Wer kann sich noch daran erinnern, wie er sich am Morgen nach einer Party im Internet durch 400 Fotos klickt, um herauszufinden: Wie habe ich ausgesehen und wer war alles da? Wenn es klingelt, gehört sie oder er wahrscheinlich der Millennial-Generation an und war auf "bsmparty.de" angemeldet – einer der ersten regionalen Online-Communities in Süd- und Ostbayern, lange vor Facebook, TikTok und Instagram.
Vom Kinderzimmer ins Netz
Angefangen hat es mit einer Schnapsidee am Lagerfeuer. 2001 stellen die Gründer Stefan Behringer und Daniel Wildfeuer "bsmparty" ins Netz – ganz ohne Businessplan, vom Kinderzimmer in Haus im Wald - einem Ortsteil der niederbayerischen Stadt Grafenau - aus. Sie informieren über Partys und Veranstaltungen im Bayerwald und stellen Galerien online.
Am Anfang muss Behringer den Leuten oft erklären, was seine Plattform überhaupt ist: "Geht mal ins Internet", sagt er und drückt ihnen einen Flyer in die Hand. Damals nutzen nicht einmal 40 Prozent der Deutschen das Netz. Geld fließt damals für die Betreiber kaum. "Es gab noch praktisch keinen Markt für Onlinemarketing", sagt Behringer.
Behringer studiert zu der Zeit an der Fachhochschule in Deggendorf, doch er findet niemanden mit Know-how, wie Online-Communities funktionieren. "Du konntest niemanden fragen. Also wir haben uns viel selbst erarbeitet." Die Server stehen weit weg: in einem saarländischen Rechenzentrum.
Hunderte Ehrenamtliche machen Partyfotos
Weihnachten 2003 drehen die Gründer an der entscheidenden Schraube: Aus der Fotoseite wird eine Community. Leute können sich anmelden, Bilder liken und Personen markieren. Das Projekt wächst zum Unternehmen. Das entscheidende Erfolgsrezept: Bis zu 500 ehrenamtliche BSM-Fotografinnen und -Fotografen sind auf Partys, in Clubs und Lokalen unterwegs – von Freyung-Grafenau über Passau, Deggendorf, Regensburg, Kelheim und Cham bis nach München und Berchtesgaden.
Unter ihnen: Petra Uhrmann, damals 16 Jahre jung. Mit dem BSM-Shirt wird sie von weitem erkannt. "Egal ob Disco oder Open Air, du wurdest belagert", erzählt sie. Alle wollten ein Foto: mit der besten Freundin oder dem Gspusi. "Wir haben teilweise nachts um drei Uhr Fotos hochgeladen, weil die Leute so mit den Hufen geschart haben."
"Jeder im Freundeskreis war dabei"
Zwischen 2008 und 2010 erlebt die Plattform ihre Hochphase. "Da waren in den stärksten Landkreisen über 80 Prozent der 15- bis 25-Jährigen bei uns drin", sagt Behringer. Und die besten Fotos landen in den Lokalteilen der Passauer Neuen Presse, auf der "Szeneseite", die damals immer dienstags erscheint.
Auch der Comedian Martin Frank war als Jugendlicher bei "bsmparty" angemeldet. "Jeder in meinem Freundeskreis war dabei", erzählt er. "Wenn man in jemanden verliebt war, hat man ihn erstmal auf bsmparty gestalkt."
Manche schreiben nur kurz, andere heiraten Jahre später. Einmal wurde Stefan Behringer bei einer Hochzeit als "digitaler Verkuppler" vorgestellt: Das Paar hatte sich bei "bsmparty" kennengelernt. "BSM war nie nur eine Website", sagt Behringer und wird nostalgisch. "Für viele Menschen in Ostbayern war es das erste soziale Netzwerk ihres Lebens."
Ursprüngliche Bedeutung bleibt geheim
Bleibt die Frage: Wofür steht BSM? Mit BSE oder BDSM hat es jedenfalls nichts zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung wollen die Freunde aber lieber für sich behalten. "Öffentlich haben wir es umgedeutet – erst zu 'Bavarian Scene Mania' und später zu 'Bilder, Szene, Menschen'", erklärt Behringer.
Ab 2011 wurde es zäher. Nicht nur für BSM, auch für viele andere Soziale Netzwerke wie StudiVZ, SchülerVZ, Lokalisten. Facebook startet in Deutschland, Smartphones erobern die Hosentaschen, WhatsApp ersetzt den BSM-Chat. Auch mehrere neue Ideen führen nicht mehr zur Wiederbelebung der Plattform. Die heutige Jugend kennt sie längst nicht mehr.
Nach 25 Jahren ist Schluss
Behringer baut mit seiner Firma BWmedien parallel andere Standbeine auf. Heute hat er zehn Mitarbeitende. Sein Kollege Daniel Wildfeuer lebt mittlerweile in Hamburg und betreibt einen Onlineshop.
Ende des Jahres, 25 Jahre nach dem Start, geht "bsmparty.de" endgültig vom Netz. Einige mögen überrascht sein, dass die Seite überhaupt so lange online war. BSM - das sind zwei Millionen Partyfotos - ein digitales Fotoalbum der südostbayerischen Millennial-Generation. Bis Ende des Jahres können Nutzer ihre Fotos sichern.
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