(Symbolbild) Stoppuhr, um die Zeit genau zu messen
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(Symbolbild) Die Bundesjugendspiele: ein fröhliches Sportfest oder eine Qual für Kinder?
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(Symbolbild) Die Bundesjugendspiele: ein fröhliches Sportfest oder eine Qual für Kinder?

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Wieder mehr Leistung bei Bundesjugendspielen? Pro und Contra

Wieder mehr Leistung bei Bundesjugendspielen? Pro und Contra

Die Bundesjugendspiele: ein fröhliches Sportfest oder eine Qual für Kinder? Seit einigen Jahren können Schulen zwischen kompetitivem Wettkampf und dem Wettbewerb wählen, der Freude an Bewegung wecken soll. Für beides finden sich gute Argumente.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Viele erinnern sich noch an verschwitzte Sommertage auf dem Sportplatz, wenn es wieder hieß: Bundesjugendspiele, mit Sprints, Weitsprung und Urkunden – für manche ein Highlight, für andere eine Herausforderung.

Nach einer Reform, die mehr Freude an Bewegung statt Leistungsdruck in den Mittelpunkt stellte, kehrt nun der klassische Wettkampf teilweise zurück. Anfang Juni beschloss die Bildungsministerkonferenz, Wettkämpfe in Leichtathletik und Schwimmen für die Klassen 3 und 4 wieder zuzulassen. Ob Schulen davon Gebrauch machen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Sollten die Bundesjugendspiele leistungsorientiert sein? Ein Pro & Contra.

Pro

von Rebecca Bück

Die Bundesjugendspiele sind gut für Kinder: Sie fördern Talente, motivieren zu Leistung, vermitteln Werte und können bei jedem Kind zu Erfolgserlebnissen führen. Sie nicht wettkampforientiert auszurichten, ändert nichts daran: Kinder wollen sich messen.

Wettkampf ist erwünscht

Filip Mess, Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik an der TU München, weiß: "Das Motiv die individuelle Leistung zu verbessern, ist bei Kindern und Jugendlichen sehr stark ausgeprägt". Für Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) ist klar: "Leistung ist was Cooles!"

Ein Blick in die Realität an Schulen bestätigt das: An der Münchener Grundschule in der Jenaer Straße finden die Bundesjugendspiele als Wettbewerb statt. Laut Sportlehrerin Irina Heyne vergleichen sich die Kinder aber sowieso. Einige wünschen sich, dass nicht nur in Zonen bewertet wird (wie es der Wettbewerb vorsieht), sondern exakte Messungen vorgenommen und die Platzierungen bekannt gemacht werden.

Nicht nur Spitzenleistung wird belohnt

Die Sorge, dass nur die sportlich Begabten, die schon im Verein glänzen, von den Bundesjugendspielen profitieren, ist unbegründet. Jedes Kind kann sich individuell verbessern. Sportwissenschaftler Mess sieht die Bundesjugendspiele als positive "Leistungsmotivation", vor allem weil auf Schulnoten-Ebene keine Bestrafung erfolgt, sondern dass "herausragende Leistungen belohnt werden", wie auch "mittelmäßige Leistungen ein Stück weit Anerkennung finden".

Nicht gebunden an Beschlüsse der KMK, wird an der privaten Münchner Isar-Grundschule seit jeher der Wettkampf durchgeführt. Wichtig für Schulleiter Florian Huber: Nicht nur das Messen untereinander, vor allem "dass jeder seine Entwicklung sieht, wie er sich in den einzelnen Disziplinen über die Zeit verbessert".

Talente früh erkennen

Der Schulsport ist für viele Kinder Erstkontakt zu Sportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen. Filip Mess sagt: "Talente entwickeln, Talente fördern, ist Aufgabe auch des Sportunterrichts." Und, auch wenn die Kausalität Schulsport und Olympia schwer herzustellen sei: Je mehr man Kinder und Jugendliche im Sport fördere, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, "dass wir dann in einigen Jahren vielleicht die zukünftigen Goldmedaillengewinnerinnen haben".

Mehr als nur sportliche Wertungen

Leistungswettkämpfe können laut Mess dazu führen, dass Empathie und das soziale Miteinander gestärkt werden. Schulleiter Huber sieht Teile der schulischen Ausbildungsziele durch den Wettkampf erfüllt, etwa Frustration und Toleranz, "aber auch Resilienz und Leistungsfreude".

Die Bundesjugendspiele sind eine wichtige Ergänzung zum Schulsport, wo Kinder ihrem Drang, sich zu messen, nachgehen sowie sich durch Wettkampf sportlich und sozial weiterentwickeln können.

Contra

von Arno Trümper

Das Leistungsprinzip bei den Bundesjugendspielen in der dritten und vierten Klasse geht an den Bedürfnissen der Kinder vorbei. Der Schulalltag in der Grundschule braucht keine Jagd nach Best-Leistungen. Die Grundschule ist ohnehin schon stark durch Leistung geprägt, besonders in der vierten Klasse. Da geht es um den Übertritt in die weiterführenden Schulen: Eltern haben Ansprüche, Lehrer lassen viele Proben schreiben und Schüler setzen sich selbst unter Leistungsdruck.

Sport könnte da ein toller Ausgleich sein – sich richtig austoben und den Kopf frei bekommen, ohne an Noten zu denken. Wenn Schüler diese Lektion lernen: "Sport als Ausgleich und zur Lebensfreude", dann hätte der Schulsport eine wichtige Aufgabe erfüllt. Das Leistungsprinzip beim Sport zu betonen, würde dem entgegenstehen. Wer Wettkampf sucht, der ist in einem Sportverein bestens aufgehoben.

Die Gesundheit der Kinder muss gefördert werden

Laut UNICEF (externer Link) sind in Deutschland 25 Prozent der Kinder zwischen fünf und 19 Jahren übergewichtig. Acht Prozent gelten davon als adipös, also als krankhaft übergewichtig. Zu den wichtigsten Therapien bei Übergewicht gehört Bewegung. Gleichzeitig zeigt eine Studie der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) (externer Link): Mehr als ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzt soziale Medien riskant oder krankhaft.

Etwa 4,7 Prozent von ihnen gelten als süchtig. Das sind dramatische Zahlen und welch dramatisch wichtige Rolle könnte da der Sportunterricht spielen! Kinder motivieren, das Handy liegen zu lassen und sich zu bewegen. Den Spaß am Sport zu wecken, sollte die einzige Rolle des Sportunterrichts sein! Eine Überfrachtung mit Leistungswettbewerben oder die Sichtung für den Spitzensport wirkt bei solchen Zahlen geradezu zynisch.

Es geht auch um die Schwächsten

Die schlimmste Vorstellung: Ein Kind, das zu viel zu Hause vor dem Bildschirm sitzt, sich darum zu wenig bewegt, mit all den gesundheitlichen Folgen, muss sich mit einer Teilnehmerurkunde begnügen. Von den Sportskanonen in der Klasse wird es dafür auch noch gehänselt. Wäre es nicht zu verständlich, wenn dieses Kind dann noch mehr den Spaß an Bewegung verliert? So wird denen, die es am dringendsten brauchen, die wichtigste Lektion vorenthalten: Sport ist schön, er macht Spaß, steigert das Wohlbefinden und ist gesund!

Sport gehört zu den sinnvollsten Freizeitbeschäftigungen, die man sich vorstellen kann. Darum lehrt den Kindern, den Sport an sich zu feiern und nicht nur die Siege!

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