Noch Anfang Juli hatte der Verband mit einer durchschnittlichen Getreideernte gerechnet, doch Hitze und Trockenheit haben vielen Landwirten einen Strich durch die Rechnung gemacht – vor allem im Süden und Westen Deutschlands. Insgesamt rechnet der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner Erntebilanz 2026 mit einem Minus von sieben Prozent bei der Getreideernte gegenüber dem Vorjahr. In absoluten Zahlen schätzt der Verband 41,9 Millionen Tonnen – gegenüber 45,2 Millionen Tonnen.
Bei BR24 um 16 Uhr sprechen wir mit BR-Reporterin Jutta Schilcher aus der Redaktion Landwirtschaft und Umwelt. Sie wird die diesjährige Erntebilanz erläutern und einordnen und auch einen Ausblick geben, worauf sich die Landwirte in den kommenden Jahren einstellen müssen. Außerdem ist uns Jürgen Eisentraut vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken zugeschaltet. Er wird erläutern, mit welchen Maßnahmen die Verantwortlichen dort beispielsweise erreichen wollen, wieder mehr Wasser in den Freilandflächen zu halten. Den Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Bauernverbandspräsident Rukwied klagte über Einbußen beim Weizen und vor allem beim Raps. Da habe man 20 Prozent weniger ernten können als im Vorjahr.
Zum Audio: Bauernverbandspräsident über "enttäuschende" Erträge
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hatte seine Prognose bereits vergangene Woche vorgelegt und beziffert die wirtschaftlichen Schäden durch die langanhaltende Hitzeperiode auf mehr als 600 Millionen Euro.
Bauernverband fordert Sofortprogramm von der Bundesregierung
Der Bauernverband fordert staatliche Hilfe. Die Situation in vielen landwirtschaftlichen Betrieben sei sehr angespannt, sagte Rukwied, in einigen Betrieben sei sie "toxisch". Weiteres Argument von Präsident Rukwied: Versorgungssicherheit sei so wichtig wie Verteidigungssicherheit.
Man leide unter unterdurchschnittlichen Erzeugerpreisen, so Rukwied. Gleichzeitig seien die Kosten bei der Energie gestiegen, vor allem der Dieselpreis sei ein Problem, auch Dünger und Pflanzenschutzmittel seien teurer geworden. Viele Betriebe seien in einer Liquiditätskrise, so Rukwied. Er forderte ein Sofortprogramm von der Bundesregierung. Konkret: Direktzahlungen sollten zu 80 Prozent schon im Oktober ausgezahlt werden, außerdem solle das Düngemittel-Hilfspaket aufgestockt und die Steuer auf Diesel reduziert werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer will helfen – und abwarten
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer versprach im Morgenmagazin des ZDF [externer Link] erst einmal moralische Hilfe: Ihm sei wichtig, "dass die landwirtschaftlichen Betriebe wissen, sie bleiben nicht allein". Konkreter soll es werden, wenn belastbare Daten vorliegen – die heutigen Zahlen sind eine Prognose. Über die Landwirtschaftliche Rentenbank sei ein 200-Millionen-Euro-Sofortprogramm aufgelegt worden, das allerdings nicht ausreichend sei. Auch die Förderung der Mehrgefahrenversicherung, mit der sich Landwirte unter anderem gegen die Folgen von Dürre absichern können, ist immer wieder im Gespräch.
Futtermangel wird für Landwirte großes Problem
Auch die Futterknappheit macht dem Bauernverband Sorgen – denn es könnten aktuell keine Vorräte angelegt werden, viele Schnitte im Grünland seien ausgefallen. Die Futtermittelknappheit sei im Süden wegen des Niederschlagsdefizits stärker ausgeprägt – aber auch andere Regionen seien betroffen und da müssten Tierzahlen reduziert werden. In Bayern sind auch Landwirte in Regionen wie dem Allgäu betroffen, aber auch weite Teile Frankens. Bio-Bauern dürfen ihren Tieren deshalb bereits auch konventionelles Futter geben. Außerdem dürfen bestimmte Brachflächen für die Futtergewinnung genutzt werden.
Weltmarktpreis dürfte zumindest stabil sein
Die Einbußen bei Qualität und Menge beim Getreide machen vielen Landwirten zu schaffen – sie bekommen von ihren Abnehmern weniger Geld als erwartet, wenn Weizen zu niedrige Proteinwerte aufweist. Da aber weniger Ertrag das Angebot verknappt, könnten nach Einschätzung von Marktbeobachtern die Preise in der nächsten Zeit zumindest etwas steigen – denn auch in den Nachbarländern gab es infolge von Hitze und Dürre schlechte Ernten.
Verbraucher werden kaum Preisanstiege bemerken
Die Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen sich wegen der Ertragsausfälle dagegen wenig Sorgen zu machen – der Getreidepreis fällt bei der Preisbildung von Backwaren kaum ins Gewicht. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Rainer geht nicht von Preissteigerungen aus. Die Lebensmittelpreise hingen auch noch von vielen anderen Faktoren ab, wie etwa von der Lieferkette, vom Transport und von der Erzeugung, so Rainer.
Nabu fordert Ursachenbekämpfung statt Dieseldebatte
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert, die Ursachen der Dürre zu bekämpfen, also Klimaschutz und Klimaanpassung voranzutreiben. Es sei Zeit für echte Lösungen, teilte der Verband mit. Das sei wichtiger als Forderungen nach billigem Agrardiesel und dem nächsten Hilfstopf.
Zum Nachhören: Bauernverband fordert Sofortmaßnahmen
(Symbolbild) Wegen Trockenheit und Hitze niedrig gewachsenes Getreide
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