Zwei Patres in weißen Kutten haben Bierkürge in der Hand.
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Schmeckt auch heute noch: Das Fastenbier hat eine lange Klostertradition.
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Schmeckt auch heute noch: Das Fastenbier hat eine lange Klostertradition.

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Biertrinken beim Fasten?! Diesen Trick nutzen Mönche noch heute

Biertrinken beim Fasten?! Diesen Trick nutzen Mönche noch heute

Gerade verzichten viele Christinnen und Christen wegen der Fastenzeit auf Süßigkeiten, Zigaretten oder Alkohol. Im Kloster Roggenburg wird derweil Bier getrunken. Wie geht das zusammen?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Klosterprior Pater Stefan nippt an seinem Krug: "Ich habe ein dunkles Bier, das ist ein malzig-süßes. Das mag ich gern." Neben Pater Roman sitzt er am Tisch der Gaststätte des Kloster Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm. Dorthin haben die beiden zum Fastenbier-Stammtisch geladen. Mehr als 50 Besucherinnen und Besucher sind zum Anstoßen gekommen – mitten in der Fastenzeit. Fasten und Bier trinken: Das schließt sich nicht aus. Der Grund ist eine jahrhundertealte Regellücke beim Fasten.

Fastenbier hat eine lange Klostertradition

Vor ungefähr 500 Jahren waren die christlichen Fastenregeln streng. Fleisch, Eier und Milchprodukte waren tabu. Manche Mönche verzichteten sogar auf jegliche feste Nahrung. Die gängige Ausnahme: "Liquida non frangunt ieunium". Auf Deutsch: "Flüssiges bricht das Fasten nicht." Findige Mönche reizten die Regel aus und brauten ein Bier mit extra vielen Kalorien. Das Fastenbier machte satt und war so eine willkommene Abwechslung zur Suppe.

BR24 auf TikTok: Clevere Mönche - Bier trinken, um zu fasten?!

Papst segnet Fastenbier ab

Aber: Ist das wirklich erlaubt? Eine Geschichte besagt, dass Mönche den Papst dazu befragen wollten und ihm ein Fass Fastenbier schickten. Als es in Rom ankam, war das Bier verdorben – Glück für die Mönche. Denn der Papst fand: Wer das trinkt, tut Buße genug. Seitdem brauen Mönche in vielen bayerischen Klöstern und später auch private Brauer Fastenbiere. Sie sind zwar herb im Geschmack, haben aber nicht unbedingt einen höheren Alkoholanteil.

Auch bayerische Mönche fasten heute Süßigkeiten

Pater Roman schmeckt das Fastenbier auch heute noch. "Ab und zu ein Schluck schadet auch in der Fastenzeit nicht", sagt er. Gefastet wird im Kloster nach wie vor, wenn auch weniger streng als früher. Pater Roman verzichtet auf Süßes. Und: "Mein Vorsatz ist, in dieser Zeit mit alleinstehenden Menschen zu telefonieren. Wir haben in unserer Umgebung viele Menschen, um die sich niemand kümmert."

Auch Pater Stefan erzählt in der Runde, wie er auf die Fastenzeit blickt. Er verweist auf einen Satz aus dem Alten Testament. Da heißt es: "Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider". Statt sich mit dem Fasten aufzuspielen, gehe um "eine andere Geisteshaltung dem Nächsten gegenüber". Am Ende des Abends singen die Gäste und Mönche gemeinsam "Ein Prosit der Gemütlichkeit". Denn Flüssiges bricht das Fasten nicht.

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