Die Kommunalwahl in Augsburg brachte gleich zwei herbe Enttäuschungen für die CSU: Die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weber hat im Vergleich zur letzten Oberbürgermeisterwahl vor sechs Jahren rund neun Prozentpunkte eingebüßt (2020: 43,1 Prozent, 2026: 34,0 Prozent) und muss in die Stichwahl gegen SPD-Kandidaten Florian Freund, und ihre Partei hat im Stadtrat fünf Sitze verloren.
Auch ihr aktueller Koalitionspartner, die Grünen, hat Sitze eingebüßt. Zusammen kommen die beiden Stadtratsfraktionen noch auf 26 Sitze. Für eine schwarz-grüne Regierung wie bisher reicht das nicht mehr.
Schwarz-rot-grünes Dreier-Bündnis schwierig
Sollte Weber bei der Stichwahl bestätigt werden, muss sie im Augsburger Stadtrat also ein neues Bündnis schmieden. Die sicherste Option wäre ein Dreier-Bündnis aus der bisherigen schwarz-grünen Koalition mit der SPD um Webers Herausforderer Freund. Eine schwarz-rot-grüne Koalition hatte es bereits zwischen 2014 und 2020 gegeben. Der damalige Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hatte sich für das breite Bündnis entschieden.
Diesmal könnte das aber schwierig werden. Von einem "ambitionierten Wahlkampf" der Augsburger SPD sprach deren Kandidat Freund noch am Wahlabend, Beobachter nennen ihn gar aggressiv. Die amtierende Oberbürgermeisterin Weber nannte es "unsexy", im Wahlkampf zu versprechen, was nicht zu halten sei. "Genau damit verspielt man auch Vertrauen in die Politik", sagte sie in Richtung ihres Herausforderers Freund. Beobachter gehen so weit, dass sie von einem zerschnittenen Tischtuch zwischen CSU und SPD sprechen.
Grüne zweitstärkste Kraft im Stadtrat
Theoretisch wäre auch ein wirtschaftsorientiertes Bündnis aus CSU und Grünen mit den Freien Wählern und der FDP/Pro Augsburg möglich. Obwohl die Grünen Sitze eingebüßt haben, sind sie nach wie vor die zweitstärkste Kraft im Stadtrat. "Wir hatten das letzte Mal eine Hochphase", erklärte deren Oberbürgermeisterkandidatin Martina Wild, "aber ich bin mehr als zufrieden mit diesem Ergebnis."
Rechnerisch würde auch ein Zusammenschluss aller Parteien und Bündnisse links der CSU mit Grünen, SPD, Linken und Bürgerlisten wie "Generation Aux" knapp für eine absolute Mehrheit reichen. Weil dann neun Parteien mit knapper Mehrheit regieren würden, ist das aber eine höchst unwahrscheinliche Option.
Erstarken von AfD und Linken
Zusätzlich erschwert wird die Regierungsbildung für die CSU dadurch, dass die AfD auf das Doppelte zugelegt hat: Belegt sie aktuell noch vier Sitze im Stadtrat, werden es künftig acht sein. Von einem "grandiosen Ergebnis" sprach deren Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat Andreas Jurca und sprach sich gegebenenfalls für eine Koalition mit der CSU aus.
Zugelegt hat auch eine andere Partei, mit der sich die CSU im Stadtrat schwertun dürfte: Die Linke konnte ihre Sitzzahl mehr als verdoppeln, von zwei auf fünf. Nach CSU, Grünen und SPD beziehungsweise AfD liegt sie bei den Stadtratswahlen auf Platz 4. "Das ist unser bestes Ergebnis in der Kommunalwahl jemals", erklärte deren Oberbürgermeisterkandidatin Elisabeth Wiesholler am Wahlabend. Ihren Erfolg erklärt sie mit bürgernahen Themen und einem fleißigen Haustürwahlkampf.
Wahlbeteiligung stark von Stadtviertel abhängig
Am 22. März gehen Eva Weber (CSU) und Florian Freund (SPD) in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Auftrag bis dahin könnte auch sein, neue Wähler zu mobilisieren. Ein Blick in die Wahlbeteiligungsquote der einzelnen Stadtbezirke zeigt große Unterschiede. Im strukturschwachen Oberhausen etwa liegt sie bei rund 33 Prozent, im wohlhabenderen Bergheim bei über 75 Prozent. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 51,8 Prozent.
Egal, wer die Stichwahl für sich entscheidet: Das Erstarken von AfD und Linkspartei schränkt die Optionen für eine Regierungsbildung im Augsburger Stadtrat ein. Und egal, wer gewinnt: Das Erstarken von AfD und Linkspartei schränkt die Optionen für eine Regierungsbildung im Augsburger Stadtrat ein.
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