Im Landesamt für Statistik in Fürth wurde die Bevölkerungsvorausberechnung für Bayern vorgestellt.
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Berechnung: Bayerns Einwohnerzahl steigt – das Alter auch

Berechnung: Bayerns Einwohnerzahl steigt – das Alter auch

Bayerns Bevölkerung wächst und wird älter. So lautet das Ergebnis neuer Prognosen für die Jahre 2038 und 2044. Ein Bürgermeister bezeichnet die Berechnung für seine Gemeinde allerdings als völlig unrealistisch und nennt dafür einen guten Grund.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Bevölkerung in Bayern wächst bis zum Jahr 2044 um rund 278.000 Einwohner. Das ist eines der Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Landesamt für Statistik in Fürth vorgestellt hat. Demnach läge die Gesamteinwohnerzahl im Freistaat dann bei etwa 13,53 Millionen Einwohnern.

Bayern wächst nicht mehr so stark – Herrmann: "Tut uns gut"

Im Vergleich zu der Einwohnerzahl aus dem Jahr 2024 entspricht das einem Plus von 2,1 Prozent und damit einem Wachstum von durchschnittlich etwa 14.000 Personen pro Jahr. In den vergangenen 20 Jahren lag dieses durchschnittliche Bevölkerungswachstum bei etwa 40.000 Personen pro Jahr. Dass das Bevölkerungswachstum in Bayern für die Zukunft niedriger eingeschätzt wird, liegt laut Herrmann auch daran, dass die Zahl der neu Geflüchteten zurückgegangen sei. Außerdem hätten mehr Geflüchtete das Land verlassen, die sich in Bayern nicht integriert hätten.

Ein niedrigeres Bevölkerungswachstum tue dem Freistaat gut, so Herrmann weiter. "Weil wir dadurch in der Integration derer, die da sind, vorankommen können und darauf einen Schwerpunkt legen können." Zudem würde dadurch auch die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge in Bayern sinken.

Oberfranken einziger Bezirk mit Bevölkerungsrückgang

Die demographische Entwicklung verläuft je nach Regierungsbezirk unterschiedlich: Oberbayern, Niederbayern und Schwaben weisen mit Blick auf die Bevölkerungszahl ein deutliches Plus zwischen drei bis etwa fünf Prozent auf. Mittelfranken, Unterfranken und die Oberpfalz werden ihr derzeitiges Bevölkerungsniveau in etwa halten, bedeutet: Hier geht man von Entwicklungen zwischen -2,5 und +2,5 Prozent aus.

Oberfranken muss indes mit einem moderaten Rückgang der Einwohnerzahlen rechnen. Hier könne der vorhandene Sterbefallüberschuss – also die im Vergleich zu den Geburten höhere Zahl an Sterbefällen – nicht mehr durch Wanderungsgewinne ausgeglichen werden.

Mehr als ein Drittel der Gemeinden in Bayern wachsen

In diesem Jahr präsentierte das Landesamt für Statistik auch Prognosen bis zum Jahr 2038 für alle bayerischen Gemeinden. 38,2 Prozent von ihnen können mit einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl rechnen. Einer der höchsten Werte beim Bevölkerungszuwachs in Bayern wird für die Gemeinde Wörth an der Isar im Landkreis Landshut erwartet: Der Einwohnerzahl in dem Ort in Niederbayern soll um mehr als 15 Prozent wachsen. Für Bürgermeister Stefan Scheibenzuber von CSU und Freier Wählerschaft hat das einen einfachen Grund: "Die Lage ist natürlich ganz entscheidend. Wir sind eingebettet zwischen Landshut und Dingolfing: Zwei Städte, die einen großen Automobilhersteller beherbergen. Diese Beschäftigungszahlen schlagen sich natürlich auf die Region nieder."

14,4 Prozent Wachstum für Adelsdorf? "Absolut unrealistisch"

Das Beispiel aus Adelsdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt zeigt allerdings, dass die Vorausberechnungen zuweilen mit Vorsicht zu interpretieren sind. In Adelsdorf wird zwar ein Wachstum von 14,4 Prozent vorhergesagt – der höchste Wert in Mittelfranken. Der Bürgermeister von Adelsdorf ist von dem Prozentwert sehr überrascht. "Ich kann mir das gar nicht vorstellen", so Karsten Fischkal (Freie Wähler) im BR24-Gespräch. In den Jahren zwischen 2015 und 2022 sei Adelsdorf zwar dank eines neuen Baugebiets gewachsen. Zuletzt seien aber nur noch kleinere Baugebiete hinzugekommen.

Laut Fischkal liege "der Fehler in dem System, dass man zurückschaut. Wie war das Wachstum in den vergangenen Jahren? Und dass man das dann überstülpt auf die nächsten Jahre". Seiner Meinung nach dürfe man sich nicht die Wachstumszahlen anschauen, sondern müsse einen Blick auf den Bebauungsplan werfen. Also: Wo könnten überhaupt noch Wohngebäude entstehen? "Wenn ich mir das anschaue, dann sind 14,4 Prozent für die Gemeinde absolut unrealistisch."

Das Landesamt für Statistik verweist explizit darauf, dass sich die Berechnungen aus vergangenen Entwicklungen und aktuellen Trends speisen. Als Tatsache seien sie nicht zu verstehen.

Durchschnittsalter der Bewohner von Bayern steigt

Neben der Einwohnerzahl gehen die Prognosen übrigens auch von einer veränderten Altersstruktur der Bevölkerung aus. Für das Jahr 2044 wird in Bayern ein Anstieg des Durchschnittsalters um voraussichtlich 1,7 Jahre auf 46,0 Jahre berechnet. Die Gruppe der über 67-Jährigen wird in diesem Zeitraum um 687.000 auf 3,2 Millionen Menschen anwachsen. Gleichzeitig geht die Zahl der Personen im Alter von 20 bis 66 Jahren um 371.000 Personen auf 7,88 Millionen zurück.

Im Video: Bevölkerungsprognose - Bayern wächst und wird älter

Blick aus der Luft auf ein Wohngebiet in Bayern.
Bildrechte: BR
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Bis zum Jahr 2044 werden rund 278.000 Menschen mehr im Freistaat leben. Die Gesamteinwohnerzahl soll dann bei etwa 13,5 Millionen liegen.

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