Walchensee, Parkplatz Einsiedl. Das Wasser glitzert idyllisch, doch der Blick ist getrübt von Tonnen von Blech. Dicht an dicht stehen die Autos, auch viele Wohnmobile sind dabei – an einige Stellen kann man hier auch über Nacht stehen bleiben. Der Walchensee als Ausflugs- und Kurzurlaubsziel wird von immer mehr Menschen genutzt, gerade an den vielen heißen Sonnentagen dieses Sommers.
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Abschleppen im Urlaubsidyll
Die Schattenseite: immer mehr Park-Chaos, immer mehr Beschwerden von genervten Anwohnern und immer mehr Arbeit für Enrico Schunk und Andreas Schärfl von der kommunalen Verkehrsüberwachung Bad Tölz. Zwischen den Reihen aus Blech prüfen sie Kennzeichen und Parktickets. Die Kontrolle ist auch digital. Kennzeichen werden gescannt, Parkscheine über Handyparken abgefragt. Seit Kurzem dürfen sie auch ohne Beteiligung der Polizei den Abschleppdienst rufen – etwa wenn Fahrzeuge Rettungswege blockieren.
Wenn der Rettungsweg dicht ist
Im Juli mussten die beiden Parküberwacher zum ersten Mal ein Auto entfernen lassen. Es blockierte den Rettungsweg zur Halbinsel Zwergern – und damit die Zufahrt zum See. "Es war ein mulmiges Gefühl", sagt Schunk. "Man möchte ja dem Fahrzeugführer nicht sein Fahrzeug wegnehmen." Doch die Polizei hatte das Abschleppen angeordnet. Das Auto wurde auf einen freien Parkplatz im Nachbarort umgesetzt. Die Urlauber aus Nordrhein-Westfalen mussten mit dem Bus weiterfahren – hätten aber Verständnis gezeigt.
"Die Menschen kommen erschöpft und frustriert an"
Auch Julia Schuster, Betreiberin eines Cafés am Westufer des Walchensees, spürt den Ansturm. "Dieses Jahr hat wieder fast so ein bisschen Corona-Züge", sagt sie. "Die Leute machen mehr Urlaub in Deutschland, haben weniger Geld und kommen eher für Tagesausflüge." Viele stehen dann auf dem Weg hierher stundenlang im Stau, kommen erschöpft und frustriert an. Die Hitze verstärkt den Druck: Alle wollen an den See zum Abkühlen.
Am See, an der Rettungsstation der Wasserwacht, steht Lisa Grünwald. Sie ist ehrenamtlich im Einsatz. Die Aufsicht über den Badebetrieb hat ihr heuer nicht so viel Kopfzerbrechen gemacht wie andere Dinge, sagt sie. "Es ist halt wirklich der Verkehr. Es waren vielleicht so sechs bis acht Tage, wo es wirklich geknallt hat, wo auch die Mautstraße am Südufer zu war. Du kommst nicht mehr durch, dann ist es schon heftig." Bei 1.100 Fahrzeugen wird die Mautstraße geschlossen. Dann kommt es vor, dass Hunderte Erholungssuchende nicht mehr weiterkommen und ihre Autos einfach am Straßenrand wild abstellen.
Gereizte Stimmung im Dorf
Im Ort Walchensee kippt die Stimmung. "Im Moment ist es ganz schlecht", sagt Grünwald. "Jetzt ist wirklich so ein Maß erreicht bei den Anwohnern, dass es zu viel wird." Bürgermeister und Anwohner sitzen inzwischen regelmäßig an einem "runden Tisch" zusammen. Sie suchen Lösungen gegen Camper im Ort, Zelte am Badestrand und Autos im Naturschutzgebiet. Ein Durchbruch ist noch nicht erreicht.
Zwischen Abzocke-Vorwurf und Sicherheitsauftrag
Derweil mühen sich die Verkehrsüberwacher, ihren Teil beizutragen, damit das Park-Chaos wenigstens etwas gemildert wird. Doch viele Falschparker reagieren wütend, werfen ihnen Abzocke vor. Das weisen sie zurück. "Grundsätzlich sind wir nicht auf Profit aus", sagt Andreas Schärfl. "Es geht darum, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Dass der Rettungsweg freigehalten wird, wenn hier wirklich die Hütte brennt."
Zwar naht das Ferienende, doch es dürfte auch danach noch ein paar Wochenenden hoch hergehen. Herbstzeit ist Wanderzeit, Jochberg und Herzogstand sind Top-Ausflugsziele für viele Münchner. Und so wird es dauern, bis Nebel und die ersten Fröste kommen – und am Walchensee zumindest vorübergehend wieder etwas Ruhe einkehrt.
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