung ist Realität geworden

Binnen eines Jahres hat Donald Trump die fragil gewordenen Fundamente einer regelbasierten Ordnung zum Einsturz gebracht, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs galt. Internationale Institutionen, Handelsverträge und Bündnisse besitzen im Verständnis Trumps keine bindende Wirkung mehr. Nicht allein in den mittel- und südamerikanischen Staaten, die der US-Präsident wieder zum "Hinterhof" Amerikas zählt und zur Unterordnung zwingen will, werden "die Staats- und Regierungschefs von nun an weniger ruhig schlafen können", bilanziert der bestens vernetzte Washington-Bürochef der "Financial Times", Edward Luce. Trump fühle sich zunehmend wohl mit der "beeindruckenden Feuerkraft, über die er verfügt."

War der US-Präsident zunächst unter dem Versprechen angetreten, die interventionistischen Einsätze seiner Vorgänger in Afghanistan, Irak und Libyen nicht zu wiederholen, so ist davon nichts mehr zu erkennen. Im Gegenteil: Dem iranischen Regime drohte er erst vor wenigen Tagen mit Waffeneinsatz, um die Demonstranten gegen die Gewalt der Mullahs zu schützen. In Nigeria führte die US-Luftwaffe, ebenfalls erst vor einer Woche, Angriffe auf Ziele im Norden des Landes durch, mit der offiziellen Begründung, die Christen zu beschützen. Die massiven Luftangriffe auf die iranischen Nukleareinrichtungen vom vergangenen Sommer "Midnight Hammer" lobte Trump unter Benutzung des Einsatznamens an diesem Wochenende erneut als Ausdruck amerikanischer Militärmacht. Nun also Venezuela.

Vergiftetes Lob aus Moskau

Die Analogien liegen auf der Hand: Wird sich Trump mit ähnlich brachialen Methoden das rohstoffreiche Grönland "aneignen"? Ein Post, der das in Stars and Stripes gefärbte Grönland, versehen mit dem Wort "bald" zeigte, stammte am Wochenende nicht zufällig von der Frau des Vize-Stabschefs im Weißen Haus.

Hätte nun China grünes Licht, um sich das Halbleiter-Imperium Taiwan mit Gewalt zu nehmen? Schließlich haben es die USA ja eben im Fall von Venezuela "erfolgreich" vorgemacht, wie so etwas unter Einsatz massiver militärischer Überlegenheit durchgeführt werden kann.

Fühlt sich Kreml-Chef Wladimir Putin ermutigt, gegenüber der Ukraine das zu tun, was er ursprünglich in den ersten Tagen seines Eroberungskriegs hatte erzielen wollen: Den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auszuschalten und das überfallene Land zu unterwerfen?

Dmitri Medwedew jedenfalls, in seiner Funktion als Vize-Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates Putins erster propagandistischer Kettenhund, richtete ein vergiftetes Lob an die Adresse Trumps: "Es muss anerkannt werden, dass trotz der offensichtlichen Rechtswidrigkeit von Trumps Verhalten eine gewisse Konsequenz in seinen Handlungen nicht zu leugnen ist." Trump und sein Team "verteidigen ​die nationalen Interessen ihres Landes recht hart", sagte Medwedew am Wochenende. Der US-Präsident scheine die Kontrolle über die Ölvorräte Venezuelas anzustreben.

Keine Regeln mehr

Trumps neue Weltordnung kenne "keine klaren Regeln, respektiert keine Verbündeten, zelebriert das Gesetz des Dschungels und dreht sich fast immer um Geld", analysiert der "Financial Times" Journalist Edward Luce zutreffend. Sein Fazit: "Unter Venezuelas Boden schlummert ein großer Reichtum. Trump ist nun entschlossen, ihn zu heben."

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