Der Arzneimittelhersteller R-Pharm Germany mit Sitz im schwäbischen Illertissen steht vor dem Aus. Ein Investorenprozess, der seit Monaten läuft, sei ohne Abschluss geblieben, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Fröhlich.
Übernahme wäre mit "erheblichen" Investitionen verbunden
Mit den Interessenten konnte keine Vereinbarung über eine gesicherte Übernahme erzielt werden. Damit gibt es keine Aussicht mehr, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann. Insolvenzverwalter Markus Fröhlich hat die Belegschaft heute im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert. Betroffen sind rund 280 Beschäftigte.
Das deutsche Tochterunternehmen des russischen Konzerns war infolge des Ukrainekrieges in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Aufträge blieben aus, Kunden und Geschäftspartner hatten sich zurückgezogen. Das hatte die Liquidität der Firma enorm belastet, was letztlich zur Insolvenz geführt hatte. "Ein Erwerber hätte neben dem Kaufpreis erhebliche finanzielle Mittel für das Hochfahren des Geschäftsbetriebs bereitstellen müssen", heißt es in der Pressemitteilung.
Söder hatte Impfstoff-Produktion angestrebt
Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren eine regelrechte Berg- und Talfahrt erlebt. Zu Corona-Zeiten sollte dort Sputnik-Impfstoff des russischen R-Pharm-Konzerns produziert werden, es gab intensive Gespräche mit der bayerischen Staatsregierung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vehement eine Zulassung durch die Europäischen Arzneimittel-Agentur gefordert. Doch Impfstoffe anderer Hersteller waren schneller flächendeckend verfügbar.
Anlässlich des russischen Überfalls auf die Ukraine beendete Söder schließlich seine Unterstützung für das Projekt. R-Pharm wollte deshalb auf die Produktion eines Rheumamittels umschwenken.
Lange Geschichte als Pharma-Standort
Der Standort hat eine lange Tradition und wurde 1860 noch unter dem Namen Mack gegründet. Basierend auf Bienengift stellte man Arzneimittel her. 1971 übernahm dann der US-Pharmakonzern Pfizer, der den Standort schließlich 2014 an R-Pharm übergab. Das Unternehmen war jahrzehntelang vor allem Lohnhersteller, zuletzt wollte man mit dem Aufbau eines Biotech-Bereichs auch stärker auf die Entwicklung setzen.
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