19.03.2026: Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, spricht in der 72. Plenarsitzung des Bayerischen Landtags.
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Hubert Aiwanger im Landtag

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Regierungserklärung: Gründerland Bayern – geht da noch was?

Regierungserklärung: Gründerland Bayern – geht da noch was?

Wer ist die Nummer 1 bei Start-ups? Jahrelang war das Berlin, jetzt hat Bayern wieder die Nase vorn. Wie Politik Gründungen fördern kann – darum geht es bei einer Regierungserklärung von Wirtschaftsminister Aiwanger.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Mag die Wirtschaft noch so sehr schwächeln – was die Gründerszene angeht, kann Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) auf positive Entwicklungen verweisen. Rund 4.400 Start-ups gibt es aktuell im Freistaat, wie eine Studie der Bayerischen Industrie- und Handelskammer (BIHK) ergeben hat. Damit liegt Bayern auf Platz 1 im Ländervergleich. Auch bei den Investitionen, die in junge Technologie-Unternehmen fließen, liegt Bayern gerade vorn.

Ist Bayern noch der Top-Wirtschaftsstandort? Darüber haben wir mit unserem BR-Reporter Hans-Joachim Vieweger live im Landtag gesprochen. Das Video zum Livestream inklusive der gesamten Regierungserklärung finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.

Gründerzentren an Unis helfen beim Weg in die Selbstständigkeit

Einen entscheidenden Grund sieht BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl in der Unterstützung durch die Hochschulen im Freistaat: Junge Gründer bekämen nicht nur ein gutes Umfeld für ihre Forschung, sondern auch konkrete Schulungen für den Weg in die Selbständigkeit. Tatsächlich bringt keine andere Universität in Deutschland so viele Start-ups hervor wie die Technische Universität München, deren Gründerzentrum UnternehmerTUM von der Financial Times bereits zum dritten Mal in Folge als das beste in Europa gekürt wurde.

Auch die Gründerzentren an anderen Universitäts- und Hochschulstandorten tragen wesentlich zum Erfolg von Start-ups bei, so die Beobachtung von Thomas Doppelberger. Er leitet das Team von Fraunhofer Venture, das Ausgründungen aus der Fraunhofer Gesellschaft begleitet: "Da werden Best-Practice-Beispiele weitergegeben, man lernt Gründer kennen und erfährt: Gründen, das tut eigentlich gar nicht weh, sondern es ist toll, wenn man sich damit verwirklichen kann."

Erfolgsrezept: Kluge Köpfe, gute Ideen – und Kapital

Gute Erfahrungen bei einer Gründung aus einer Hochschule heraus hat Henriette Maaß gemacht: Die promovierte Physikerin hat in Würzburg das Unternehmen NanoStruct gegründet. Zusammen mit Partnern aus der Biologie und der Informatik hat sie Methoden entwickelt, um minimale Verunreinigungen in Lebensmitteln aufzudecken, und das viel schneller als bislang möglich. Für das Geschäftsmodell gab es bereits zahlreiche Preise – und inzwischen auch eine Startfinanzierung durch mehrere Wagniskapitalfonds, darunter die landeseigene Beteiligungsgesellschaft BayernKapital.

Denn Finanzierungsfragen spielen eine entscheidende Rolle für Gründer. Da es sich um Geschäftsmodelle handelt, die auch scheitern können, sind sie auf so genanntes Risikokapital angewiesen. In der Gründungsphase klappt das meistens noch, so die Beobachtung des CSU-Landtagsabgeordneten Stefan Ebner, der dem Start-up-Council der Staatsregierung angehört: "Aber wenn die Unternehmen richtig groß werden wollen, wenn sie international wachsen wollen, dann fehlt oftmals das Kapital."

Ein Hauptgrund dafür ist, dass die Start-up-Kultur in Deutschland geringer ausgeprägt ist als in den USA. Dort wurde beispielsweise Pensionsfonds bereits vor Jahrzehnten erlaubt, einen Teil der gesammelten Gelder in Start-ups zu investieren.

Auch Stiftungskapital könnte in Start-ups fließen

Mehr Flexibilität bei der Geldanlage von Versicherungen, Pensionsfonds und anderen institutionellen Anlegern – das wäre ein Vorschlag, um Start-ups zu fördern. Auch Bayern könnte hier etwas tun, sagt Ebner, zum Beispiel durch Investments von staatlichen Stiftungen: "Wenn es gelingt, dass die nur zwei oder drei Prozent ihres Stiftungskapitals in Start-ups reinstecken, dann hätten wir eine riesige Summe, die den Abstand zu den USA auch ein Stück weit verkleinern würde." Denn bislang ist es häufig noch so: Kreative Forscher gründen zwar in Deutschland, gehen mit ihren Unternehmen dann aber wegen besserer Finanzierungsbedingungen ins Ausland.

Lust aufs Gründen machen – gerade auch jungen Frauen

Entbürokratisierung ist eine weitere Möglichkeit, wie die Politik junge Gründer unterstützen kann. Das Gründen müsse einfacher und digitaler werden – so sagt es die bayerische Grünen-Abgeordnete Stephanie Schuhknecht, die den Wirtschaftsausschuss im Landtag leitet. Vor allem aber wünscht sie sich, bei jungen Menschen "die Lust aufs Gründen zu entfachen". Sie verweist auf Initiativen wie "Start-up Teens", mit denen Jugendliche unternehmerisches Denken kennenlernen.

Dazu gehört insbesondere, junge Frauen zu ermutigen. Da hat Bayern nämlich Nachholbedarf: Mit einem Anteil von nur 17 Prozent Gründerinnen liegt Bayern unter dem ohnehin schon niedrigen Bundesschnitt von 20 Prozent. Immerhin: Eine von ihnen ist Henriette Maaß von NanoStruct aus Würzburg. Frauen, so ihr Eindruck, würden sehr stark über Risiken nachdenken – das sei zwar klug, könne aber auch bremsen. Ihre Erfahrung: Die meisten Herausforderungen sind stemmbar. Anderen jungen Frauen ruft sie daher zu: "Traut euch zu gründen."

(Symbolbild): Start-up
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(Symbolbild): Start-up

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