Sie sollen die Wartezeit verkürzen und das Image ihrer Stadt schärfen: Personalisierte Ampelmännchen als Lichtsignal in den Innenstädten. So etwa das Kasperle in Augsburg, die Bremer Stadtmusikanten in Duisburg oder die Mainzelmännchen in Mainz. Schwabach wiederum gilt als Münz- und "Goldschlägerstadt". Mit einem Hammer wurde dort traditionell Gold in hauchdünnes Blattgold geschlagen, um es für Vergoldungen zu verwenden. Seit Kurzem zeigt die Ampel in der Angerstraße dort zwei Goldschläger: in grün mit erhobenem Hammer und in rot beim Schlagen des Goldes.
Bürgermeister reagiert auf Spott mit Einladung
Doch vor allem das grüne Männchen sorgt im Internet für viel Spott. Denn viele sehen in der Figur einen "Axtmörder", keinen Goldschläger. Schwabachs Oberbürgermeister Peter Reiß (SPD) kann dieses Bild nicht nachvollziehen, räumt aber ein: "Man muss natürlich sagen, ein bisschen irritiert kann man schon sein. Aber das erklärt sich leicht, wenn man so einen Goldschlägerhammer noch nie gesehen hat. Deswegen die herzliche Einladung, sich den vor Ort einfach mal anzuschauen."
Auch das rote Lichtsignal an der Angerstraße zeigt einen Goldschläger.
Schwabacher sehen Rummel sogar positiv
Das Ampelmännchen in der Angerstraße ist aktuell auf jeden Fall ein beliebtes Fotomotiv. Wir treffen bei einem kurzen Besuch dort eine Frau, die ein Erinnerungsfoto vom "Axtmörder" macht. "Ich finde das eigentlich ganz lustig und ich hab das heute durch meinen Mann erfahren", erzählt sie.
- Mehr zum Thema: Unter unserem Himmel – Die Goldschlägerei in Schwabach
Manche Schwabacher können dem Wirbel um ihr neues Ampelmännchen sogar etwas Positives abgewinnen: "So ist Schwabach endlich ein bisschen in den Schlagzeilen", lautet ein Kommentar bei Instagram unter einem Post der Stadt von vergangener Woche. Die Userin hofft, dass die erhöhte Aufmerksamkeit den Tourismus ankurbelt. "Wer sich ein bisschen mit der Geschichte von Schwabach auskennt, erkennt direkt den Goldschläger", schreibt eine andere Userin auf Instagram.
Handwerksmeister: "Goldschläger sind eigentlich ganz nette Leute"
So sieht das auch Werner Auer. Er ist Goldschlägermeister und kennt die Tradition des Blattgoldschlagens so gut wie kaum jemand. "Ich bin einer der letzten lebenden Goldschlägermeister, die es in Deutschland noch gibt, und ich bin eigentlich ziemlich stolz auf meinen Beruf." Er war begeistert, als er von den Plänen rund um das Goldschläger-Ampelmännchen gehört hat. Dass viele diesen nun als "Axtmörder" verspotten, hält er für Quatsch: "Die Goldschläger sind eigentlich ganz, ganz nette Leute. Ich kann mich da gar nicht damit identifizieren, dass das jetzt auf einmal eine Axt werden soll – ich verstehe es eigentlich nicht."
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