In Franken, einer der wichtigsten Silvaner-Regionen Deutschlands, bereitet der Klimawandel den Weinbergen zunehmend Probleme. Hitze und Trockenheit setzen der fränkischen Paradesorte zu. Nun startet ein ungewöhnliches Forschungsprojekt: Silvaner-Reben aus Australien sollen den Weinbau in Bayern klimafester machen. Die ersten Ruten sind bereits in der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim angekommen.
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Silvaner-Reben auf Weltreise
Im Versuchsbetrieb der Landesanstalt werden die Ruten zunächst sorgfältig kontrolliert. Projektbearbeiter Leon Rauschmann erklärt: "Die Ruten schneiden wir an, damit wir sehen, ob das Material frisch ist, ob es Eintrocknungen gegeben hat während des Transports." Nur wenn die Qualität stimmt, wird das Material zu so genannten Ein-Augen-Stecklingen verarbeitet.
Ein Teil der australischen Silvaner-Ruten kommt in eine Quarantänestation und wird dort bewurzelt, damit daraus neue Reben wachsen. Der andere Teil wird im Kühlhaus überwintert und im Frühjahr veredelt. "Hoffentlich in vier Wochen" zeige sich, ob alles angewachsen sei, sagt Rauschmann.
Quarantäne im fränkischen Kühlhaus
Die besondere Herausforderung: Die Reben stammen von der Südhalbkugel, wo jetzt Winter ist – die Jahreszeiten verlaufen genau gegensätzlich. "Wir verlängern jetzt einfach den Winter bei uns noch einmal im Kühlhaus um ein halbes Jahr", so Rauschmann. Das Material müsse durchgehend bei etwa zwei Grad Celsius gehalten werden, damit es nicht zu früh austreibt.
Damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird, steht ein spezielles Kühlhaus zur Verfügung. Für die Landesanstalt ist der Import von Rebmaterial aus Australien Neuland. Entsprechend genau wird jeder Schritt dokumentiert.
Suche nach klimafesten Silvaner-Klonen
Warum der Aufwand? Projektleiter Daniel Heßdörfer erklärt: "Wir sind auf der Suche nach klimafesten Silvaner-Klonen, also Silvaner-Varietäten, die einfach durch Mutationen Hitze besser vertragen." Vor rund 150 Jahren hatten Auswanderer Silvaner-Reben nach Australien mitgenommen. Dort waren sie über Generationen großer Hitze ausgesetzt – und könnten sich genetisch angepasst haben. Die Trockenheit bleibt ein eigenes Problemfeld, an dem parallel mit anderen Methoden gearbeitet wird – etwa über trockenheitstolerante Wurzelsysteme.
Versuche im Weinberg und im Ausland
Schon heute läuft eine Vergleichspflanzung in Südwestfrankreich. Dort herrschen klimatische Bedingungen, wie sie in Franken etwa im Jahr 2080 erwartet werden. Silvaner wird dort angebaut, die Trauben kommen nach Franken, werden standardisiert ausgebaut und verkostet. So lassen sich Qualität, Stilistik und Anpassungsfähigkeit unter zukünftigen Klimabedingungen wissenschaftlich testen.
850.000 Euro für klimafesten Silvaner
Das Projekt ist teuer – und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft gefördert. "850.000 Euro. Nur das eine Projekt", sagt Heßdörfer. Ein wichtiger Teil der Arbeit findet im Labor statt: Mit moderner Genom-Sequenzierung wird geprüft, wie stark sich australischer Silvaner vom fränkischen unterscheidet.
Die ersten Ergebnisse zeigen: Die Unterschiede sind groß, es gibt viele Mutationen. "Diese Rebsorte Silvaner passt sich durch Mutationen an und diese Anpassung kann man selektionieren", erklärt Heßdörfer. In drei bis fünf Jahren sollen die Auswirkungen im Feld sichtbar werden – also direkt im Weinberg unter Praxisbedingungen.
Wie der Silvaner von morgen schmecken soll
Neben der Hitzetoleranz spielt der Geschmack eine zentrale Rolle. Die Forscher haben bereits Silvaner-Weine aus Australien mitgebracht und verkostet. Das Ergebnis: Die Weine schmecken anders als die fränkischen Silvaner. Weniger Frucht, mehr Alkohol, weniger Mineralik – typisch für die hohen Temperaturen "down under".
Heßdörfer sieht darin vor allem einen Einfluss des australischen Klimas, weniger des Klons selbst. Ziel des Projekts ist, die australischen Silvaner-Klone in Franken so anzubauen, dass sie klimafest sind – und dennoch wie ein klassischer fränkischer Silvaner schmecken.
Hoffnung für den fränkischen Weinbau
Ob der "australisch-fränkische" Silvaner am Ende den Geschmack der Weinliebhaber trifft, ist offen. In Deutschland liegen derzeit eher leichtere, fruchtbetonte Weine im Trend als alkohollastige Tropfen. Die Hoffnung der Forscher: ein Silvaner, der die Hitze von morgen verträgt – und den Charakter von Franken bewahrt.
Mit Reben aus Australien, Versuchsanlagen in Frankreich und moderner Gensequenzierung will Franken seinen Silvaner für den Klimawandel wappnen – damit die fränkische Paradesorte auch in Zukunft im Glas bleiben kann.
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