Die Moldauer haben ein großes Ziel: Sie wollen in die EU, am liebsten bis 2030, wie der neue Ministerpräsident Vasile Tofan gerade erklärte. Dabei kann er auf bayerische Hilfe zählen: "Wir setzen uns dafür ein, dass Moldau Teil der Europäischen Union wird", sagt Markus Söder (CSU) anlässlich seiner zweitägigen Reise nach Südosteuropa, die am Donnerstag beginnt.
Söder wird am Freitag der erste bayerische Ministerpräsident sein, der Moldau besucht: Ein "erster, aber sehr wichtiger Besuch, allein schon aufgrund der strategischen und sicherheitspolitischen Lage". Er wolle neue Kontakte knüpfen zu Moldau als einem Land im "Einflussbereich" der Ukraine und Russlands.
Russische Drohnen im Luftraum
Moldau hat so viele Einwohner wie die Region München (knapp drei Millionen) und etwa die Wirtschaftskraft Ingolstadts (19 Milliarden Euro, 2022). Die Republik liegt zwischen Rumänien und der Ukraine, die russischen Invasionstruppen sind rund 200 Kilometer entfernt, immer wieder verletzen russische Drohnen den moldauischen Luftraum.
Moldaus pro-westliche Regierung sieht die Heimat aber vor allem durch Wladimir Putins Versuche bedroht, das Land mit Desinformation und hybriden Angriffen zu destabilisieren. Als besonderes Sicherheitsrisiko gilt die abtrünnige und pro-russische Region Transnistrien, in der etwa 1.500 russische Soldaten stationiert sind.
Söder bei Staatspräsidentin Sandu
In der Hauptstadt Chisinau wird Söder am Freitag von Staatspräsidentin Maia Sandu empfangen, die ihr Land vom Einfluss Russlands befreien will. Die Stichwahl gegen den russlandfreundlichen Alexandr Stoianoglu Ende 2024 war eine Zitterpartie, Sandu blieb vor allem dank der Exil-Moldauer im Amt.
Die Präsidentin sei eine mutige Frau, "die für Westbindung steht", betont Söder. Moldau sei ein "Schlüsselstaat" für die europäische Ostgrenze. "Es wäre ein schwerer Fehler, wenn wir zuließen, dass Moldau unter andere Einflusssphären gerät." Er wolle in Moldau eine umfangreiche Kooperation auf den Weg bringen: "mit Regierungskommission sowie Arbeitsgruppen bei den Themen Wirtschaft, Kriminalitätsbekämpfung und Landwirtschaft".
"Seele, Dynamik, innerer Wille"
Bisher hat Moldau mit Bayern nicht viel zu tun. Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt war mal da, im Mai 2025. Anschließend schwärmte der Freie-Wähler-Politiker, ihn habe "selten die Seele, die Dynamik und der innere Wille eines Landes zu Transformation und Europaorientierung" so bewegt. Moldau sei wegen seiner geopolitischen Lage "wirtschaftspolitisch fordernd, aber voller Chancen".
Aus Sicht des Hauptgeschäftsführers der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, spielt Moldau bisher eine eher untergeordnete Rolle. Aber: "Das Land bietet durch seine EU-Beitrittsperspektive für die bayerischen Unternehmen durchaus Potenzial." In den Bereichen IT, Telekommunikation, Software und Logistik wächst die moldawische Wirtschaft derzeit stark.
"Speeddating internationaler Politik"
Vor seinem Besuch in Moldau reist Söder zunächst nach Ungarn und Griechenland, wo er jeweils die Ministerpräsidenten trifft. Von einem "Speeddating internationaler Politik" spricht der CSU-Chef. Der Freistaat wolle seinen Einfluss in Europa stärken, Kontakte wiederbeleben, neu knüpfen und intensivieren.
In Budapest steht nach der Abwahl von Viktor Orban die Wiederaufnahme früherer Beziehungen an: "Ungarn ist ein wichtiger Partner, zum Beispiel in der europäischen Autopolitik, in der Wirtschaftspolitik." Mit einem bilateralen Handelsvolumen von gut 16 Milliarden Euro zählt Ungarn bereits jetzt zu den zehn größten Handelspartnern Bayerns. Brossardt: "Ungarn hat sich als wichtiger Zulieferer bayerischer Industrien etabliert, insbesondere in der Automobilbranche." Söder sieht im neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar einen Verbündeten im Kampf für "mehr Freiheit für den Verbrenner in Europa".
In Griechenland will der Ministerpräsident mit Regierungschef Kyriakos Mitsotakis über Migration sprechen: Er wolle die "besondere Bedeutung" würdigen, die das Land mittlerweile bei der Sicherung der EU-Außengrenzen habe.
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