Zentrum für Schwerbrandverletzte die Behandlung am Klinikum Nürnberg
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Arzt im Zentrum für Schwerbrandverletzte am Klinikum Nürnberg. Das Zentrum hat die Behandlung eines Verletzten aus Crans-Montana übernommen.
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Arzt im Zentrum für Schwerbrandverletzte am Klinikum Nürnberg. Das Zentrum hat die Behandlung eines Verletzten aus Crans-Montana übernommen.

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Crans-Montana: Klinikum Nürnberg versorgt Brandopfer

Crans-Montana: Klinikum Nürnberg versorgt Brandopfer

Das Zentrum für Schwerbrandverletzte am Klinikum Nürnberg hat die Behandlung einer Person übernommen, die sich in Crans-Montana schwere Verbrennungen zugezogen hat. Seit Freitag ist sie in Nürnberg in Behandlung. Weitere Patienten könnten folgen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Nach dem Inferno in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana hat auch das Klinikum Nürnberg mit seinem Zentrum für Schwerbrandverletzte die Behandlung eines Patienten übernommen. Zur Schwere der Verletzung und zur Person macht das Klinikum aus Gründen des Personenschutzes keinerlei Angaben. Am Freitagnachmittag kam der Patient oder die Patientin mit einem Ambulanz-Jet nach Nürnberg.

Das Spital Zürich hatte beim Nürnberger Klinikum angefragt, ob es die Versorgung übernehmen könnte. Wie der leitende Arzt am Zentrum für Schwerbrandverletzte, Moritz Billner, erklärt, geht es bei solchen Behandlungen zunächst um erste routinemäßige Maßnahmen für Brandopfer wie die Wundsäuberung. Dabei kommt ein sogenanntes Aufnahmebad zum Einsatz. "Das dient als Einrichtung dazu, dass die Patienten, die als frisch Verletzte zu uns kommen, hier zunächst mal gereinigt, die Brandblasen abgetragen werden, die Patienten komplett abgewaschen und die Patienten dann mit ersten Verbänden versorgt werden können."

Schwerbrandverletzten-Zentrum in Nürnberg – eines von dreien in Bayern

Behandlungen solcher Art seien nicht nur aufwendig und schmerzhaft, sie zögen sich außerdem über viele Monate, so der Experte. Das Schwerbrandverletzten-Zentrum in Nürnberg ist eines von dreien in Bayern, die das nötige Know-how haben. "Es ist eine komplexe Behandlung, weil die verschiedenen Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten müssen", erklärt Chefarzt Jens Kubitz. Die Patienten seien am Anfang in einer sehr kritischen Phase und müssten intensivmedizinisch behandelt werden. Zudem bringen sie häufig auch Begleitverletzungen mit. Die Patienten müssten dann nicht nur plastisch-chirurgisch, sondern auch unfallchirurgisch versorgt werden, so der Mediziner.

Wie groß die Überlebenschancen von Brandopfern sind, hänge vom Verbrennungsausmaß ab. Also davon, wie viele Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, von der Tiefe der Verbrennung und von den Begleiterkrankungen. "Ein ganz wesentlicher Faktor ist auch das Alter: Je jünger die Patienten, desto besser ist das Outcome", so der Experte.

Spezialisten für schwerste Brandverletzungen

Das Zentrum für Schwerbrandverletzte im Klinikum Nürnberg (externer Link) am Campus Süd verfügt über acht Betten sowie einen eigenen Operationssaal und zählt eigenen Angaben zufolge zu den größten in Deutschland. Im Zentrum arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Plastischen Chirurgen, Anästhesisten, Pflegekräften, Psychologen sowie Ergo- und Physiotherapeuten zusammen und behandelt nach eigenen Angaben rund 100 Schwerbrandverletzte im Jahr.

Dabei sind die Spezialistinnen und Spezialisten zuständig "für alle großflächigen und tieferen Verletzungen, die durch Feuer, Verbrühungen, Explosionen, Chemikalien und Elektrizität verursacht wurden", heißt es auf der Webseite des Klinikums.

Internationale Hilfe aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien

Ob Nürnberg zukünftig noch weitere Patienten aus Crans-Montana aufnimmt, ist derzeit noch unklar. Für eine spätere Behandlung – auch der Langzeitfolgen – sei das aber denkbar, sagte eine Klinik-Sprecherin. Den Kliniken in der Schweiz haben die Verantwortlichen in Nürnberg angeboten, falls nötig, zwei weitere Schwerverletzte der Brandkatastrophe aufzunehmen. Weitere verletzte Überlebende des Unglücks werden unter anderem in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Halle (Saale), Bochum und Köln-Merheim behandelt.

Wie das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz am Sonntag auf seiner Webseite mitteilte, werden Brandopfer in der Schweiz und in spezialisierten Kliniken in Belgien, Frankreich, Italien und Deutschland behandelt.

Zunächst sind keine weiteren Verlegungen aus der Schweiz geplant

Die Patientinnen und Patienten wurden per Flugzeug und Hubschrauber nach Deutschland transportiert. Die Schweiz hat den Angaben zufolge mitgeteilt, dass am Sonntag zunächst keine weiteren Transport- oder Behandlungskapazitäten benötigt werden.

"Bei den Verlegungen wurden sowohl ausländische Staatsangehörige als auch Schweizer Patientinnen und Patienten ins Ausland gebracht", heißt es weiter. Für Letztere wurden Spitalplätze möglichst nahe der Schweiz priorisiert. Bei der Verlegung wurde auch auf die Sprache und familiäre Verbindungen im Zielland geachtet. Die Verlegungen wurden mit der Einwilligung der Angehörigen durchgeführt.

Zahl der Verletzten auf 116 korrigiert

Bei dem Feuer starben nach bisherigem Stand 40 Menschen. Nach letzten Angaben der Schweizer Polizei wurde die Zahl der Verletzten von 119 am Montagnachmittag auf 116 korrigiert. Viele von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Die meisten Verletzten waren demnach Jugendliche und junge Erwachsene bis Mitte 20.

Ursache des Brands in der Bar "Le Constellation" in der Silvesternacht waren nach bisherigen Ermittlungen funkensprühende Partyfontänen. Gegen die beiden Betreiber der Bar läuft ​ein Strafverfahren.

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