Ein Mann zeigt mit einem Finger auf ein Röntgenbild, auf dem eine Linke Hand mit nur vier Fingern zu sehen ist.
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Medizinische Behandlungsfehler können jeden Patienten treffen, sie nachzuweisen ist oft ein schwieriges Unterfangen.
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Medizinische Behandlungsfehler können jeden Patienten treffen, sie nachzuweisen ist oft ein schwieriges Unterfangen.

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Behandlungsfehler? Mann verliert Finger nach Operationen

Behandlungsfehler? Mann verliert Finger nach Operationen

Christian Deinzer gerät 2018 mit der linken Hand in eine Kreissäge und verletzt sich schwer. Für ihn beginnt ein jahrelanger Leidensweg, er verliert einen Finger. Seitdem versucht er zu beweisen, dass die Medizin bei ihm einen Fehler gemacht hat.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Hinter Christian Deinzer liegt ein jahrelanger Leidensweg. Alles begann mit einem Unfall im März 2018, als der Mittelfranke aus Neuhaus an der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land Feuerholz machen wollte. Damals weiß er noch nicht, dass sich sein Leben dadurch stark verändern wird.

Unfall mit Kreissäge: Beginn eines jahrelangen Leidenswegs

Christian Deinzer gerät mit der linken Hand in die Kreissäge und verletzt sich schwer. "Ich habe mir direkt ins Grundgelenk vom Zeigefinger reingesägt, der Daumen war auch noch ein bisschen betroffen, aber war nicht schwer verletzt." 80 Prozent seines Fingergelenks hatte er mit der Säge durchtrennt. Er kommt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankhaus.

Zuerst erfolgt eine Notoperation, in welcher die Blutversorgung des Fingers mikrochirurgisch wieder hergestellt und das Gelenk vorübergehend mit Drähten stabilisiert wurde. Einen Monat später entnehmen die Ärzte aus seinem rechten Fuß ein Zehengelenk mit Blutversorgung, um es in seine Hand zu verpflanzen. Diese Operationsmethode wird als vaskularisierte Gelenktransplantation bezeichnet, um die Beweglichkeit des Fingers wiederherzustellen. Aus Sicht von Christian Deinzer wurde er jedoch weder über die Risiken dieser Operationsmethode noch über mögliche Alternativen, wie dem Einsatz eines künstlichen Gelenks, in ausreichendem Umfang aufgeklärt.

Finger-Amputation nach mehreren Operationen

Doch das geht schief: Eine Infektion am Finger zerstört wichtige Gelenkstrukturen, auch die Strecksehne reißt. Die Gelenkhälften verschieben sich zueinander und verursachen Schmerzen. Am Fuß, wo das Gelenk entnommen wurde, kommt es zu einer Wundheilungsstörung. Wegen anhaltender Schmerzen lässt sich Christian Deinzer schließlich auch den Finger amputieren. Mehrere Operationen sind nötig, um durch eine Strahlresektion eine gute ästhetische und funktionelle Handfunktion zu erreichen. Doch die Schmerzen am Fuß bleiben: "In meinem Fall hat mir die Medizin nicht geholfen, sondern geschadet", sagt Deinzer.

Für die Komplikationen macht er die behandelnde Klinik und seinen Arzt verantwortlich. Ein Gutachten des Medizinischen Dienstes sowie ein weiteres im Auftrag des Landgerichts Nürnberg-Fürth benennen mehrere Behandlungs- und Aufklärungsfehler, nach Meinung von Christian Deinzer jedoch nicht alle.

Auf der Suche nach Unterstützung stieß Deinzer auf die Selbsthilfegemeinschaft Medizingeschädigter in Nürnberg. Der Verein unterstützt Menschen nach medizinischen Schäden und informiert sie über ihre Rechte und mögliche Schritte nach einem ärztlichen Behandlungsfehler.

30 Jahre Selbsthilfegemeinschaft Medizingeschädigter

Karl-Heinz Schlee von der Selbsthilfegemeinschaft Medizingeschädigter e.V. hat selbst seine Frau durch einen Behandlungsfehler verloren. "Wir sind die Experten in Bezug auf Behandlungsfehler, Medizinschaden, da wissen wir gut Bescheid, in allen Sparten, in allen medizinischen Fachrichtungen."

Der Verein wurde 1996 in Oberfranken von 26 Betroffenen gegründet und trug bis 2017 den Namen Notgemeinschaft Medizingeschädigter e.V. (NGM). Mittlerweile hat die Selbsthilfegemeinschaft Medizingeschädigter (SGM) mit Sitz in Nürnberg rund 400 Mitglieder und ist deutschlandweit aktiv. Es gibt Regionalgruppen in Bamberg, Augsburg, Regensburg, Ansbach und Dinkelsbühl, Nürnberg, Würzburg, München, Straubing, Erfurt, Schleswig-Holstein, Berlin, Hamburg und Mannheim. Hier wird Menschen wie Christian Deinzer geholfen, sich im juristischen und medizinischen Dschungel zurechtzufinden, um vielleicht irgendwann einmal Schmerzensgeld vor Gericht zu erstreiten.

Verein unterstützen bei Gerichtsverfahren

Christian Deinzer und Karl-Heinz Schlee gehen nun gemeinsam Gutachten und Ordner mit Unterlagen zu diesem Fall durch, bereiten sich auf Verhandlungen vor. Seit fünf Jahren läuft ein Verfahren vor Gericht, bislang ist noch keine Entscheidung gefallen. Aber rechtlicher und medizinischer Beistand ist längst nicht alles, was Betroffene brauchen: "Viele sind wirklich hilflos, viele wollen tatsächlich oder müssen erstmal beruhigt oder getröstet werden", sagt Schlee.

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