Sechs Jugendliche strecken ihre Arme in einer Boulderhalle freudig nach oben.
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Beim Bouldern können junge Menschen ihre Selbstwirksamkeit und Freude erleben.
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Bouldern gegen Traurigkeit: Hilfe für belastete Jugendliche

Bouldern gegen Traurigkeit: Hilfe für belastete Jugendliche

Bouldern eignet sich besonders gut, um mit Stress, Druck oder Depression umzugehen. Das belegt eine wissenschaftliche Studie an der Uniklinik Erlangen. Diese Erkenntnisse sollen auch psychisch belasteten Jugendlichen helfen, gelassener zu werden.

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

Psychotherapeutin Lola Eversmann schaut in einer Boulderhalle in Erlangen auf die farbigen Klettergriffe an der Wand. "Welche Route spricht euch besonders an?", fragt sie die Teilnehmenden in ihrer Gruppe. Sie begleitet Menschen beim Bouldern, die unter einer Depression leiden, und die sich an der Studie "BooST – Boulder dich stark!" der Uniklinik Erlangen beteiligen. "Wollt ihr mal so weit hochgehen, wie es für euch passt?", ermutigt sie die Teilnehmenden.

Auch Erika ist dabei. Sie macht eine Psychotherapie und bekommt Medikamente. Beim ersten Besuch in der Boulderhalle hatte sie das Gefühl, dort völlig falsch zu sein.

Konzentration auf den Moment

"Ich dachte, dass ich das nicht schaffe. Und dass ich nichts mehr erleben kann, das mir ein positives Gefühl gibt", sagt sie. Mit Unterstützung der Therapeutinnen kommt Erika zwei Mal pro Woche zum Bouldern. Bei diesem Klettern ohne Seil in Absprunghöhe versucht sie, ihre Angst zu überwinden und sich wieder Dinge zuzutrauen.

"Die Konzentration auf den nächsten Tritt und den nächsten Griff lenkt mich ab vom Alltag und von den Gedanken, die mich runterziehen", sagt sie. Eigene Fortschritte erkennen und das Ziel oben an der Wand erreichen, das gelingt beim Bouldern in der Halle recht schnell.

Ängste aktiv überwinden

Diese positiven Erfahrungen lassen sich auf das Leben übertragen, stellt die Psychotherapeutin Lola Eversmann immer wieder fest. "Bei der Boulder-Psychotherapie ermöglichen wir eine Erfahrung im Moment, so dass wir nicht über Erlebnisse sprechen, sondern sie direkt gemeinsam anschauen können, was sie mit einem machen." Zum Beispiel der Umgang mit Angst vor der Höhe oder Angst vor dem Scheitern, aber auch Selbstüberwindung und Neues zu wagen.

Die Studie "BooST – Boulder dich stark!" der Uniklinik Erlangen wurde bereits mit rund 200 Erwachsenen durchgeführt und die Ergebnisse zeigen: Bouldern wirkt sich positiv auf den Gemütszustand aus.

Im Video: Sportlicher Ausweg - Bouldern gegen Depressionen

Eine junge Frau an der Boulderwand, hinter ihr breitet eine Frau am Boden stehend schützend ihre Arme aus
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Bouldern gegen Depression: An der Uniklinik Erlangen machen Forscher seit einigen Jahren mit Sport bei Betroffenen gute Erfahrungen.

Positive Effekte durch Bouldern

Auch wenn Bewegung grundsätzlich hilft bei Depressionen, Stress, Ängsten und psychischem Druck, so eigne sich das Bouldern besonders gut, sagt Studienleiterin Carolin Donath: "Wir haben gesehen, dass die Depressivität sinkt, und dass sich die Stimmung enorm verbessert und auch die Selbstwirksamkeit steigert. Aus diesem Grund halten wir es für sinnvoll, dieses Verfahren auch bei Jugendlichen anzuwenden."

Denn Schätzungen zufolge ist jeder zehnte Jugendliche von einer Depression betroffen. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl von Kindern und jungen Menschen mit psychischen Störungen und Belastungen hoch. Bei jungen Erwachsenen leidet laut einer Krankenhaus-Studie sogar jeder Dritte. Doch es gibt nicht genügend psychotherapeutische Angebote für sie, sodass die Wartezeiten sehr lang sind.

Stärker, selbstbewusster und gelassener

"Mit der Boulder-Psychotherapie haben wir daher ein Angebot, mit dem wir relativ vielen Jugendlichen schnell und niedrigschwellig helfen wollen. Denn an einer Gruppentherapie können zehn Jugendliche gleichzeitig teilnehmen, die von zwei Therapeuten begleitet werden", erläutert Carolin Donath. Die Kombination aus Bewegung und Reflexion in einer Gruppe helfe den Teilnehmenden, stärker, selbstbewusster und gelassener zu werden.

Nach einer Boulder-Session blickt auch Erika jedes Mal wieder optimistischer in die Zukunft. Sie möchte andere Betroffene daher bestärken, bei Depressionen selbst aktiv zu werden. "Es passt nicht alles für jeden, aber man muss es einfach versuchen, sich Hilfe zu holen und Neues auszuprobieren", sagt sie.

Bis Ostern können sich 13- bis 18-Jährige noch anmelden für die kostenlose Studienteilnahme in Erlangen, Nürnberg, Bamberg und Regensburg. Alle Infos gibt es im Internet unter "Boulder dich stark" (externer Link).

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Boulder-Psychotherapie: Sich in der Gruppe beim Bouldern ausprobieren und Ängste überwinden.

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