Es ist der Montag nach dem großen Wiesn-Finale: Die Schausteller bauen ihre Fahrgeschäfte ab und verladen sie in die Hänger, Bierbänke und -tische werden zusammengelegt - da ploppt auf der Karte des Portals "Beewarned" [externer Link] eine Meldung auf: "Tiere gefunden", steht da direkt über der Theresienwiese, und genauer: "Die Tiere waren auf dem Zitronenlimonaden-Zapfhahn der Schänke 3 des Festzelts Tradition". Die Rede ist von der Asiatischen Hornisse, einer Art, die sich zunehmend auch in Deutschland ausbreitet.
Mehrere Asiatische Hornissen rund um das Oktoberfest gesichtet
Es ist nicht die erste Nachricht dieser Art auf dem Meldeportal rund um das Festgelände: Die ersten Sichtungen seien bereits vor dem Oktoberfest eingetrudelt, erzählt Christian Altenburger, stellvertretender Leiter der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern. Im September und Anfang Oktober häuften sich die Meldungen südlich und südöstlich der Theresienwiese. Woher die Asiatischen Hornissen kommen, ist da noch ein Rätsel. "Ich hatte die Vermutung, dass ein Nest an einem Schaustellerwagen hängt", erzählt Altenburger.
Doch sicher ist das nicht, ein Nest wird zunächst nicht gefunden. Erst eine gezielte Suchaktion am achten Oktober liefert Antworten: In einem Gebäude nahe der Münchner Theresienwiese finden Imker und Mitarbeiter der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern das Nest.
Hornissen mit Peilsender ausgestattet
Die Fachleute lockten die Hornissen mit einer süßlichen Flüssigkeit an und statteten zwei davon anschließend mit winzigen Ortungsgeräten aus. So stießen die Experten direkt auf das Nest in dem Haus süd-östlich der Theresienwiese. Die Entfernung des Nests eilt, denn: Im Herbst wachsen in den Nestern Jungköniginnen heran, die überwintern und im Frühjahr neue Völker gründen können.
Das Problem an der Asiatischen Hornisse: Sie ernährt sich von Honigbienen und kann dadurch ganze Bienenvölker schwächen. Außerdem kann sie auch die übrige heimische Insektenwelt belasten und Schäden an reifem Obst und Weintrauben verursachen.
In Bayern wurde die ursprünglich aus Südostasien stammende Hornissenart erstmals 2022 in Unterfranken nachgewiesen. Im Allgäu wurde jüngst schon ein Nest entfernt. In Oberbayern gab es die erste Sichtung im Herbst 2025 in Schrobenhausen.
Keine pauschale Beseitigungspflicht für Nester
Im Falle des Münchner Nests habe die Hausverwaltung eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragt, so Christian Altenburger, von der Fachberatung für Imkerei. Die Eigentümergemeinschaft komme für die Entfernung auf. Ein Akt der Freiwilligkeit, denn: Wie das bayerische Landwirtschaftsministerium mitteilt, gibt es seit 2025 keine pauschale Beseitigungspflicht mehr. Wollen Imker und Imkerinnen ihre Honigbienen schützen, müssten sie die Nestentsorgung organisieren und bezahlen, so das Ministerium weiter. Immerhin: Der Freistaat Bayern unterstützt Imker bei der Suche bzw. Entfernung der Nester mit Pauschalen zwischen 200 und 400 Euro.
Bei dem Fund nahe der Theresienwiese habe ein Mitglied des Münchner Bienenzuchtvereins das "Kopfgeld" erhalten, erzählt Christian Altenburger von der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern.
Stichfester Schutzanzug samt Helm und Gesichtsschutz
Eine weitere Maßnahme, um Oberbayern vor der asiatischen Hornisse zu schützen: Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) hat mittlerweile eine Schutzausrüstung bei der Fachberatung für Imkerei in Oberbayern deponiert. Sie enthält Sender und Thermalgeräte für die Suche der Nester sowie einen speziellen, stichfesten Schutzanzug sowie einen Helm mit Gesichtsschutz. Wer bei der Suche nach der asiatischen Hornisse und ihren Nestern helfen will, könne einen Kurs bei der Beratungsstelle belegen und anschließen die Schutzausrüstung nutzen, so Altenburger.
Aber es gilt: Nicht einfach auf eigene Faust ein Nest entfernen. Zwar sei die Asiatische Hornisse Menschen gegenüber in der Regel nicht aggressiv – aber nur solange man nicht in die Nähe ihres Nests kommt. Stattdessen gilt: Wer eine Asiatische Hornisse entdeckt, soll sie mit Foto und Fundort bei www.beewarned.de melden. Das Tier hat einen dunklen Körper, ein orangefarbenes Band am Hinterleib und auffällig gelbe Beine.
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