In den Pfingstferien zeigt sich wieder einmal, dass der 2006 verliehene Titel "UNESCO-Welterbe" für die Regensburger Altstadt und Stadtamhof eine Erfolgsgeschichte ist: Die Sonne scheint, die Freisitze der Cafés sind gut besucht. Gruppen von amerikanischen Flusskreuzfahrt-Passagieren zwängen sich mit ihren Gästeführern durch die engen Gassen.
Tagesausflugstouristen aus dem bayerischen Umland – schnell erkennbar an ihren kleinen Wanderrucksäcken – flanieren über Dom- und Neupfarrplatz. Übernachtungsgäste schauen von der Steinernen Brücke auf die Donau oder bewundern die Überreste der alten Römer-Stadtmauer. Kurz: Die Stadt ist voll.
Besondere Stadt-Geschichte
Viele der Gäste wollen hier vor allem die reiche Geschichte der Stadt hautnah erleben: Angefangen in der Römerzeit, als hier an der Donau das Legionslager Castra Regina entstand, über das mittelalterliche Handelszentrum, bis hin zur frühen Neuzeit, in der Regensburg mit dem Immerwährenden Reichstag des Heiligen Römischen Reichs eines der politisch wichtigsten Zentren Europas war.
Diese bedeutende Historie sei einer der Gründe für den Welterbetitel 2006 gewesen, sagt Lorenz Baibl. Er leitet bei der Stadt Regensburg das Amt für kulturelles Erbe. Ein weiterer Grund: der einzigartige Erhaltungszustand der Altstadt, die anders als andere deutsche Innenstädte vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb.
Welterbe-Titel brachte Aufmerksamkeit, Touristen und Fördergelder
Vom Welterbe-Titel, dessen 20-jähriges Jubiläum Regensburg am heutigen Sonntag mit einem Festakt und der bundesweiten Eröffnung des diesjährigen Welterbetags feiert, habe Regensburg auch finanziell profitiert. So habe man Zugriff auf spezielle Fördermittel des Bundes bekommen, beispielsweise für die aufwändige Sanierung der mittelalterlichen Steinernen Brücke, sagt Baibl.
Die Brücke ist neben dem Dom das Wahrzeichen der Stadt, das sich viele Touristen nicht entgehen lassen wollen. Jüngst hat Regensburg einen Boom erlebt. Allein in den letzten zwölf Jahren ist die Zahl der Übernachtungen um über 50 Prozent gestiegen, so Baibl.
Touristen, von denen auch Kathrin Fuchshuber profitiert. Die CSU-Stadträtin betreibt in der Altstadt ein Hotel. Sie schätzt, dass etwa die Hälfte der übernachtenden Touristen speziell durch den Welterbe-Status angelockt wird. "Der Welterbetitel hat da natürlich schon sehr viel Marketing und Werbung für die Stadt gebracht", sagt Fuchshuber.
Zum Nachhören: 20 Jahre Welterbestadt Regensburg
Eines der Wahrzeichen der UNESCO-Welterbe Stadt Regensburg: Die Steinerne Brücke mit Stadtamhof im Hintergrund.
Welterbe ein Hemmnis für Projekte?
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, meint Fuchshuber. Man habe sich in der Stadt vielleicht zu lange auf dem Welterbetitel alleine ausgeruht. Nicht nur alte Steine, sondern auch Emotionen sollten Regensburgs Aushängeschild sein, findet die Hotelbetreiberin. Die vielen schönen Veranstaltungen in der Stadt könnten zum Beispiel noch besser vermarktet werden, sagt Fuchshuber. "Wir haben dieses Ziel Welterbe erreicht. Das haben wir dann in die Welt getragen. Und dann ist eigentlich touristisch nicht mehr so viel passiert."
Denkmalschutz hat höchsten Stellenwert im Welterbe
Dazu kommt für die Stadträtin, dass der Welterbetitel auch bei der Stadtentwicklung Projekte ausbremsen kann. Etwa weil die Stadt den Status mit Bauprojekten keinesfalls gefährden will. So legt das städtische Welterbe-Steuerungskomitee schon mal fest, wie hoch ein benötigtes Parkhaus höchstens werden darf.
Bei der Frage, auf welches Altstadtdach Photovoltaikanlagen dürfen, schaut der Denkmalschutz besonders genau hin. Und auch beim Thema Hitzeschutzmaßnahmen in der steinernen und versiegelten Altstadt kann der Welterbestatus zumindest ein Hemmnis sein. Bisher seien aber immer Kompromisse möglich gewesen, sagt Baibl. Die Altstadt dürfe keinesfalls zu einem reinen Museum werden, sondern müsse auch für die Bewohner lebenswert bleiben.
Kathrin Fuchshuber würde sich hier dennoch mehr Mut und offenere Diskussionen wünschen. "Ich sage nicht, dass wir den Titel zurückgeben sollen. Aber wenn wir die Stadt weiterentwickeln wollen und dann zu einem Punkt kommen, wo wir sagen: 'Oh, das geht jetzt nicht, weil da könnte ja die Welterbe-Kommission dagegen sein', dann sollten wir schon mal ein bisschen in den Ring treten und uns für eine Entwicklung der Stadt einsetzten."
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