Deutschland will in den kommenden fünf Jahren über 40 Milliarden Euro in die Raumfahrt investieren. Denn was Europa jetzt braucht, da sind sich viele Experten einig, sind jede Menge neue Satelliten, industriell produziert wie am Fließband: Sie beobachten die Erdoberfläche, sie übertragen Handydaten, sie entdecken Waldbrände, machen den Wetterbericht – sie übernehmen immer mehr zivile und militärische Aufgaben.
Allerdings: Ein Satellit ist nichts wert, wenn man keine Raketen hat, um ihn ins All zu schießen. Mit acht gestarteten Raketen, wie im letzten Jahr, kommt man da nicht weit. "Da kommt das bayerische Unternehmen Isar-Aerospace ins Spiel. Das heißt, wir lösen sozusagen das größte Bottleneck der Industrie und wir sind sozusagen die Autobahn ins Weltall", sagt Daniel Metzler, einer der Gründer von Isar Aerospace, einer Münchner Firma, die Raketen baut. 2018 gegründet, wollten sie am 25. März 2026 den zweiten Versuch unternehmen, vom Startplatz in Norwegen aus ins All zu fliegen. Doch der Start wurde nach Ablauf des Countdowns abgebrochen.
Isar Aerospace: Die Rakete ist noch nicht am Ziel
Beim ersten Versuch vor zehn Monaten war die Spectrum-Rakete nach einer Minute explodiert. Diese Explosion der Rakete war jedoch eingeplant, der Zeitpunkt der Explosion war damals entscheidend: "Jede Sekunde, die wir fliegen, ist gut", sagte eine Unternehmenssprecherin vor einem Jahr dem BR. Um die Erdumlaufbahn zu erreichen, bräuchte die Rakete knapp acht Minuten. Die Testflüge seien lediglich dazu da, Erfahrungen und Daten zu sammeln.
Dieses Mal soll der Flug noch länger dauern. Auch einige Kleinsatelliten sollen im Orbit positioniert werden. Aber die Ziele von Isar Aerospace gehen noch viel weiter: Die Rakete soll zukünftig in Serie gebaut werden, sodass Starts im Wochentakt möglich seien, sagt Metzler: "Es reicht nicht, dass man eine Rakete oder einen Satelliten produzieren kann, sondern ich muss Hunderte und Tausende Stück produzieren können." Wenn Europa dabei sein will, muss es auch viele Raketen starten.
Ein Raketenstart kostet 15 Millionen Euro
So ein Raketenstart ist eine kostspielige Angelegenheit. Bei kommerziellen Kunden liege der Preis bei 15 Millionen Euro, erklärt Metzler im BR24-Interview. Das gilt aber in entsprechenden Kreisen tatsächlich als kostengünstig. Dazu kommt, dass sie bei den kleinen Satelliten nicht nur einen kostengünstigen, sondern auch einen flexiblen Start anbieten können, um die Satelliten im All zu platzieren. Man müsse sich dann nicht mehr bei den großen Trägerraketen einbuchen, die nur einmal im Quartal immer denselben Orbit anfliegen, sondern man könne passgenau den Satelliten zur richtigen Zeit in den richtigen Orbit transferieren und das Ganze auch zu einem Kilogrammpreis, den auch größere Träger anbieten, sagt Metzler. Die Kunden des bayerischen Unternehmens sind kommerzielle Anbieter, die Satelliten im All brauchen, aber auch die Bundesregierung und die Nato haben schon angefragt.
Zum Livestream von Isar Aerospace (Raketenstart geplant für 21 Uhr dt. Zeit)
In Ottobrunn wird die gesamte Rakete gebaut
Die Produktion der Raketen findet in Ottobrunn statt. Dort gibt es mittlerweile zwei Standorte. Außerhalb der USA ist Ottobrunn jedoch der einzige Standort weltweit, an dem die gesamte Trägerrakete produziert wird, von den Triebwerken bis über die Tankstrukturen.
Die gesamte Elektronik wird vor Ort zusammengebaut, kommt quasi als Rohmaterial in die Fabrik rein und auf der anderen Seite als komplett fertige Trägerrakete wieder raus. Die entsprechenden Fertigungshallen sind etwa zehnmal so groß wie eines der großen Oktoberfestzelte. Aber das Unternehmen wächst auch logistisch weiter. In diesem Jahr wird auch ein neues Headquarter in Parsdorf bezogen.
Bisher ist Elon Musk der erfolgreichste Raumfahrtunternehmer
Bisher ist keiner erfolgreicher in der Raumfahrt als Elon Musk, zumindest wenn man es an der Zahl der Raketenstarts festmacht: Im Jahr 2025 wurden weltweit insgesamt 324 Raketen gestartet, 180 davon waren Raketen der Musk-Firma SpaceX (Link zum Podcast).
Und Europa? Insgesamt gab es hier im vergangenen Jahr acht Raketenstarts. Die Zahl illustriert die begrenzten Fähigkeiten, die Europa in der Raumfahrt hat. Dass sich das ändern muss, betont auch der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Wenn das gelingt, dann wäre eine wichtige Voraussetzung erfüllt, damit Europa in der Raumfahrt ganz vorn mitspielt.
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