Die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg, 80 Kilometer lang, verbindet zwei der größten Städte Bayerns - und ist nun fünf Monate lang für den Zugverkehr gesperrt. Die Generalsanierung dieser wichtigen und vielbefahrenen Verbindung gilt als Mammutprojekt: 20 Bahnhöfe an der Strecke werden in dieser Zeit barrierefrei umgebaut, Gleise, Weichen, Oberleitungen erneuert, die Leit- und Sicherungstechnik bekommt ein Update. Der Baustart sei planmäßig verlaufen, sagte Lucas Griep, Projektleiter bei der DB InfraGO. Gilt das auch für das zweite riesige Vorhaben neben der Generalsanierung - den Schienenersatzverkehr?
Die Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg ist gesperrt – für viele Pendler beginnt damit eine Geduldsprobe. Wie läuft der Ersatzverkehr und wo hakt es noch? Welche Auswirkungen hat die Sperre auf den Güterverkehr? Dazu haben wir im BR24live mit BR-Korrespondentin Tanja Gorges in Regensburg, Lukas Iffländer von ProBahn und mit unserem BR-Bahn-Experten Anton Rauch gesprochen. Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Mittelständler aus Landsberg stemmt Ersatzverkehr
Für den Schienenersatzverkehr (SEV) zuständig ist die deu.mobil GmbH, ein Verkehrsunternehmen mit Sitz in Landsberg am Lech. Sprecherin Viola Breidenbach bilanziert am Montag ein "gutes erstes Wochenende". Auch im morgendlichen Berufsverkehr sei es gut gelaufen, so Breidenbach.
Doch ganz ohne Probleme lief es nicht für jeden: Ein Fahrgast in Nürnberg sagte dem BR, bei ihm sei kein Bus gekommen. Eine Frau sagte, es habe gut geklappt, sie müsse jedoch eine Stunde früher aufstehen. Im Lauf des Wochenendes sei bereits nachjustiert worden, bestätigt Viola Breidenbach. So habe die deu.mobil etwa weitere Schilder aufgestellt, Haltestellen verschoben und spontane Baustellen mit eingeplant. "Wir beobachten und steuern nach", so die Sprecherin.
In fünf Monaten von pfui zu hui
Wie groß die Aufgabe Schienenersatzverkehr ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die Strecke Nürnberg - Regensburg gehört laut Bahn mit über 350 Zügen täglich zu den verkehrsreichsten im Freistaat. Sie galt vielleicht gerade deshalb bisher als hochbelastet, die Infrastruktur sei teilweise veraltet und sehr störungsanfällig, so InfraGO-Projektleiter Griep.
In nur fünf Monaten sollen sich diese Adjektive ins Gegenteil verändern. "Was jetzt schon läuft, ist der Rückbau der Personenbahnhöfe und der Rückbau der Gleisanlagen", sagte Griep am Montag zu BR24. In den nächsten Tagen würden 2.000 Bauarbeiter mit 80 Maschinen damit beginnen, den gesamten Anlagenbedarf zu erneuern: "Gleise, Weichen, Oberleitungen, Bahnhöfe, Bahnsteige et cetera".
Pro Bahn kritisiert Zustand der Umleitungsstrecken
Weniger Störungen und damit weniger Verspätungen will die Bahn erreichen. Lukas Iffländer von Pro Bahn sagt, der Fahrgastverband stehe hinter dem Konzept der Generalsanierungen. Er kritisiert aber, dass die Umleitungsstrecken nicht ausgebaut worden sind, und dass trotz der Vollsperrung nicht alles saniert werden wird.
Demnach fehle das Europäische Zugleitsystem ETCS, außerdem würden mehrere marode Brücken entlang der Strecke auch nicht saniert. "Gerade bei den ersten Generalsanierungen wird das leider jetzt nicht vollständig umgesetzt, weil die Bahn mit der Planung nicht hinterherkommt. Das heißt, bei den Generalsanierungen in Bayern da haben wir einige Bauchschmerzen", so Iffländer.
- Zum Artikel der Nürnberger Nachrichten: "Absolute Vollkatastrophe": Pendler aus dem Kreis Neumarkt über den Schienenersatzverkehr [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
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