Nach dem Cyberangriff auf das kommunale Behördennetz im Landratsamt Cham am vergangenen Donnerstag läuft die IT inzwischen wieder uneingeschränkt.
Das hat ein Pressesprecher des Landratsamts Cham BR24 mitgeteilt. Im Rahmen einer sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacke (DDoS) hatten Angreifer die Systeme des Behördennetzes mit einer Flut automatisierter Anfragen aus aller Welt überlastet.
Landrat: Angreifer wollen Verwirrung stiften
Die Folge der Angriffe: Die gesamte IT-Infrastruktur war offline. Zeitweise waren dadurch E-Mail-Verkehr, Telefonie und Internetdienste nicht verfügbar. Unter anderem konnten Bürger zum Beispiel die Serviceangebote der Kfz-Zulassungsstelle oder der Führerscheinstelle nicht nutzen.
"Das konkrete Ziel hinter dem Angriff ist offensichtlich, Systeme lahmzulegen, um Verwirrung zu stiften und Behörden auszubremsen", sagt der Chamer Landrat Christian Schindler auf BR-Anfrage: "Ein weiteres Ziel ist mit Sicherheit aber auch, dem Staat damit zu schaden."
Nach bisherigen Erkenntnissen soll die Cyber-Attacke aus einem weltweiten Netz kompromittierter Systeme erfolgt sein – und zwar aus rund 50 Ländern, darunter Brasilien, Indien, Mexiko, Argentinien, der Irak und Bangladesch.
Daten wurden nicht entwendet
Neben dem Landratsamt richtete sich der Angriff zudem gegen mehrere der 39 Gemeinden im Landkreis, die an das Behördennetz angeschlossen sind. Anders als beim Angriff auf die lokalen Server des Eichstätter Rathauses am Wochenende wurden in Cham keine Daten entwendet oder manipuliert.
Laut dem Landratsamt war hier das Ziel der Angreifer, die Systeme zu überlasten. Die interne IT-Abteilung konnte die Ursache gemeinsam mit externen Spezialisten und dem Internetprovider identifizieren und zusätzliche Schutzmaßnahmen aktivieren. Noch am Donnerstagnachmittag konnte der Regelbetrieb schrittweise wieder aufgenommen werden.
Landratsamt will Schutzsysteme ausbauen
"Ich glaube, dass wir uns zukünftig deutlich intensiver mit solchen Themen beschäftigen müssen", sagt Landrat Schindler: "Wir wissen ja nicht, was da noch auf uns zukommen könnte." Das Landratsamt sieht sich trotz des zeitweisen Systemausfalls in seinem bestehenden Sicherheitskonzept bestätigt. Dazu gehören eine Firewall, festgelegte Notfallprozesse und regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen. Dennoch sollen die Schutzmaßnahmen weiter ausgebaut werden – etwa durch Investitionen in neue Schutzschilde. Dabei hofft er auch auf die Unterstützung des Bundes.
Warum die Angreifer es gerade auf den Landkreis Cham abgesehen haben, ist bislang unklar. Die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden dazu laufen.
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