Wenn Hermann Zeller am Montagmorgen seinen Dienst beginnt, rechnet er eigentlich immer mit gleich mehreren unangenehmen Überraschungen. Für die Ingolstädter Kommunalbetriebe ist er unter anderem dafür zuständig, illegalen Müll zu entsorgen. "Ich mache das seit zweieinhalb Jahren und es wird von Woche zu Woche schlimmer", sagt er.
Seine erste Station ist an diesem Tag eine Wertstoffinsel. Schon von weitem erkennt er das Chaos. Übers Wochenende hat sich hier so viel Müll angesammelt, dass er nicht mehr in die Container passt – darunter vieles, was gar nicht hierhin gehört und illegal entsorgt wurde. Autoreifen zum Beispiel. Oder alte Koffer.
194 Tonnen illegal entsorgter Abfall allein in Ingolstadt
Das Problem hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Während 2022 in Ingolstadt noch 65 Tonnen illegal entsorgter Abfall eingesammelt wurden, waren es 2025 schon ganze 194 Tonnen.
Nicht nur Ingolstadt hat ein Müllproblem. In ganz Bayern müssen sich Kommunen und auch die Bayerischen Staatsforsten vermehrt mit illegalen Deponien beschäftigen. Denn auch am Waldrand oder auf Pendlerparkplätzen stapelt sich der Müll. Die Entsorgung wird in der Regel durch Steuergelder finanziert, die Täter bleiben in den allermeisten Fällen unentdeckt.
Mitten in Wohngebieten: Schrott, Hausmüll, Essensreste
In Neutraubling etwa entsteht mitten in Wohngebieten alle paar Wochen ein neuer Müllberg, auf dem sich Schrott, Hausmüll und Essensreste stapeln. Das zuständige Entsorgungsunternehmen weigert sich mittlerweile, den Berg mitzunehmen – die Stadt versucht derweil zumindest, die Feuerwehrzufahrt freizuhalten. 10.000 Euro Entsorgungskosten und rund 150 Arbeitsstunden musste die Stadt im ersten Halbjahr 2026 wegen illegalen Mülls investieren. Obwohl es viele kostenlose Angebote gibt.
Ähnliche Szenen spielen sich auch in Regensburg ab. Stadtrat Michael Lehner, CSU, trifft an einem Müll-Brennpunkt auf verärgerte Bürger. Sie berichten von Couchgarnituren und Eisschränken, die hier einfach hingestellt würden. "Jede Woche den Saustall hier aufzuräumen, kostet uns einen Riesenhaufen Steuergelder", sagt er. Der CSU-Politiker fordert höhere Bußgelder sowie Überwachungskameras an sogenannten Hotspots. Nur so könne man überhaupt herausfinden, wer für den "Saustall" verantwortlich sei. Doch aus Datenschutzgründen ist das nicht ohne weiteres möglich, viele andere Kommunen scheuen diese Hürde.
Im Video: Kontrovers - Die Story - Auf der Jagd nach den Müllsündern - der Kampf der Kommunen
Experiment von Kontrovers - Die Story: Auf der Lauer nach Müllsündern
Manche Kommunen engagieren inzwischen Detektive, die Hotspots beobachten und Müllsünder auf frischer Tat ertappen sollen. Ob das erfolgversprechend ist, möchte der Regensburger Stadtrat Michael Lehner nun selbst herausfinden. Gemeinsam mit einem Reporter-Team von Kontrovers - Die Story legt er sich zwei Nächte lang auf die Lauer. Sein Ziel: Diejenigen, die ihren Müll illegal entsorgen, erwischen und konfrontieren.
Regensburger Stadtrat: "Jetzt hocken wir hier"
Den Wagen hat er gut versteckt. "Jetzt hocken wir hier", sagt er am ersten Abend. Immer wieder kommen Fahrzeuge vorbei, doch niemand lädt seinen Müll ab. Die Stunden vergehen, Lehner wird müde, aber hält bis zum Morgen durch. "Leider keinen erwischt, der hier illegal Müll ablagert", so Lehner am Ende einer langen Nacht. Sein zweiter Versuch verläuft ähnlich, die stundenlange Observation ist wieder umsonst. Für Lehner wird klar: Eine solche Detektivarbeit ist aufwändig, der Erfolg ungewiss. Die Stadt Regensburg prüft nun einen Weg, der es trotz Datenschutzvorgaben möglich macht, an diesem Hotspot eine Kamera aufzustellen.
In Ingolstadt konnte die Kameraüberwachung bislang nicht durchgesetzt werden. Hermann Zeller von den Kommunalbetrieben findet auf seiner Montags-Tour unter anderem noch illegal entsorgte Teppiche an der Donau. Von wem sie stammen, wird er nie herausfinden. Den 194 Tonnen illegalem Abfall pro Jahr stehen gerade einmal rund 40 durchgesetzte Bußgelder gegenüber.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
