In den Chiemgauer Alpen steht seit gestern Abend ein Wald in Flammen - die Bilder erinnern an den das Großfeuer am Saurüsselkopf bei Ruhpolding Anfang Mai, das mehrere Tage anhielt. Der seit gestern in Flammen stehende Wald bei Oberwössen befindet sich ebenso in einem schwer zugänglichen Gipfelbereich. Seit gestern Abend versucht die Feuerwehr mit Hubschraubern und hunderten Einsatzkräften, der Flammen Herr zu werden.
Waldbrand breitet sich weiter in Richtung Oberwössen aus
Laut dem zuständigen Kreisfeuerwehrverband Traunstein hat sich der Waldbrand in der Nacht weiter talwärts in Richtung Oberwössen, einem Ortsteil der Gemeinde Unterwössen, ausgebreitet.
Wie groß das Ausmaß des Brandes ist, war auch am Donnerstagmittag noch unklar. "Die Vegetationsbrandbekämpfung im Bergwald ist sehr schwierig", erläuterte der Feuerwehrsprecher. "Das ist nicht wie ein Feld zu sehen, das 100 Meter lang und 60 Meter breit ist und dann habe ich 6.000 Quadratmeter. Da geht es nach oben und unten, nach hinten und vorne."
Mit Hilfe von Drohnen versuchen die Einsatzkräfte systematisch zu erfassen, wie viele Wärmequellen am Berg vorhanden sind. Die Einsätze der Drohnen müssten aber mit den Flügen der Hubschrauber koordiniert werden, schilderte der Fachmann eine weitere Schwierigkeit. Auch eine Aussage zur Brandursache war zunächst nicht möglich. Nach aktuellem Stand wurde jedoch niemand verletzt.
Sprinkleranlagen sollen weitere Ausbreitung verhindern
Zum Schutz der umliegenden Häuser wurden sogenannte Kreisregenanlagen installiert. "Man hat gestern Abend und in den Nachtstunden begonnen, lange Schlauchstrecken aufzubauen und alle paar Meter sogenannte Kreisregner aufzubauen", schilderte der Feuerwehrsprecher. "Das kann man sich vorstellen wie einen großen Gartensprinkler. Damit wird der Bereich, der nicht vom Brand betroffen ist, bewässert, um eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern."
Wie bereits gestern Abend sind seit den frühen Morgenstunden erneut 200 Einsatzkräfte im Einsatz. Mit Tagesanbruch haben zudem drei Hubschrauber der Bayerischen Polizei ihre Arbeit aufgenommen. Sie werfen mithilfe sogenannter Außenlastbehälter Wasser über dem Brandgebiet ab. Die Bevölkerung wird gebeten Fenster und Türen geschlossen und auch Lüftungs- und Klima anlagen auszuschalten.
In den Morgenstunden wurde außerdem vorsorglich über das Modulare Warnsystem (MoWaS) eine Gefahrenmeldung wegen möglicher Geruchsbelästigungen für den gesamten Landkreis Traunstein herausgegeben, die beispielsweise über Warn-Apps die Bevölkerung informiert. Aufgrund der Löscharbeiten ist auch die Bundesstraße B 305 derzeit sowohl in Richtung Reit im Winkl als auch in Richtung Marquartstein gesperrt.
Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdienst und Polizei
Am Mittwochabend wurde die Freiwillige Feuerwehr Oberwössen gegen 18 Uhr gemeinsam mit zahlreichen umliegenden Feuerwehren zu einem Bergwaldbrand im Bereich der Hochwand nahe der Lackenbergwand in schwer zugänglichem Gelände im Bereich des Gipfels auf knapp 1.000 Meter Seehöhe alarmiert. Bereits bei der Alarmierung war eine deutliche Rauchsäule sichtbar, schreibt der Kreisfeuerwehrverband in seiner Mitteilung.
Unmittelbar nach der Alarmierung lief ein Großeinsatz an, an dem neben den Feuerwehren auch Einsatzkräfte der Bergwacht, des Rettungsdienstes und der Bayerischen Polizei beteiligt sind.
Drei Hubschrauber zu Löschflügen unterwegs
Parallel dazu wurden drei Hubschrauber der Bayerischen Polizei angefordert, um den Brand auch aus der Luft zu bekämpfen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren zahlreiche Löschflüge unterwegs, während vom Boden aus weitere Löscheinsätze unternommen wurden. Dazu wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet.
"An den Ursprungsbrand kommt man nicht mit Fahrzeugen hin", schilderte der Feuerwehrsprecher. Eine unmittelbare Brandbekämpfung im Gipfelbereich des Berges mit bodengebundenen Kräften sei zunächst nicht möglich gewesen.
Brandursache noch ungeklärt
Aufgrund der erheblichen Gefahren im steilen Gelände sowie der einbrechenden Dunkelheit mussten die Löscharbeiten am Abend zurückgefahren werden.
Grundsätzlich seien die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Brandes ähnlich gewesen wie bei dem Feuer am Saurüsselkopf nahe Ruhpolding im Mai, sagte der Feuerwehrsprecher. Auch beim aktuellen Brand an der Hochwand hat sich das Feuer in der ersten Nacht ausgeweitet. Der Brand am Saurüsselkopfe hatte sich im Anschluss ausgebreitet und war extrem schwer zu bekämpfen gewesen. Erst nach einem Monat wurde der Einsatz für beendet erklärt.
Eine Pressekonferenz im Laufe des Tages soll über das Ausmaß des Brandes informieren.
Mit Information von dpa.
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