Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im August saisonüblich gestiegen. Nach Angaben der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit waren 334.081 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 16.056 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg damit um 0,2 Punkte auf 4,3 Prozent. Im August melden sich üblicherweise viele Abgänger von Schulen und Universitäten arbeitslos. Arbeitgeber stellen oft erst im Herbst wieder neue Kräfte ein.
Direktions-Chef: "Arbeitsmarktlage verhalten positiv"
Der Leiter der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, Markus Schmitz, erkennt "Licht und Schatten" am bayerischen Arbeitsmarkt. So fällt der Anstieg der Arbeitslosigkeit diesmal nicht so stark aus wie in den vergangenen Monaten. Zudem habe die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen zugenommen. Deshalb bewertet er die aktuelle Lage "verhalten positiv". Von einer Erholung könne man aber weiterhin nicht sprechen, sagt er, und fügt hinzu: "Wir können noch nicht Entwarnung geben."
Immer weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Sorgen macht Schmitz der anhaltende Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Diese Zahlen liegen aktuell erst für Juni 2026 vor. Eigentlich seien im Juni Zuwächse üblich, erklärt Schmitz. Doch zeige sich nach den aktuellen Hochrechnungen im Vorjahresvergleich "ein deutliches Minus von 14.200 Beschäftigten". Demnach seien in Bayern noch 5,95 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Der Rückgang zeige sich besonders im verarbeitenden Gewerbe und Handel. Beide Branchen befänden sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.
Ausbildungsmarkt trotz Wirtschaftsflaute solid
Die schwache wirtschaftliche Entwicklung wirkt sich ein Stück weit auch auf den Ausbildungsmarkt aus. So meldeten die Ausbildungsbetriebe mit 85.500 Lehrstellen rund 7.600 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber bleibt mit fast 62.000 konstant. Damit ist das Verhältnis von Bewerbern zu verfügbaren Stellen rein rechnerisch weiter positiv. Nach Ansicht von Schmitz gebe der bayerische Ausbildungsmarkt so trotz der allgemein schwierigen Lage am Arbeitsmarkt "ein solides Bild" ab.
Grafik: So haben sich die Arbeitslosen-Zahlen entwickelt
Unterfranken unter Transformationsdruck
Betrachtet man die August-Arbeitsmarktzahlen in den Regionen, zeigt sich ein gemischtes Bild. Im Vergleich der Regierungsbezirke hat Schwaben mit 3,9 Prozent erneut die niedrigste Arbeitslosenquote, am höchsten ist sie mit 4,9 Prozent in Mittelfranken. Dazwischen bewegen sich Niederbayern und die Oberpfalz mit 4,0 Prozent. Für Oberbayern verzeichnet die Regionaldirektion der Bundesagentur 4,2 Prozent. Unterfranken, das im vergangenen Jahr mehrfach auf Platz zwei der sieben Bezirke stand, findet sich mit 4,3 Prozent (dem gesamtbayerischen Durchschnittswert) auf Platz 5 wieder. Als Grund dafür nennt Schmitz Aufholbedarf bei der Transformation im Automobil- und Maschinenbaubereich. Auf dem vorletzten Platz steht Oberfranken mit einer Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent. Das Schlusslicht bildet mit 4,9 Prozent Mittelfranken.
Orte mit "Vollbeschäftigung" werden seltener
Der Blick auf Landkreise und Städte macht eine große Spreizung der Arbeitslosenquoten deutlich. Sie reichen von 2,5 Prozent im Kreis Roth, 2,7 in Bad Tölz-Wolfratshausen über 5,7 in München bis zu 7,2 Prozent in Augsburg und 8,1 in Aschaffenburg und Hof. Der Anteil der Städte und Kreise, die noch eine Quote von unter 3,0 Prozent aufweisen – was die Arbeitsagenturen als Vollbeschäftigung werten – ist im August allerdings zurückgegangen. Es sind nicht mehr 18 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte wie noch im Juli. Sondern gerade noch zehn.
Erste spürbare Erfolge bei Transformation und Integration
Auch anderswo gibt es Veränderungen. So ist in Nürnberg die Arbeitslosenquote im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf jetzt 7,4 Prozent gesunken. Hinter diesem Rückgang stecken allerdings nicht mehr Jobvermittlungen, räumt Schmitz ein. Die Jobcenter und Arbeitsagenturen hätten stattdessen mehr arbeitssuchende Menschen in Weiterbildungsmaßnahmen vermittelt. Nach den Regeln der Arbeitsbehörden tauchen sie damit nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Den größten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich verzeichnet Schmitz im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau (3,5 Prozent/ Minus 0,5 Prozent) und der Stadt Landshut (6,1 Prozent/ Minus 0,4 Prozent). Die Gründe: Es habe Fortschritte bei der Transformation gegeben. In einer Region, in der der Autobauer BMW und mehrere Zulieferbetriebe zu Hause sind. Zudem gelinge es dort zunehmend, ausländische Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Im Video: Kaum Bewegung am Arbeitsmarkt in der Sommerpause
Arbeitsmarkt: Kaum Bewegung in der Sommerpause
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