2012 wurde in Eichstätt das Fernwärmenetz über die Spitalbrücke gelegt – eine einzigartige Gelegenheit für die Heimatpfleger. Denn bei den Bauarbeiten wurden die mittelalterlichen Fundamente der Brücke frei gelegt. Zwischen den Steinen fand sich Mörtel, für den die Maurer damals Holzkohle verwendeten. Und diese Holzkohle konnte jetzt mit neuesten Methoden datiert werden. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Damit ist die Spitalbrücke die älteste steinerne Brücke Bayerns – zumindest das Fundament; denn der eigentliche Brückenbau stammt aus der Nachkriegszeit und ist aus Beton.
Archäologische Sensation
Es ist schon eine kleine archäologische Sensation, die Kreisheimatpfleger Karl Heinz Rieder und Stadtheimatpfleger Rainer Tredt da präsentierten. Bis jetzt galten die Brücken in Regensburg, Ochsenfurt und Würzburg als die ältesten Steinbrücken Bayerns. Die Entstehung der Mainbrücke in Würzburg hat vermutlich um 1120 begonnen und ist danach mehrfach umgebaut worden. Die Ochsenfurter Alte Mainbrücke stammt wohl aus derselben Zeit, allerdings sind nur die Fundamente aus dem 12. Jahrhundert, der obere Teil war ursprünglich aus Holz und wurde erst später in Stein gebaut. Und nur die steinerne Brücke in Regensburg steht heute noch so da, wie sie im 12. Jahrhundert errichtet wurde.
Brückenbauer aus Italien?
Die Eichstätter Brücke ist also zwar älter – aber mehrfach verändert. Die heutige Brücke ist aus Beton und wurde in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut. Die Regensburger Steinerne Brücke darf sich also immer noch "älteste erhaltene steinerne Brücke Bayerns" nennen. UNESCO Weltkulturerbe ist sie ohnehin.
Für die Eichstätter Stadtgeschichte aber ist die Entdeckung bedeutsam. Die Historiker wussten, dass es seit dem 8. Jahrhundert einen Bischof in Eichstätt gab, der 908 vom König das Marktrecht erhielt und das Recht, seine Siedlung mit einer Mauer zu schützen – das sieht Eichstätt als sein "Geburtsjahr". Allerdings war diese Mauer am Anfang nicht mehr als ein Erdwall mit einer Palisade. Und erst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde der Dom erweitert, eine Stadtmauer hochgezogen und eben auch die Brücke aus Stein gebaut. Vermutlich, so Kreisheimatpfleger Rieder, hat man dafür Handwerker aus Italien hinzugezogen – in Bayern konnte man zu der Zeit zwar gut mit Holz bauen, für das Mauern brauchte man aber ausländische Spezialisten.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
