Auf den Almen Tier und Mensch mit Wasser zu versorgen, wird immer schwieriger. Anhaltende Trockenphasen wie diesen Sommer bereiten den Almbauern große Sorgen. Denn die wenigen Quellen am Berg werden dann schwächer und liefern kaum noch genug Wasser, um eine Beweidung durch Rinder zu sichern.
Bei der diesjährigen Hauptalmbegehung zu den Almen oberhalb von Lenggries haben die Bergbauern und Bergbäuerinnen des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern viel politische Prominenz auf ihre Almen eingeladen, um sich mit ihnen über aktuelle Themen auszutauschen.
Wenig Wasser auf den bayerischen Almen
Mehr als 900 Teilnehmer waren bei heißen Temperaturen bei der Wanderung in den Lenggrieser Voralpen dabei, unter ihnen zahlreiche Bergbauern. Viele berichten davon, dass Quellen nur noch wenig Wasser liefern oder Wasser in Tanks auf die Almen gefahren werden muss.
Bergbauer Kaspar Gilgenreiner speist seine Alm mit Wasser aus einer einzigen Quelle. Normalerweise reicht die Menge für die 45 Rinder. Derzeit kommt nur noch wenig Wasser aus der Quelle, die Reserven werden knapp. Es bräuchte dringend langanhaltende Niederschläge, sagt Gilgenreiner, denn "ohne Wasser keine Almwirtschaft." Immerhin reichen kurze Schauer, dass die Weiden grün bleiben. Futtermangel, wie in weiten Teilen Deutschlands herrscht dort oben auf 1.400 Metern nicht.
Mehr Vorsorge, bessere Speichermöglichkeiten
Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins, Josef Glatz sieht noch keine große Gefahr, hält eine bessere Vorsorge für unausweichlich: "Der Bestand hält noch ein bisschen, aber wenn das Grundwasser fehlt und es weniger Oberflächenwasser gibt, wird die Versorgung immer schlechter, dann müsste man mehr lagern." Immerhin stehen auf oberbayerischen Weiden derzeit 22.000 Tiere, die versorgt werden müssen.
Minister plädieren für mehr Klimaanpassung
Bei der politischen Prominenz, die traditionell am Almrundgang teilnimmt, treffen solche Sorgen auf offene Ohren. Sowohl Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer als auch seine bayerische Kollegin Michaela Kaniber plädieren für bessere Anpassungen gegen Trockenheit: "Das ist kein einjähriges Phänomen, sondern wir müssen uns wirklich auf den Weg machen, sehr kluge Strategien zu fahren, gerade was den Landeswasserhaushalt angeht."
Bessere Handhabe gegen den Wolf
Dass der Wolf inzwischen ins Jagdgesetz aufgenommen worden ist, begrüßen die Almbäuerinnen und Almbauern einhellig. Jetzt warten sie noch auf praktikable Lösungen für Weidegebiete, die nicht mit Zäunen oder Hunden geschützt werden können. Vor allem die alpennahen Landkreise haben bereits solche "nicht schützbaren Weidegebiete" ausgewiesen. Dort, so versprach Jagdminister Hubert Aiwanger, müsste ein Wolf geschossen werden können, sobald er eine Gefahr für Mensch oder Weidetiere darstellt. Nach aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) sind in der Alpenregion derzeit zwei einzelne Wölfe unterwegs, im übrigen Bayern sind es derzeit neun Rudel.
Norbert Schäffer, Vorsitzender beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz, stellt nicht in Abrede, dass Wölfe punktuell Probleme machen können. Er sieht die aktuelle Herausforderung aber eher darin, dass die Finanzierung von Naturschutzprogrammen erhalten bleibt, die artenreiche Almen erst ermöglichen.
Sorgen um Wasser und Wolf sind akut
Bergbäuerin Tanja Müller diskutiert mit ihren Kollegen viel über den Wolf, auch wenn in den bayerischen Alpen nur zwei Einzeltiere unterwegs sind: "Wenn der Wolf wirklich zu uns kommen sollte, macht das das Leben nicht leichter. Es ist dann die Frage, ob wir überhaupt noch weiter machen.“
Auch Ministerin Michaela Kaniber schaut aufs große Ganze: "Am Ende reden wir nicht nur über den Wolf. Wir reden über die Zukunft unserer Bergbauernbetriebe und den Fortbestand der Weidetierhaltung."
Im Video: Hauptalmbegehung in Lenggries
35 Grad in Lenggries – und eine Delegation an Ministern suchte da in der Höhe die frische Luft bei der alljährlichen Hauptalm-Begehung.
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