Geländer sind seit 23 Jahren um zehn Zentimeter zu niedrig
Geländer sind seit 23 Jahren um zehn Zentimeter zu niedrig
Bild
Brücken im Olympiapark für Radler gesperrt
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Brücken im Olympiapark für Radler gesperrt

Videobeitrag
>

Bußgeld fürs Radeln im Olympiapark?

Bußgeld fürs Radeln im Olympiapark?

Frust statt freie Fahrt im Olympiapark: Mitten in der Hauptsaison stehen Radlerinnen und Radler nämlich dort vor Brücken, die neuerdings nur für Fußgänger passierbar sind. Wie kommt's dazu? Und kontrolliert die Polizei dort?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Unzählige Baustellen, Straßensperren und obendrein Schienenersatzverkehr an der vielbefahrenen U6: Kein Wunder, dass derzeit viele Münchnerinnen und Münchner mit dem Radl unterwegs sind.

Freie Fahrt ohne rote Ampeln und Autoverkehr gibt es in München vor allem in den Parks wie im Englischen Garten, dem Westpark oder durch den Olympiapark.

Doch da stehen nun vor mehreren Brücken die Verkehrszeichen 239 - ein blaues rundes Schild mit einer Frau und einem Kind darin in weiß. Das Zeichen bedeutet "Gehweg" und: "Hier dürfen ausschließlich Fußgänger passieren". Also weder E-Scooter noch Fahrräder. Konkret heißt das: Radlerinnen und Radler müssen absteigen und schieben.

Brücken aus dem Jahr 1972 jetzt zu niedrig

Bei einer Bauwerksprüfung im März 2026 hatte die Stadt festgestellt, dass einige Brückengeländer nur 1,20 Meter hoch sind - also nicht die ausreichende Höhe haben, um die theoretische Absturzgefahr für Fahrradfahrer abzuwehren.

Allerdings: Die Brücken stammen aus den 1970er-Jahren und es ist nichts darüber bekannt, dass es seitdem dort Unfälle gab, die durch höhere Geländer verhindert worden wären. Heutzutage müssen Brücken, die auch von Radfahrern genutzt werden, eine Mindest-Geländerhöhe von 1,30 Meter haben. Und deshalb sind fünf der 19 Brücken im Olympiapark jetzt für Radlerinnen und Radler gesperrt.

Noch unklar, wann Brücken für Radler wieder offen sind

Die Stadtwerke München sind im Olympiapark als Betreiber für die Verkehrssicherheit zuständig und setzten die von der Stadt angeordneten Maßnahmen um. Sie sind also für das Aufstellen der Schilder und Sicherung des Bauwerks zuständig. Derzeit werde statisch geprüft, ob die zu niedrigen Geländer erhöht werden können, erklärt Michael Silva von den Stadtwerken.

Wann das genau sein wird, das ist allerdings unklar, denn der gesamte Olympiapark steht unter Denkmalschutz. Eine Erhöhung der Brückengeländer geht also nicht von heute auf morgen. Bis dahin bleiben die Schilder erst einmal stehen und die betroffenen Brücken offiziell gesperrt - auch, um sich rechtlich abzusichern. Denn sollte wirklich etwas passieren, könne so eine Klagemöglichkeit vermieden werden.

"Typisch Deutsch, würde ich sagen"

Doch was sagen eigentlich die Radlerinnen und Radler dazu? Bei einer Umfrage vor Ort zeigt sich: Fast alle haben die Schilder nicht bemerkt und wissen deshalb auch gar nicht, dass sie mittlerweile absteigen und schieben müssen.

"Nein, weiß ich nicht. Ich fahr hier sogar täglich durch", sagt eine Radlerin. "Keine Ahnung", erklärt eine junge Frau. Ihre Navigations-App habe ihr diesen Weg angezeigt. Ein "Schilderwald für nichts und wieder nichts", meint ein Radler und ein anderer sagt lachend: "Typisch Deutsch, würde ich sagen".

Polizei München: Bußgelder möglich

Werden die Fußgänger-Brücken von der Polizei München kontrolliert und sogar Bußgelder verhängt? Offenbar schon, so berichtete jedenfalls jemand im Frühjahr auf der Meldeplatzform "München unterwegs" (externer Link): "Am vergangenen Freitag kam es zu einer Kontrollaktion der Polizei, bei der viele direkt vor Ort ein Bußgeld entrichten mussten".

Die Polizei München antwortet auf BR-Anfrage, dass die Beamten im Rahmen ihres Ermessensspielraums eingreifen würden, wenn dies aufgrund er Gefährdungslage oder Durchsetzung von Verkehrsregeln erforderlich oder verhältnismäßig sei. Es solle aber primär das Gespräch gesucht werden und im Falle der Brücken im Olympiapark auf die geänderte Regelung an diesen Stellen hingewiesen werden.

Bußgelder seien aber grundsätzlich möglich, erklärt die Polizei weiter. Ob und wie oft an den fünf Brücken schon welche verhängt worden sind, könne allerdings nicht mitgeteilt werden.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!