Mit dem Aschermittwoch beginnt für Christen die Fastenzeit: die vierzigtägige Vorbereitung auf Ostern. Gerade für katholische Gläubige ist es Tradition, sich im Gottesdienst ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Es symbolisiert einerseits die Vergänglichkeit des Lebens und soll zugleich zu Buße und Umkehr mahnen.
Doch die Kirche verliert Gläubige und Besucher, der Aschermittwoch an Bedeutung. Gleichzeitig nutzen Bestattungsunternehmen die symbolische Bedeutung von Asche. Sie bieten inzwischen unterschiedlichste Wege an, die Überreste von Verstorbenen in Schmuck, Edelsteinen oder anderen Gegenständen aufzubewahren.
Die Oma wird zum Handschmeichler
Johanna Rosenberger ist Bestatterin bei "Bestattung Himmelblau" in München. In ihrer Hand hält sie eine kleine Glaskugel mit kleinen Einschlüssen, die an eine Galaxie erinnert. Es sind aber keine Sterne, es ist die Asche eines Verstorbenen in einem Handschmeichler. "Auch Haare oder Briefschnipsel können auf diese Art und Weise eingearbeitet werden", sagt die Bestatterin. Das sei eine schöne Möglichkeit, der Vorstellung Ausdruck zu verleihen, dass die Seele des Verstorbenen noch irgendwo im Universum herumschwebe. "Manche Leute brauchen etwas Physisches, das sie am Körper oder zu Hause behalten können", sagt Rosenberger, "denen reicht der Friedhof nicht, wo man aktiv hingehen muss".
50 bis 250 Gramm Kremationsasche werden benötigt, um einen Diamanten oder Edelstein herzustellen. In Bayern ist es eigentlich nicht erlaubt, Asche von Toten weiterzuverarbeiten. Rosenberger und ihr Team bringen die Asche daher nach Österreich oder in die Schweiz. Dort darf man aus einem Teil der Asche Erinnerungsgegenstände fertigen.
"Wenn wir möglich machen können, was heilsam für die Leute ist, dann sehe ich keinen Grund, warum wir es nicht tun sollten", sagt Bestatterin Rosenberger. Dass es sich dabei um ein offenbar immer bekannteres Phänomen handelt, zeigte zuletzt auch Simone Ballack: Die Ex-Fußballer-Gattin nahm eine Kette mit gepresster Asche ihres verstorbenen Sohns mit in das RTL-Dschungelcamp.
Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit – und die der anderen
Asche zu Asche, Staub zu Staub: Das Symbol der Asche soll an die Sterblichkeit erinnern. Wie passt das dazu, Überreste von Verstorbenen in Schmuckstücken festzuhalten? Ursula Roth ist evangelische Professorin für Praktische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Sie sagt, dass sich Christen auf ihre Sterblichkeit besinnen, aber nicht nur darauf. "Mit dem Aschermittwoch beginnt schon eher die Passionszeit und man stimmt sich auf das Leiden und Sterben Christi ein.“
Die Asche am Aschermittwoch stehe so nicht nur für Vergänglichkeit, sondern auch für Buße und Umkehr, sagt die Theologin. "Sie erinnert den Menschen an seine endliche Existenz, holt ihn auf den Boden und erinnert daran, wer man eigentlich ist." Mit Schmuck oder Gedenkgegenständen aus Asche könne diese Vergänglichkeit ebenfalls greifbar werden, schätzt Roth. Mit einem entscheidenden Unterschied: "Beim Schmuck aus der Asche einer verstorbenen Person wird man ja gerade nicht an die eigene Vergänglichkeit, sondern die der anderen erinnert."
Nähe zu Verstorbenen als Trost
Die Münchner Bestatterin Johanna Rosenberger sagt, für Angehörige hat der Schmuck etwas Tröstliches. Emotional seien die Momente, wenn die Kunden ihn bekommen. "Wenn sie dann das erste Mal die Kette anlegen oder den Ring in der Hand halten, dann kullern schon oft die Tränen." Tränen der Trauer, aber auch der Rührung darüber, dass man den Verstorbenen in diesem Gegenstand jetzt immer bei sich haben kann.
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