Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Forschenden der Technischen Hochschule Augsburg (THA) Anfang Februar die Genehmigung erteilt, ein Level-4-System für autonomes Fahren deutschlandweit zu testen. Level 4 heißt: Das Fahrzeug kann in einem festgelegten Bereich autonom fahren. Für diese Erprobung gilt aber zugleich ein wichtiges Sicherheitsnetz.
Autonomes Fahren: Was "Level 4" in der Praxis bedeutet
Während der Tests bleibt eine technische Aufsicht vorgeschrieben, die die Fahrt aus der Ferne überwachen und im Notfall mit höchster Priorität stoppen kann. Zusätzlich ist in der aktuellen Testphase weiterhin ein Sicherheitsfahrer im Fahrzeug dabei, der den Ablauf begleitet – nicht als normaler Fahrer, sondern als Absicherung in der Entwicklung. Er greift also nicht ins Lenkrad.
Nach Angaben der THA ist sie damit die erste Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland mit einer solchen bundesweiten Erprobungserlaubnis – und die zweite Hochschule insgesamt nach der Universität Braunschweig. Die Erprobungen werden am Technologietransferzentrum (TTZ) Data Science und Autonome Systeme in Landsberg am Lech vorbereitet. Hochschulpräsident Gordon Thomas Rohrmair bringt seine Freude bei der Vorstellung auf den Punkt: Er sei "stolz, kurz vorm Zerplatzen".
Wo getestet werden darf – und wo nicht
Die THA hat sich nach eigenen Angaben für eine deutschlandweite Erprobung auf öffentlichen Straßen mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde beworben. Autobahnen sind ausgeschlossen, ebenso geht es nicht um private Autos für jedermann, sondern um klar eingegrenzte Testfahrten. Die Genehmigung ist an ein mehrstufiges Verfahren geknüpft, darunter die Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrt-Bundesamt und zusätzliche Freigaben vor Ort.
Carsten Markgraf, wissenschaftlicher Leiter des Technologietransferzentrums sagt, genau das sei der entscheidende Schritt: Nur auf echten Straßen entstehe die Datenbasis, die später eine Freigabe überhaupt möglich mache. Am Anfang sollen zunächst zwei Fahrzeuge eingesetzt werden, später ist eine Ausweitung geplant.
Warum Landsberg am Lech dabei eine Schlüsselrolle spielt
Im Verbundprojekt NeMo.bil (Neue Mobilität) wurde über Jahre die Technik aufgebaut, die jetzt in den Realverkehr darf. Das Projekt wurde 2024 mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet. Entwickelt werden schwarmfähige Leichtbaufahrzeuge ("Cabs"), die sich an- und abkoppeln können und so neue, flexible Angebote für den ländlichen Raum ermöglichen sollen. Ziel ist eine Art individueller öffentlicher Nahverkehr, etwa als Zubringer zur "First/Last Mile" – also für Wege zur nächsten Bahn- oder Busverbindung.
Sensoren, Computer, Zeitplan
Damit das Fahrzeug seine Umgebung "sieht", ist es mit Sensoren, Kameras und Radar ausgerüstet, ergänzt durch detaillierte Karten und eine digitale Steuerungsplattform. Ein Bordcomputer führt die Daten zusammen, erkennt Objekte und trifft Fahrentscheidungen, während Elektromotoren Lenkung, Bremse und Antrieb umsetzen.
Die Genehmigung gilt vier Jahre und kann bei Bedarf verlängert werden. Nun beginnt die Vorbereitung auf die erste offizielle Testfahrt. Nach Angaben des TTZ sollen die Erprobungen im zweiten Quartal 2026 starten. Gefördert wird NeMo.bil durch das Bundeswirtschaftsministerium, das TTZ zusätzlich im Rahmen der Hightech Agenda Bayern. Der Landkreis und die Stadt Landsberg am Lech stellen die Räume.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
